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18.09.2009
 

Flashmob trifft Kanzlerin

Merkel in Hamburg - und alle rufen "Yeaahh"

Von Ole Reißmann

Flashmob in Hamburg: Merkel und das "Yeah"
Fotos
REUTERS

Party, Protest - und eine Kanzlerin, die weiter ihre Rede abspulte, als ob nichts wäre: Eine lautstarke Gruppe von Demonstranten, die sich im Internet verabredete, hat den Auftritt Angela Merkels in Hamburg gestört. Mit ironischem Dauergejubel.

Hamburg - Freitagabend auf dem Gänsemarkt, einem kleinen, von Häusern eingefassten Platz in der Hamburger Innenstadt. Angela Merkel ist gekommen, weil sie Bundeskanzlerin bleiben will, dicht gedrängt stehen rund 2000 Menschen vor der Bühne. Es sind zum großen Teil keine Fans, Merkel wird von einem Pfeifkonzert begrüßt.

Dann ändern die Demonstranten ihre Taktik des Protests. Die Kanzlerin beginnt ihre Rede - "Yeah!", schallt es aus der Menge, und danach gleich wieder, "Yeah!". Und so geht es weiter.

Einige CDU-Anhänger mit orangefarbenen Merkel-Bannern blicken säuerlich zu den gut drei Dutzend jungen Menschen, die im Abstand von zehn Sekunden zu ihrem nächsten "Yeah!" ansetzen. Sie haben Schilder dabei, aufgemalte Sprechblasen: "Yeah!", steht darauf, "Yeah!" brüllen sie schon wieder Richtung Bundeskanzlerin. Die Parteifreunde ahnen, dass hier etwas nicht stimmt. Die Wahlkampfveranstaltung von Angela Merkel wird von einem Flashmob heimgesucht. "Yeah."

Angefangen hat alles am 11. September, als ein Nutzer des Bilderdienstes Flickr den Schnappschuss eines CDU-Plakats mit der Ankündigung des Merkel-Besuchs ins Internet stellte und seine virtuellen Freunde auf Twitter darüber informierte. "Die Kanzlerin kommt" steht auf dem Plakat, mit einem schwarzen Filzschreiber hat sich ein Unbekannter daneben verewigt: "Und alle so: Yeaahh."

Das war der Auslöser, die Nachricht verbreitete sich im Netz, bald schon schrieben die Blogs Nerdcore und Spreeblick darüber, zwei vielgelesene Treffpunkte der deutschsprachigen Internetgemeinde. Twitter erledigte den Rest. Sieben Tage nach dem Schnappschuss steht eine Gruppe zufälliger Bekanntschaften in der Hamburger Innenstadt und ruft im Chor.

Keine Chance gegen den Flashmob-Terror

Das pubertäre Stören ihrer Politikveranstaltung muss auch Angela Merkel wahrnehmen, so laut und penetrant tönt es ihr entgegen. Aber sie ist viel zu sehr Profi, als dass sie sich irgend etwas anmerken lassen würde. Stattdessen ballt sie ihre Faust und spricht über die Wiedervereinigung und über Familienpolitik. "Yeah."

Auf dem Lessing-Denkmal in der Mitte des Gänsemarktes protestieren Atomkraftgegner mit Transparenten, auch sie röhren zu Merkels Rede, wollen die Aufmerksamkeit von Publikum, Presse und Kanzlerin. Weiterer Protest richtet sich gegen die Schulpolitik in der Hansestadt. Obwohl die Bedingungen für lautstarke Störer ideal sind - die enge, dreieckige Fläche, die reservierten Hanseaten, die zahlenmäßig unterlegenen CDU-Fans - der politische Protest geht unter. "Yeah."

Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen? In Braunschweig wäre so etwas nicht passiert, dort reagierte das Ordnungsamt mit harschen Schreiben auf einen Flashmob-Aufruf im Internet - und es ging nur um ein Picknick, nicht um das Nerven der Bundeskanzlerin. In Großbritannien stürmte die Polizei in Kampfmontur und mit einem Hubschrauber die Feier von einem Dutzend Freunden, die sich im Internet verabredet hatten.

Früher protestierte man mit Ohrfeigen, Eiern und Tomaten

Immer wieder lassen sich Passanten am Freitagabend von den lachenden Flashmobbern anstecken, stimmen mit ein, versuchen sich an einem "Yeah", erst zaghaft, dann lauter. Was ist schon dabei? Andere Bundeskanzler traf es schlimmer: Kurt Georg Kiesinger bekam 1968 in Berlin eine Ohrfeige, Helmut Kohl wurde 1991 in Halle mit Eiern und Tomaten beworfen, handfeste politische Auseinandersetzungen.

Angela Merkel wird lustvoll zugejubelt, das ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, auch wenn es konzentrierte Zuhörer gehörig nervt. Und wie steht es mit einer politischen Botschaft? Die jungen Schreihälse leben schließlich praktisch im Internet und haben es hier mit einer Partei zu tun, die das Netz mit Stoppschildern zensieren und Raubkopierer bestrafen will. Tatsächlich wehen auch zwei Fahnen der Piratenpartei in der Nähe der "Yeah"-Fraktion.

Doch während die einen sich als Anhänger der Piratenpartei zu erkennen geben und ihre orangefarbenen Flaggen in das Meer der orangefarbenen Merkel-Fahnen einreihen, steht vor allem eins im Vordergrund: "Es geht mehr um Spaß", erklärt ein Mädchen ihrer Freundin den Flashmob. Nach einer knappen halben Stunde ist Merkel am Ende ihrer Rede, die Nationalhymne wird gesungen, die Flashmob-Gruppe löst sich auf. "Yeah."

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28.11.2010 von pussinboots: Lol

Also ich als geschätzter Mitt-40er mit exorbitantem IT/PC Sachverstand finde Ihren Post kewl. Danke sehr, netter und treffender kann man es kaum formulieren ! :) Yeeeaaahhh !!!!! Gruß der gestiefelte Kater mehr...

29.12.2009 von Rainer Unsinn: ....

Das hört sich irgendwie lustig an. Mag sein das es hohl ist, ganz bestimmt sogar. Aber die platte Rabaulistik der sich unsere Oberen bedienen ist genau so hohl und nur als inhaltsvolles Blabla getarnt. Also warum nicht yeah! mehr...

25.09.2009 von Adran: N24, der Sender der Satire ;)

nun ist laut N24, der flashmob sogar eine Fankundgebung für Merkel.. Herrlich wie doch realsatire funkst.. mehr...

24.09.2009 von IDECT: Merkel

nach der Wahl wird Merkel das lachen vergehen. mehr...

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