Von Felix Knoke
Die BBC erwägt, Fernsehübertragungen von den Olympischen Spielen 2012 in 3D zu senden. Einem Bericht des "Telegraph" zufolge sagte BBC-Manager Roger Mosey auf einer Konferenz in Amsterdam: "Wir können, und ich glaube wir sollten, einige der Wettbewerbe in 3D aufzeichnen." Niemand könne jedoch erwarten, dass die Spiele komplett in 3D ausgestrahlt werden, da bis 2012 nur in sehr wenigen Haushalten entsprechende 3D-taugliche Fernseher stehen werden.
Neben der 3D-Aufzeichnung könnten 2012 aber auch andere neue Fernsehtechnologien zur Verwendung kommen. So zum Beispiel Super-HDTV, sehr hochauflösendes HD-Fernsehen. Allerdings denkt Mosey in seinem Vortrag dabei weniger an ein marktreifes Produkt, als an eine öffentliche Werbe-Veranstaltung für noch ein neues Fernsehformat: "2012 werden Sie keinen Super-HD-Fernseher in ihrem Wohnzimmer haben. Aber es könnte ein paar Kameras und öffentliche Displays geben, die einen Blick in die Zukunft gewähren könnten." Die superfeinen Aufnahmen von Schweißtropfen auf Athletenstirn könnten "einen großen kreativen Schub für Techniker und Zukunftsforscher bedeuten," sagte Mosey.
Die Trekies bitte nicht vergessen: Wenn man da noch Geruchsfernsehen draufsetzt, käme man dem Holodeck der Enterprise schon ziemlich nahe.
Facebook lernt Faxen, wird schlanker und zwitschert
Was ist nur los bei Facebook? Die Programmierer des sozialen Netzwerks haben offenbar genug Zeit, nicht nur mit drei neue Funktionen Druck auf Twitter auszuüben, sondern auch noch die armen Blogger von Techcrunch listig reinzulegen.
Der Reihe nach: Pünktlich vor dem Wochenende hat Facebook eine Lite-Version freigeschaltet, mit der das soziale Netzwerk deutlich abgespeckt werden kann, indem es fast ausschließlich auf die Profile und deren Statusupdates reduziert wird. Kein Wunder, dass darin nun einige Tech-Autoren einen Angriff auf den Kurznachrichten-Dienst Twitter vermuten - denn zeitgleich hat Facebook auch die @-Tags eingeführt, mit denen Facebook-Freunde in Statusupdates markiert und so verlinkt werden können. Zusammen mit der Ankündigung von Tornado, einer Open-Source-Entwicklerumgebung für Echtzeit-Netzangebote wie Friendfeed, zeichnet sich deutlich ab: Jetzt soll es Twitter an den Kragen gehen.
Das alles erklärt aber nicht, warum sich Facebook die Zeit und Mühe machte, den Techcrunch-Bloggern auch noch ein Kuckucksei unterzujubeln. TC-Autor Jason Kincaid entdeckte eine neue "Fax das Foto"-Funktion bei seinen Facebook-Fotos, schrieb schnell drüber, faxte sich selbst ein süßes Bild von einem trotteligen Hund. Doch als niemand außerhalb des Techcrunch-Universums über diese neue, sicherlich spektakuläre Funktion berichtete, dämmerte der Redaktion: Facebook hat uns reingelegt, hat extra ein Fax-Feature für uns programmiert. Vielleicht ist da aber doch mehr dran: Eine Kooperation mit einem Onlinefax-Unternehmen ist nicht unwahrscheinlich - und echte Postkarten aus Onlinebildern zu verschicken, funktioniert ja auch schon als Geschäftsmodell.
US Copyright Office stellt sich gegen Google
Das Copyright Office der amerikanischen Library of Congress, dessen Aufgabe die Aufsicht über die Verwertungsrechte der in den USA urheberrechtlich geschützten Werke ist, hat erneut Stellung zu Googles Buchsuche und dem aktuell verhandelten Vergleich zwischen Google, Buchverlagen und Autoren bezogen. Entgegen früherer Äußerungen sehe man Googles Buchsuche-Initiative jetzt kritisch: "Nachdem wir uns mit den Parteien getroffenen haben, mit Anwälten, Gelehrten und anderen Experten auseinandersetzten und nach und nach die vielen Bestimmungen und Bedingungen des Vergleichs in uns aufgenommen haben - ein Prozess, der wegen der Länge und Komplexität des Dokuments Monate dauerte - wuchsen bei uns die Bedenken."
