Von Richard Meusers
Das hatte man sich beim Netzbetreiber Etisalat in den Vereinigten Arabischen Emiraten hübsch ausgedacht: Unbemerkt wollte man eine Software auf den rund 145.000 Blackberry-Smartphones im Lande via Funknetz installieren. Versteckt war die Schnüffelsoftware in einem an sich harmlosen Update, das eigentlich den Wechsel zwischen verschiedenen Funknetzen erleichtern sollte. Doch dabei gab es einen Fehler, Fachleute sahen sich das Update genauer an, der Coup flog auf. Das unscheinbare Programm ist Experten zufolge dazu geeignet, elektronische Nachrichten, die das Gerät erreichen, unbemerkt an einen unbekannten Empfänger weiterzuschicken. Zuvor müsste es per Fernbefehl aktiviert werden, was zu der Vermutung führte, das Ganze sei eine Art vorsorgliche Abhör-Vorbereitung lokaler Sicherheitsbehörden. Doch daraus wird wohl nichts.
Zumindest dann nicht wenn Etisalats Blackberry-User einem Rat des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) folgen. Der hat festgestellt: Etisalats Software ist nicht von RIM autorisiert, geschweige denn entwickelt worden. Generell ruft RIM dazu auf, mit Software von Drittanbietern vorsichtig umzugehen - dass ein Handy-Nutzer aber den Updates seines Netzbetreibers traut, ist wohl kaum als fahrlässig einzustufen.
Man habe eine Software entwickelt, welche das Späh-Programm wieder von den E-Mail-Handys entfernt, teilte RIM weiter mit. Die können sich Betroffene seit Mittwoch schnell und kostenlos von der RIM-Webseite herunterladen - und sollten das auch tun.
mak
Streit über LAs Datenwolke
Eine der wichtigsten Fragen beim Cloud-Computing, nämlich die nach dem Datenschutz, stellen sich Lokalpolitiker und Bürger von Los Angeles. Der Grund: Die Stadtväter wollen die städtische Datenverarbeitung ins Internet verlagern. Ein entsprechender Vertrag zur Nutzung von Googles Cloud-Computing-Diensten wurde vergangene Woche unterzeichnet, meldet die "LA Times". Damit sind nicht alle Behörden einverstanden, vor allem jene nicht, die mit sensiblen Daten umgehen.
Der Polizei etwa sieht die notwendige Sicherheit nicht gewährleistet. , zitiert "Cnet" einen Stadtrat. Der Grund für die ablehnende Haltung könnte der spektakuläre Twitter-Hack sein, bei dem ein Fremder Zugriff auf Firmeninterna in einem Google-Apps-Account erlangte, mutmaßt "Cnet".
Auch wenn die eigentliche Sicherheitslücke hier nicht von Google zu verantworten war, öffnet die Vermischung von privaten und beruflichen Daten durch Mitarbeiter grundsätzlich ein Einfallstor für Datendiebe. Derweil versucht Google zu beruhigen und verweist auf hohe Sicherheitsstandards, die das Unternehmen bei seinen Angeboten anlegen würde. Die wären allemal höher als die derzeit in der Datenverwaltung von Los Angeles geltenden.
Pirate-Bay-Verkauf soll wie geplant stattfinden
Eigentlich wollte das schwedische Softwareunternehmen Global Gaming Factory (GGF) den BitTorrent-Tracker Pirate Bay zu einem Preis von knapp 5,5 Millionen Euro übernehmen. Am Dienstag machte dann plötzlich die Nachricht die Runde, das Unternehmen rudere zurück. GGF-Anwalt Ricardo van Doorn wurde von der Nachrichtenagentur AP mit der Aussage zitiert, GGF werde Pirate Bay nur kaufen, wenn sich die Seite in ein "rechtmäßiges Geschäft" umwandeln lasse.
