Werbekrise
So wollen Gratis-Netzwerke ihre Marken zu Geld machen
Von Konrad Lischka
2. Teil: Software-Plattform - Dritte arbeiten lassen
Osofsky beschreibt die Strategie so: "250 Millionen Mitglieder können heute Facebook-Credits in 15 Währungen kaufen." Facebook setze darauf, dass die Alternativwährung populärer werde und "den Entwicklern bei der Monetarisierung helfen und Nutzern eine gute Erfahrung bieten wird".
Das ist einer der kreativeren Ansätze, neben Werbung noch andere Erlösquellen zu erfinden: Von den Nutzern direkt kann man es ja kaum verlangen - schließlich lebt Facebook ähnlich wie Google davon, die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen über ein Gratis-Angebot möglichst lang auf einer Plattform zu binden. Diese Aufmerksamkeit kann man natürlich ganz klassisch wie das Privatfernsehen und Gratis-Angebote im Web über Werbung zu Geld machen. Aber Facebook will auch die Besucher anzapfen - über Bande.
Die bekanntesten Netzwerke
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach
eigenen Angaben hat Facebook derzeit 600 Millionen aktive Mitglieder weltweit.(Stand: Januar 2011).
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Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat
laut Betreiber über neun Millionen Nutzer (Stand: Dezember 2010).
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MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach
eigenen Angaben sind es noch mehr als 100 Millionen (Stand: Februar 2011).
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Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach
eigenen Angaben hat Xing über zehn Millionen Mitglieder (Stand: September 2010), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme.
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Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007
übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net
nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011).
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Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach
eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer.
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Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach
eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder.
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Drittanbieter können sich Anwendungen ausdenken, die exklusiv, interessant oder eng genug auf eine Nische zugeschnitten sind, dass Menschen dafür zahlen. Facebook macht es den kleinen, kreativen Anbietern leicht, Geld einzutreiben, kassiert dabei Provision und hat kein Risiko, aber alle Vorteile des Mittelsmannes: Zusätzliches Geld kommt rein, die eigene Plattform wird durch die Angebotsvielfalt interessanter, aber niemand bekommt den Eindruck, dass Facebook wesentliche Funktionen kostenpflichtig macht.
Ähnlich wie Apple, Ebay, Google und viele andere Dienste lässt Facebook dabei Drittanbieter gratis für sich arbeiten: Was gut für ihr Geschäft ist (interessierte Nutzer), festigt nebenbei auch Facebooks Position bei den Nutzern - ein sich im besten Fall selbstnährender Trend.
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