Von Richard Meusers
Die EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva zieht im Streit um den richtigen Umgang mit defekten und explodierten iPhones die Zügel an. Für den Fall, dass Fertigungsfehler die Ursache für die brennenden Mobiltelefone seien, drohte sie dem Unterhaltungselektroniker Apple an, diese vom europäischen Markt zu nehmen.
Kurneva hat Berichte von fehlerhaften Geräten aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien erhalten. Darunter war eine Meldung über ein Mädchen, das schwere Verbrennungen erlitten hatte, als ein iPhone explodiert war. "Ich brauche keine Erlaubnis von Apple, um Produkte vom Markt zu nehmen", so die streitbare Kommissarin laut AFP. Derzeit sei man dabei, die Geräte im Labor genau zu untersuchen. Dabei solle herausgefunden werden, ob sich die Ursache des Problems beim Telefon oder den Akkus fände oder doch nur in unsachgemäßem Gebrauch begründet sei.
Die Apple-Verantwortlichen sollten sich gut überlegen, ob sie diese Warnungen wirklich ignorieren. Kurneva hatte schon zuvor klare Kante in Sachen Rückrufaktionen gezeigt. So zum Beispiel im Fall von Philips, dessen Senseo-Kaffeemaschinen auf EU-Druck zurückgezogen worden waren.
Facebooks Übersetzungs-Tool öffnet sich nach außen
Als Facebook seinen Siegeszug durch die Welt begann, konnte es nur eine Sprache: Englisch. Dann spendierten die Macher der Seite einen Übersetzungsdienst namens "Translations", der es Benutzern aus anderssprachigen Ländern ermöglichte, ihre Seiten in ihre jeweilige Muttersprache zu übersetzen. Mittlerweile gibt's dieses Angebot für 65 Sprachen.
Jetzt geht Facebook einen Schritt weiter und erlaubt die Nutzung des Übersetzungsdienstes für mehr als 15.000 Web-Seiten, die Facebooks Vernetzungsplattform Connect nutzen. Über die können die Nutzer ab dem morgigen Donnerstag ihre Login-Daten für Facebook auch auf anderen angeschlossenen Seiten nutzen. Das kann zum Beispiel für eine Touristikseite von Interesse sein, die ihr Angebot über die eigenen Landesgrenzen in der Sprache des Lesers offerieren möchte.
Dabei arbeitet das Programm nicht automatisch, sondern fordert die Nutzer auf, möglichst genaue Übersetzungen für eine bestimmte Formulierung einzureichen und über die beste abzustimmen. Das wirkt angenehm altmodisch und könnte auf längere Sicht wesentlich bessere Übertragungen liefern als die rein computergenerierte Konkurrenz der Google-Sprachtools. Die bringen bis heute nur mehr oder weniger holprige Texte zustande, die zuweilen eher an Stille Post erinnern. Und da Facebook auf das AAL-Prinzip (Andere Arbeiten Lassen) setzt, kostet es noch nicht einmal etwas.
Pirate-Bay-Prozess: befangener Schöffe fliegt raus
Im juristischen Ringen um die in erster Instanz zu Haft- und Geldstrafen verurteilten schwedischen Pirate-Bay-Gründer gibt es eine neue Volte. Und wieder hat sie mit dem Vorwurf der Befangenheit zu tun. Gab es beim ersten Verfahren noch Hinweise auf die Mitgliedschaft zweier Richter in einer Lobbyorganisation der Musikindustrie, so wurde jetzt ein Schöffe aus dem Berufungsprozess abgezogen. Der geschasste Mann hält Anteile am Musik-Streamingdienst Spotify, was eine objektive Beurteilung der Auseinandersetzung um den Bittorrent-Tracker unwahrscheinlich macht.
Erstaunliches Detail am Rande: Wider Erwarten kam der Ablehnungsantrag nicht von der Verteidigung, sondern von der Klägerseite. Die Musikindustrie-Anwältin Monique Wadsted wird mit der Erklärung "Es soll keinerlei Zweifel an diesem Verfahren geben" zitiert.
Vorbereitungen zu Netzsperren laufen weiter
Ungeachtet der Tatsache, dass das Zugangserschwerungsgesetz noch nicht in Kraft ist, überbieten sich die Provider in vorauseilendem Gehorsam. Gegenüber "Heise" erklärte ein Telekom-Sprecher: "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung."
Zwar würden die Blockaden für das Domain Name System (DNS) nicht sofort ab dem 17. Oktober beginnen, aber in baldiger Zukunft. Ohnehin gibt es längst vertragliche Sperr-Vereinbarungen zwischen der Telekom und dem BKA. Diese wie auch ähnliche Übereinkünfte mit anderen Telkos hatte die scheidende Justizministerin Zypries (SPD) noch im August für obsolet erklärt. Was Kabel Deutschland nicht daran hindert, weiter an ihr festzuhalten: "Für Kabel Deutschland und ihre Mitarbeiter ist die Ächtung und Bekämpfung von Kinderpornografie auch eine moralische und gesellschaftspolitische Verpflichtung" so der Kabelnetzbetreiber, der "in Austausch mit dem Bundeskriminalamt" stehe und die Sperrungen bis zum Jahresende umsetzen will.
Na endlich: das Nüvifone kommt zum Wochenende heraus
Besser spät als gar nicht. Mit einem Jahr Verspätung wird Hersteller Garmin-Asus am Wochenende sein Navigationshandy Nüviphone G60 auf den amerikanischen Markt bringen. Vertriebspartner AT&T bietet das Gerät zu einem Preis von 299 Dollar an, darin ist ein Zweijahresvertrag enthalten. Neben dem üblichen Angebotsumfang eines Smartphones gibt es noch die Möglichkeit, Infos zum Wetter, Verkehr, Restauranttipps und Veranstaltungshinweise aufs Handy zu holen. Das kostet allerdings nach einer einmonatigen Gratisphase sechs Dollar pro Monat extra.
Bleibt natürlich die Frage, wie groß der Markt für ein Navi-Handy sein wird. Schließlich gibt es bereits Navi-Apps von Tomtom oder Navigon für diverse Handys für wesentlich günstigeres Geld.
Aus der Traum: erstes stadtweites W-Lan-Netz wird geschlossen
Allerorten wird das flächendeckende W-Lan-Angebot zum Nulltarif als eine Segnung des Informationszeitalters gepriesen, da ziehen die ersten schon wieder den Stecker. Der Grund ist in Zeiten der Finanzkrise einfach: Geldmangel.
Im Städtchen St. Cloud mitten in Florida hatten die Stadtväter vor drei Jahren auf einer Fläche von fast 40 Quadratkilometern ein freies W-Lan-Netz installiert. Damit war der Ort landesweiter Vorreiter. Aber jetzt gähnen große Löcher im Stadtsäckel, und da ist der Kostenfaktor für den technischen Support nicht länger zu tragen. Also wird das Angebot für die 20.000 Einwohner geschlossen, lediglich städtische Angestellte und Notdienste können ab Donnerstag noch darauf zugreifen.
Schon zuvor war die Errichtung von kommunalen W-Lan-Netzen in anderen US-Städten zumeist an technischen und finanziellen Problemen gescheitert.
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