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31.08.2009
 

Netzwelt-Ticker

Piraten entern Stadträte

Von Richard Meusers

Banner der Piratenpartei: Je ein Stadtrats-Sitz in Münster und Aachen errungenZur Großansicht
Getty Images

Banner der Piratenpartei: Je ein Stadtrats-Sitz in Münster und Aachen errungen

Die Piratenpartei erzielt in Nordrhein-Westfalen kommunale Achtungserfolge, eine eigene formiert sich in Kanada. Ein Superhacker hofft auf Mindeststrafe von 15 Jahren, warum Teenies nicht twittern - das und mehr im Überblick.

Sie traten nur bei einer der drei Landtagswahlen an, bei der Kommunalwahl in NRW nur in zwei Städten, trotzdem feiert die Piratenpartei einen Doppelerfolg: Sowohl in Aachen als auch in Münster gelang es der Newcomer-Partei wie bereits berichtet, in die Stadtparlamente einzuziehen. Mit 1,7 und 1,6 Prozent reichte es für jeweils ein Mandat - und es hätte vielleicht sogar noch mehr werden können. Denn immerhin waren die Piraten nicht einmal in diesen beiden Städten flächendeckend angetreten. In Münster standen sie in 18 von 33 Stimmbezirken auf dem Wahlzettel, in Aachen sogar nur in 8 von 32. Dort holten sie dann aber auch in jedem möglichen Bezirk über sechs Prozent. Unterm Strich haben die Piraten in den beiden Universitätsstädten im Vergleich zur Europawahl ein wenig zugelegt. Damals erhielten sie 1,7 Prozent (Aachen) und 1,1 Prozent (Münster), konnten jedoch jeweils in der gesamten Stadt gewählt werden.

Trotz allem bleibt die Partei nach dem Wahlsonntag auf dem Niveau einer Splitterpartei. Das verdeutlicht auch das Ergebnis aus Sachsen. Dort war die Piratenpartei im Rahmen der Landtagswahlen angetreten und konnte in Dresden 3,4 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen, landesweit kam sie auf 1,9 Prozent und verfehlte damit klar den Einzug ins sächsische Landesparlament.

Der sächsische Kandidat Michael Winkler sagte der dpa, für eine Partei, die vor einem Jahr nahezu unbekannt gewesen sei, könne sich das Ergebnis sehen lassen. Die Sachsen-Wahl sei ein "Wegbereiter für die Bundestagswahl". Wahlforscher halten einen Einzug in den Bundestag aber für unwahrscheinlich. Die 2006 gegründete Piratenpartei Deutschland hat derzeit rund 6800 Mitglieder.

Piraten in Kanada

Im Ausland denken die Interessierten beim Wort "Piraten" derzeit allerdings mehr an das Verkaufshickhack um den inzwischen geklonten Torrenttracker The Pirate Bay - und an Kanada. Denn beim nördlichen Nachbarn der USA bereichert seit neuestem eine neue Partei das politische Spektrum, The Pirate Party of Canada. Nach dem üblichen, umständlichen und bürokratischen Prozedere wurde die neue Gruppierung nun ordentlich registriert. In ihrer Programmatik orientiert sie sich am schwedischen Vorbild und tritt vor allem für ein reformiertes Urheber- und Patentrecht ein, will den Schutz der Privatsphäre stärken und das Prinzip der Netzneutralität ins Bewusstsein der Öffentlichkeit heben. Um den Prozess der Parteianmeldung abzuschließen, benötigen die Neupiraten noch die Unterschriften von 250 Parteimitgliedern.

Ex-Skype-Manager vor Übernahme des VoIP-Unternehmens

Derzeit ist der Online-Auktionator Ebay dabei, das Internettelefonie-Unternehmen Skype loszuwerden. Und ein potentieller Käufer steht schon vor der Tür: Ex-Skype-Manager und Ex-Joost-Boss Mike Volpi plant gemeinsam mit Netscape-Gründer Marc Andreessen die Übernahme des VoIP-Dienstes. Dazu haben sie sich mit einer Gruppe von Kapitalgebern zusammengeschlossen, wie die Londoner "Times" berichtet. Im kommenden Jahr soll das Unternehmen an die Börse gebracht werden, davon versprechen sich die Investoren eine satte Kapitalspritze. Umgerechnet 1,4 Milliarden Euro sollen dann in die Kassen der Gruppe gespült werden. 2008 hatte Skype über 400 Millionen Nutzer, die dem Telefonierservice ein Umsatzwachstum von 44 Prozent auf 551 Millionen Dollar bescherten.

