Voice-over-IP-Headset: Communitys als Telefonie-Portale?
Facebooks Nutzer fordern das schon lang: Es gibt eine Vielzahl von Gruppen in dem Social Network, die Titel wie "wir wollen endlich Voice Chat!" tragen. Nun sollen ihre Wünsche erfüllt werden: Das US-Unternehmen Vivox, das bislang Chat-Funktionalität vor allem für Online-Spiele zur Verfügung gestellt hat, will künftig auch Facebook-Nutzern die Möglichkeit geben, direkt auf der Plattform miteinander zu sprechen. Die Software soll Zweier-Konversationen, aber auch Gespräche innerhalb größerer Gruppen, also Telefonkonferenzen, möglich machen.
Vivox ist nicht der erste Anbieter, der das versucht. Auch der große Konkurrent Skype hat eine Verbindung zu Facebook geschaffen. Und wie für Skype wird man sich auch zur Nutzung des Vivox-Voice-Chats noch Software herunterladen und installieren müssen. Allerdings soll sich Vivox stärker mit Facebook verbinden können, als Skype das bislang tut.
Vivox hat bisher in Online-Welten wie "Second Life" oder "Eve Online" dafür gesorgt, dass Nutzer nicht nur per getipptem Chat, sondern auch per Voice-over-IP miteinander kommunizieren können. Fünfzehn Millionen PC-Spieler nutzen den Dienst nach Unternehmensangaben bislang. Parallel mit der Facebook-Ankündigung teilte Vivox auch mit, dass der Spielehersteller Electronic Arts (EA) Vivox-Technologie in diverse Spiele einbauen will. Auch Sony nutzt bereits jetzt Vivox-Technik und will die Chat-Funktionalität des Unternehmens auch in künftige Spiele wie "DC Universe Online" oder das Agentenspiel "The Agency" integrieren.
Spiel-spezifische Funktionen dürften für Facebook keine Rolle spielen
Die Technik des Unternehmens ist angeblich besonders einfach zu benutzen - nach Vivox-Selbsteinschätzung auch einfacher als andere Voice-Chats. Irgendwie muss man sich von der Konkurrenz absetzen, denn davon gibt es reichlich.
Gerade im Bereich Online-Spiele ist beispielsweise seit Jahren eine Technik namens Teamspeak extrem verbreitet. Für Gamer-Clans, die eigene Teamspeak-Server betreiben, ohne dabei mit Werbung Geld zu verdienen, ist die Technik kostenlos. Andere Voice-Chat-Anbieter sind beispielsweise Ventrilo und Voxli. Und von den Sourround-Sound-Experten Dolby gibt es eine Chat-Software, die auch eine räumliche Anmutung von der Position der Mitspieler im virtuellen Raum geben soll.
Solche Game-spezifischen Funktionalitäten braucht ein Facebook-Voice-Chat natürlich gar nicht. Die Hauptaufgabe für Vivox dürfte zu Beginn sein, mit der plötzlichen Serverlast zurechtzukommen, wenn Millionen von Facebook-Nutzern tatsächlich anfangen sollten, ihr Community-Kommunikationsverhalten auch noch um Telefonie und sogar Telefonkonferenzen zu erweitern. Facebook hat gerade bekanntgegeben, man habe nun 300 Millionen registrierte Nutzer - sollte auch nur ein Bruchteil davon das Bedürfnis haben, übers Social Network auch zu telefonieren, wird das für die Vivox-Server anstrengend. Und für das Unternehmen selbst schnell sehr teuer.
Geld verdienen? Mit Micropayments oder Audio-Werbung
Vierzehn Millionen Dollar Venture-Kapital hat das Unternehmen sich in zwei Finanzierungsrunden besorgt, derzeit hat Vivox 14 Angestellte. Geld verdient die Firma derzeit über Audio-Werbung, kostenpflichtige Voicemail-Angebote, SMS und Zusatzsoftware, die die Stimme des Sprechenden verändert (so dass ein Ork im Spiel auch wirklich wie ein haariges Zwei-Meter-Monster klingt, nicht wie ein 15-Jähriger Online-Gamer). In "Second Life" verkauft Vivox zudem virtuelle Güter - Handys zum Beispiel. Für die Facebook-Anwendung scheint es noch kein Geschäftsmodell zu geben. Firmengründer Monty Sharma sagte "CNet News" jedoch, es böten sich beispielsweise Micropayments oder in Anrufe eingestreute Audiowerbung an.
Letzteres Modell nutzt auch die bereits in Facebook nutzbare Applikation "Party Line" des Entwicklerstudios Equals. Nach jeweils fünf Minuten wird der "Party Line"-Gruppenchat von einem Werbeblock unterbrochen. Der Dienst hat bislang allerdings bei Facebook nur ein paar hundert Nutzer im Monat. Der größere Konkurrent für Vivox dürfte Skype sein - vom Voip-Platzhirsch gibt es eine Anwendung namens "Skype me", die einen Button im Profil des Nutzers anbringt, der es erlaubt, mit einem Klick eine Skype-Verbindung mit dem Profilinhaber herzustellen. Vorausgesetzt, beide Parteien haben Skype auf ihren Rechnern installiert. Nahtlose Integration ist das noch nicht.
Integration in andere Anwendungen möglich - telefonische Shopping-Hilfe?
Die Facebook-Anwendung von Vivox ist derzeit noch in einer geschlossenen Beta-Phase. Eine klassische Facebook-Anwendung im engeren Sinne ist auch sie nicht - auch für Vivox werden Nutzer ein Plug-in herunterladen und auf ihrem Rechner installieren müssen. Normale Facebook-Anwendungen laufen ohne weitere Zusatzprogramme direkt im Browser. Nach der Installation aber soll Vivox nahtlos in Facebook integriert sein.
"CNet News" zitiert Unternehmensgründer Monty Sharma mit den Worten, die Anwendung werde von Anfang an auch für Drittanbieter geöffnet. Anwendungs-Entwickler könnten den Facebook-Chat dann in ihre Angebote integrieren - etwa, um mit Freunden, denen sie gerade ein Produkt empfehlen, auch direkt telefonieren zu können.
Probleme bereiten könnte die Facebook-Telefonie vor allem den großen Voip-Anbietern, allen voran eben Skype. Das in den vergangenen Monaten ziemlich gebeutelte Unternehmen hatte Anfang 2009 eigenen Angaben zufolge 370 Millionen Nutzer. Die Anzahl der Nutzer und auch die der Skype-Telefonate soll im Krisenjahr 2008 um 50 Prozent gestiegen sein.
Wenn die Vivox-Anwendung in Verbindung mit Facebook tatsächlich reibungsloser funktioniert oder gar - wie das Unternehmen verspricht - besonders gute Sprachqualität bieten sollte, könnte sie Skype durchaus Marktanteile abnehmen. Denn dass Nutzer, die Facebook ohnehin bereits zum asynchronen (Nachrichten, Wall-Posts, Kommentare, Statusmeldungen) und synchronen (Text-Chat) Kommunizieren nutzen, nun auch ihre Tefefonkonversationen direkt über das Netzwerk abwickeln könnten, erscheint durchaus plausibel.
cis
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