Nun hat sich der Chef selbst zu Wort gemeldet. Zu "Cnet" sagte GGF-Chef Hans Pandeya: und beabsichtigen keine Änderungen. Wir werden den Vertrag unseren Investoren bei einer Gesellschafterversammlung in vier Wochen vorlegen." Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Die Äußerungen von Anwalt Dijkstra bedeuteten lediglich, dass noch keine schriftlichen Vereinbarungen vorlägen, Berichte über einen grundsätzlichen Rückzug seien völlig übertrieben.
Australien: Polizei fahndet nach unsicheren W-Lans
Ungesicherte W-Lans in Büros oder Privathäusern sind eine Einladung zum Gratis-Surfen. Leider nutzen auch Zeitgenossen mit krimineller Motivation die unfreiwilligen Hot Spots, durchsuchen systematisch ganze Gebiete nach offenen Drahtlosnetzen, um diese für ihre Zwecke auszunutzen.
Um vor solchen Gefahren zu warnen und zu schützen, gehen im australischen Bundesstaat Queensland jetzt Polizisten auf Funkpirsch. Stoßen sie auf ein offenes Netz, klopfen sie beim Besitzer an, um ihn über die potentiellen Gefahren aufzuklären. , sagt Kriminalkommissar Brian Hay zum "Sydney Morning Herald". "Es geht nicht so sehr darum, böse Buben zu fangen, sondern ihr Operationsgebiet zu verkleinern."
Kartoffeln statt Notebooks: Polizei fängt Computerbetrüger
In Hildesheim hat die Polizei nach einer klassischen Verfolgungsfahrt durch die Innenstadt ein Mitglied der im Nordwesten Deutschlands seit einiger Zeit aktiven "Kartoffelbetrüger" festnehmen können. Ihren nahrhaften Namen hat die Bande von der Angewohnheit, nichtsahnenden Kunden statt Laptops oder Handys besagte landwirtschaftliche Produkte unterzuschieben.
Die Betrüger sprechen aus dem Auto heraus arglose Menschen an und bieten elektronische Geräte zu Schnäppchenpreisen an. Die entpuppen sich nach der Bezahlung allerdings nur als edel verpackte Kartoffeln. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen Briten. Auch der Rest der Bande spricht Englisch und soll in einem Auto mit britischem Kennzeichen unterwegs sein.
Selbstmord wegen iPhone-Prototyp
Ein Mitarbeiter des taiwanischen Unternehmens Foxconn hat offenbar Selbstmord begangen, nachdem er verdächtigt worden war, einen iPhone-Prototyp gestohlen zu haben. Die Sicherheitsabteilung des Unternehmens hatte den 25-Jährigen offenbar mit rabiaten Methoden verhört, nachdem einer von 16 iPhone-Prototypen vermisst wurde.
Medienberichten zufolge ging die interne Untersuchung über jedes annehmbare Maß hinaus. So soll das Privathaus des Mannes durchsucht und der Werkschutz den Verdächtigen bei den Befragungen misshandelt haben. Eine Apple-Sprecherin hat den Vorfall am Dienstag bestätigt und eine Untersuchung der Umstände angekündigt.
Streaming verstopft mobile Datennetze
Die schnellen Mobilfunk-Datennetze werden zunehmend für Streamingdienste genutzt, so das Ergebnis des Allot Global Mobile Broadband Traffic Report. Demnach hat das Volumen mobiler Datenströme aufgrund der stark gestiegenen Verkäufe von internetfähigen Smartphones und Laptops allein im zweiten Quartal 2009 um 30 Prozent zugenommen. Websurfen ist zwar mit Abstand die beliebteste Anwendung, liegt aber mit einer Zunahme von 21 Prozent noch nicht an der Spitze. Video- und Audio-Streaming hingegen hat um 58 Prozent zugelegt. Kommt auf diesem Weg das Fernsehen doch noch aufs Handy?
Außerdem:
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Großbritannien: Mit der Mittelalterdatenbank zu 250.000 Soldatenlebensläufen
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