Von Richard Meusers
Die mehrfach berichtete Löschaktion im Geiste Orwells macht Amazon weiterhin Ärger. Ausgerechnet die Orwell-Bücher "1984" und "Farm der Tiere" waren aus dem Speicher von Kindle-Lesegeräten verschwunden, obwohl deren Besitzer sie gekauft und bezahlt hatten. Der Vorgang zeigte, dass Amazon über die Mobilfunkanbindung der Kindle-Lesegeräte auf deren Inhalte zugreifen kann - nicht wenige Kunden empfanden das als orwellschen Albtraum .
Die Entschuldigung von Amazon-Chef Jeff Bezos konnte nicht alle Gemüter beruhigen, zumindest zwei Betroffene wollen nun klagen. Der 17-jährige Schüler Justin Gawronski aus Michigan war gerade dabei, eine Hausarbeit über George Orwell zu schreiben, als sein Kindle von dem Löschangriff ereilt wurde. Auf dem Gerät hatte er nicht nur den Text gelesen, sondern auch Notizen festgehalten. Die seien nun ohne den Bezugstext völlig wertlos. Denn Hinweise wie "merk dir diesen Absatz für die Hausarbeit" seien sinnlos, wenn man nicht mehr wüsste, welcher Absatz gemeint war, heißt es in der Klagebegründung.
Eine weitere Klage wurde von dem Kalifornier Antoine Bruguier angestrengt. Der war von Amazon über die Entfernung seiner virtuellen "1984"-Kopie per E-Mail informiert worden, aufgrund von "Problemen" müsse die Datei leider gelöscht werden. Erst später gab das Online-Kaufhaus Urheberrechtsgründe an. In seiner Klage verwies Bruguier auf die Amazon-AGB, die Kindle-Kunden das dauerhafte Recht zur Speicherung und Nutzung gekaufter Inhaltezusichern. Dagegen habe Amazon mit seiner Buchentfernung verstoßen.
Maulkorb für iPod-Opfer? Vorwürfe gegen Apple
Der Ärger mit explodierenden Geräten scheint beim Unterhaltungselektroniker Apple die üblichen Regeln für den Kundendienst außer Kraft zu setzen. Die Geschichte geht in einem Satz so: Nachdem der iPod eines elfjährigen Mädchens in die Luft gegangen war, schickte Apple der Londoner "Times" zufolge dem Vater des Kindes einen Brief, indem eine Entschädigung für das zerstörte Gerät unter der Bedingung des Schweigens angeboten wurde.
Wie Ken Stanborough aus Liverpool der "Times" berichtet, machte das Gerät zunächst "ein zischendes Geräusch, ich fühlte, wie es in meiner Hand immer wärmer wurde." Dann habe er es durch die Hintertür nach draußen geworfen, und innerhalb von ein paar Sekunden habe es "einen Knall und eine Rauchwolke" gegeben, das Gerät selbst sei "drei Meter in die Höhe gehüpft".
Der besorgte Vater rief die Apple-Hotline an und landete nach der üblichen Odyssee bei einem Entscheidungsbefugten. Danach kam der besagte Brief, in dem Apple jede Haftung ausschloss, aber für den Fall einer Zahlung eine Geheimhaltungvereinbarung über die Ereignisse forderte. Der empörte Vater lehnte ab. "Das wäre wie eine lebenslange Strafe für mich, meine Tochter und ihre Mutter gewesen. Ich will keine Entschädigung, ich will mein Geld zurück."
Ursula von der Leyen auf der Goldwaage
Ursula von der Leyen äußert sich bekanntlich oft zum Thema Internet, macht sich damit aber selten Freunde: Seit die von ihr forcierten Sperrlisten Gesetz sind, steht sie unter Dauerbeobachtung aus dem Netz. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt - und da so manche Äußerung vage genug ausfällt, um im Netz für hitzig diskutierte Missverständnisse zu sorgen, haben auch ihre Sprecher genügend zu tun. Jetzt vergaloppierte sich die Familienministerin in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" ein wenig: "Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder", sagte die Ministerin. Und ergänzte: "Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann."
Das wurde vielerseits und umgehend als Vorbereitung auf neue Netzsperren interpretiert. Im Familienministerium sah man den Zeitpunkt für ein Dementi gekommen. "Die Bundesfamilienministerin hat keineswegs eine Ausweitung der Internetsperren oder ein anders geartetes konkretes Vorgehen gegen weitere rechtwidrige Inhalte als Kinderpornografie angekündigt. Andere Deutungen sind nicht durch den Wortlaut des Interviews gedeckt", so die Mitteilung des Pressesprechers noch am Sonntag.
Völlig abseits aller Formulierungs-Ambivalenzen, stimmt auch die Hartnäckigkeit, mit der die Ministerin an der Mär vom angeblich rechtsfreien Internet strickt, bedenklich. Dabei ist das Gegenteil richtig, wie Strafverteidiger Udo Vetter in seinem Lawblog detailliert darlegt: "Mobben, beleidigen, betrügen. All das kann man im Internet tun. Genau so, wie man es im wirklichen Leben tun kann. Aber egal, wie man es macht - es ist strafbar und wird verfolgt. Auch im Internet."
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert unterdessen übrigens auch ein Gesetz für ein sichereres Internet - er möchte allerdings Abo-Fallen auf Web-Seiten gesetzlich effektiver unterbinden. Da könnte ein Gesetz wirklich Sinnvolles bewirken. Zu diesem Thema, das tatsächlich viele Internetnutzer betrifft, sagte die Ministerin aber nichts.
Wie man Apple-Tastaturen zu Keyloggern umfunktioniert
Ein Gutes haben Apple-Tastaturen, sie explodieren nicht. Trotzdem können sie ihren Besitzern durchaus schaden. Denn mit nur wenig Aufwand ist es möglich, die Keyboards in einen Keylogger umzuwandeln, der fleißig jede Eingabe mitverfolgt.
Wie ein Referent auf der Black Hat Sicherheitskonferenz in Las Vegas zeigte, wird dazu ein programmierbarer Microcontroller benutzt, der in Apple-Geräten wie zum Beispiel dem MacBook enthalten ist. Da der installierte Keylogger sich in der Firmware befindet, ändert auch eine Neuinstallation des Betriebssystems nichts am Problem. Die einzige Abhilfe: das ganze System zu flashen. Apple hat inzwischen mit einem entsprechenden Firmwareupdate reagiert.
Deutsche sicherheitsbewusster als der EU-Durchschnitt
Die EU hat kontinentweit knapp 13.000 Heim-Internetsurfer nach ihren Gewohnheiten und ihrem Risikobewusstsein befragt. Letzteres ist bei deutschen Surfern überdurchschnittlich hoch entwickelt. Immerhin 98 Prozent sind sich der Gefahr durch Viren bewusst (EU-Durchschnitt 97 Prozent), 93 Prozent (EU 90 Prozent) wissen um Identitätsklau und immerhin noch 85 Prozent (EU 81 Prozent) rechnen mit der Möglichkeit, ihr Rechner könnte gekapert und Teil eines Bot-Netzes werden.
Von entsprechend unschönen Erlebnissen haben 22 Prozent der Befragten berichtet. Das bedeutet, dass allein in Deutschland die Rechner von zehn Millionen Surfern schon einmal von einem Virus oder Trojaner befallen worden sind. Jeder Sechzehnte wurde schon einmal beim Onlineeinkauf übers Ohr gehauen und vier Prozent berichten von verbalen Angriffen und Belästigungen.
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