Größter Kreditkarten-Datenklau aller Zeiten: Täter plädiert auf Knast

Albert Gonzales aus Miami errang unter seinem Online-Namen "Soupnazi" nicht nur in den USA Berühmtheit, als der Computer-Hacker aufflog und wegen des Diebstahls der Daten von mehr 170 Millionen Kreditkarten vor Gericht landete. Dort bekannte sich der 28-Jährige nun schuldig und erklärte sich mit einer Strafe einverstanden, die ihm einen Gefängnisaufenthalt von bis zu 25 Jahren eintragen könnte. Dabei geht es allerdings nur um die in Boston und New York gegen ihn laufenden Verfahren. Ein weiterer Prozess steht dem Mann noch in New Jersey bevor, dieser ist bislang nicht Bestandteil der Vereinbarung. Allerdings hofft Gonzales, durch sein Geständnis um die vollen 25 Jahre herumzukommen und möglicherweise nur das Mindeststrafmaß von 15 Jahren zu kassieren. Bei seiner Verhaftung hatte sich herausgestellt, dass Gonzales der Kopf einer Hackergruppe war, die es vor allem auf Großunternehmen abgesehen hatte. Gonzales' komplettes Eigentum wurde beschlagnahmt, seine Computer, die Eigentumswohnung, sein Auto und Bargeld. Polizeibeamte gruben sogar noch 1,1 Millionen Dollar aus, die im Vorgarten seiner Eltern versteckt worden waren.

Warum Teenies nicht twittern

Vor zwei Jahren war Second Life DER Hype, an dem (fast) niemand vorbei kam, in diesem Jahr ist Twitter das beherrschende Thema der Netzweltbewohner. Jedoch geht die allgemeine Aufregung um den Zwitscherdienst an einer Gruppe vorbei, die man eigentlich für die perfekte Klientel gehalten hätte: Teenager. Schnell, nur 140 Zeichen, jeder versteht es - eigentlich die perfekten Voraussetzungen, um das Trend-Spielzeug für die unter 20-Jährigen zu sein. Um herauszufinden, warum das nicht so ist, führte das amerikanische Social Network myYearbook eine Befragung von 10.000 Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren durch. Ergebnis: Nur jeder achte von ihnen nutzt Twitter mehr oder weniger regelmäßig. Wieso dieser Wert so niedrig ist, erklärt ein Blick auf die vier wichtigsten Gründe von Teens, um Twitter zu nutzen: den eigenen Status aktualisieren, sich über seine bevorzugten Stars informieren, erfahren, was in der Welt los ist und mit den Freunden in Kontakt bleiben. Aber genau diese Interessen werden bereits bedient, durch Social Networks wie eben Facebook, MySpace und myYearbook. Dessen Chef fasst das Ergebnis der Studie auf "Techcrunch" sehr einfach zusammen: Auf die Frage, warum sie Twitter nicht nutzen, antworten die meisten Teenies "weil es uninteressant ist". Und der Microbloggingdienst ist deshalb uninteressant, weil er nichts Neues bietet, was die Teenager nicht schon längst anderswo gefunden haben.

Murdoch: Freie Nachrichten der BBC gefährden freie Berichterstattung

Immer wieder sorgt News-Corp-Chef Rupert Murdoch in der Medienwelt für Furore, weil er beharrlich am Erlösmodell der Bezahlinhalte auch für Onlinezeitungen festhält. Nun attackierte Murdoch-Sohn James die britische BBC. Die sei in Großbritannien viel zu dominant und behindere daher eine wirklich freie und unabhängige Berichterstattung. Private Nachrichtenseiten und Zeitungen, die ihr Geld verdienen müssten, könnten gegen das übermächtige, gebührenfinanzierte Gratisangebot der BBC nichts ausrichten. "Für die Zukunft des unabhängigen digitalen Journalismus ist es unerlässlich, dass für Nachrichten ein fairer Preis von denjenigen entrichtet wird, die an ihnen interessiert sind", so Murdoch. Der ehemalige BBC-Chef Greg Dyke wies diese Position zurück. "Der Journalismus durchläuft derzeit eine schwierige Zeit, nicht nur in diesem Land, sondern überall in der Welt. Alle, Zeitungen, Radio, Fernsehen haben Schwierigkeiten." Schließlich seien weder die weltweite Finanzkrise noch fallende Werbeerlöse Schuld der BBC.

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Zum Autor

Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.






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