Dem Copyright-Office dämmerte es, dass der Vergleich kein Kompromiss einer vergangenen Streitsache ist, sondern tatsächlich das amerikanische Urheberrecht nach eigenem Gefallen umschreiben will. Der Vergleich käme einer richterlich vermittelten Zwangslizenz zugunsten Googles gleich, heißt es in einer Erklärung des Copyright-Office an den mit dem Vergleich befassten Ausschuss des US-Kongresses (PDF-Datei, 62,3 KB). Das sei nicht unbedingt schlecht - aber müsse besonders bedacht werden: "Wir sind sehr besorgt, dass die beteiligten Parteien Gesetzgebungsprozesse und Zuständigkeiten umgehen und schlagen vor, dass der Ausschuss ebenso besorgt sein sollte."
Die Kritik des Copyright Office in Bezug auf die Implikationen für das Copyright deckt sich übrigens sachlich mit der Begründung des Einspruches, den Microsoft in letzter Minute gegen das Book Settlement eingelegt hat. Microsoft fürchtet nicht nur die Gefahr eines drohenden Google-Monopols, sondern sieht in dem Versuch, per Gerichtsentscheid quasi die Copyright-Gesetzgebung umzuschreiben, einen "beispiellosen Missbrauch des Rechtssystems.
Werbung in Twitter-Nachrichten
Twitter versucht erneut, seine Popularität in bare Münze umzuwandeln. Künftig dürfen die 140 Zeichen kurzen Twitter-Nachrichten auch Werbung enthalten. "Wir lassen die Tür für Werbung offen", erklärte Twitter-Gründer Biz Stone am Donnerstag im offiziellen Twitter-Blog. Damit den monatlich rund 45 Millionen Besuchern Reklamebotschaften geschickt werden können, änderte die rasant wachsende Kommunikationsplattform ihre Nutzungsbedingungen.
Einige Experten bezweifeln jedoch, dass getwitterte Werbung tatsächlich ein Erfolg werden kann. Schließlich dürften viele Konzerne zögern, ihre Markennamen mit den unkontrollierten Inhalten der User in Verbindung zu bringen. Twitter-Gründer Stone selbst hatte zudem selbst zuvor davor gewarnt, die Nutzer durch eine Werbeflut zu verprellen. Jetzt sprach er davon, dass sich das zwei Jahre alte Unternehmen - wie bisher - alle Optionen offenhalten wolle.
Reuters
Brown entschuldigt sich posthum bei Turing
Der britische Premierminister Brown hat sich in einer öffentlichen Erklärung für die "widerwärtige Behandlung" des britischen Mathematikers Alan Turing entschuldigt. Die Verfolgung Turings wegen seiner Homosexualität sei ein großer Fehler gewesen: "Ich bin glücklich, dass ich die Chance habe zu sagen, wie zutiefst betrübt wir alle sind, wegen dem, was ihm zugestoßen ist."
Alan Turing half im Zweiten Weltkrieg, den Code der deutschen Verschlüsselungsmaschine Enigma zu knacken und wurde 1952 wegen "grober Unanständigkeit" zur "chemischen Kastration" verurteilt. Grodon Brown schloss seine Erklärung: "Im Namen der britischen Regierung und all denen, die dank Alans Arbeit in Freiheit leben können, sage ich mit ganzem Stolz: Es tut uns leid, du hattest viel besseres verdient."
In den vergangenen Monaten haben Tausend Briten eine Petition unterschrieben, die eine posthume Entschuldigung der britischen Regierung an Turing forderte. Zu den über 5500 Unterzeichnern der Petition gehören der Evolutionsbiologe Richard Dawkins und der Schriftsteller Ian McEwan. Die Petition wurde vom britischen Programmierer John Graham-Cumming ins Leben gerufen, in einem Brief an die Königin schlug er darüber hinaus Turing zur postumen Verleihung der Ritterwürde vor: Sir Alan.
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