New York - Der Nachrichtensender CNN will Handy-Kunden künftig zur Kasse bitten. Bei einer neuen iPhone-Anwendung will der Nachrichtensender Schluss machen mit der Gratiskultur des Internets und für die journalistischen Inhalte Geld verlangen: 1,99 Dollar (1,40 Euro) sollen die Nutzer für die Information in Echtzeit zahlen. Damit geht CNN einen Weg, der in Zeiten fallender Anzeigenumsätze auch von anderen Medienhäusern mit großem Interesse verfolgt wird.
Medienzar Rupert Murdoch etwa hat bereits angekündigt, dass Online-Nutzer des "Wall Street Journals" bald eine Abonnementgebühr für die mobile Nutzung zahlen sollen. Ein bis zwei Dollar pro Woche will der Medienkonzern News Corp. damit pro Leser verdienen. Der Nachrichtensender aus Atlanta betritt mit seinem Vorstoß dennoch Neuland, schließlich geht es bei CNN nicht um spezialisierte Finanznachrichten, sondern um allgemeine Nachrichten - die Nutzer bei anderen Anbietern auch kostenlos bekommen. Wieso sollten die Kunden dann für CNN zahlen?
Nach Ansicht des Senders ist das eigene Angebot einfach besser als das der Konkurrenz. Die Zahlungsbereitschaft "hängt wirklich von der Qualität und der Natur dessen ab, was dem Markt angeboten wird", sagt CNN.com-Geschäftsführer KC Estenson.
Niedliche Idee: Zahlende Kunden dürfen auch ehrenamtlich arbeiten
Für den iPod Touch und iPhones will CNN Nachrichten anbieten, die auch persönlich gefiltert und um Lokales angereichert werden können. Zudem soll bei Großereignissen ein Live-Stream angeboten werden. Stürze also ein Flugzeug in den Hudson, müssten iPhone-Nutzer für die Live-Berichterstattung nicht mehr zum nächsten Fernseher laufen. Zudem sollen sich die Nutzer am sogenannten iReport beteiligen dürfen, bei dem in einer Art Bürgerjournalismus Videos und Fotos an CNN geschickt werden können.
Andere haben bislang eher erfolglos versucht, ihre Nachrichten kostenpflichtig an Mobilfunk-Kunden zu verkaufen. Die Nachrichtenagentur AP etwa wollte in diesem Jahr für eine Blackberry-Anwendung 2,99 Dollar (2 Euro) verlangen. Die Download-Rate lag dann allerdings nur noch bei zehn Prozent des üblichen Werts, wie die zuständige AP-Vizepräsidentin Jane Seagrave erklärt. Seit die Gebühr aufgegeben wurde, sind die Download-Zahlen wieder in die Höhe geschnellt.
"Es gab zu viele andere auf dem Markt, die kostenlos erhältlich waren", sagte Seagrave. Die Nachrichtenagentur versucht nun erneut - wie die meisten anderen Medienhäuser - im mobilen Geschäft mit Anzeigen Geld zu verdienen. Martin Nisenholtz , bei der "New York Times" verantwortlich für das digitale Geschäft, erklärte in diesem Sommer ironisch, jedes Jahr glaube die Medienbranche, das Jahr des mobilen Anzeigengeschäfts sei gekommen. Langfristig könnten es sich die Anbieter allerdings nicht leisten, ihre Inhalte für die mobile Nutzung kostenlos anzubieten, mahnte Nisenholtz.
Andrew Vanacore, AP
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