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14.10.2009
 

Netzwelt-Ticker

Jetzt kommt der teutonische txtr

Von Richard Meusers

txtr: Chic und technisch anspruchsvoll, aber nicht billigZur Großansicht

txtr: Chic und technisch anspruchsvoll, aber nicht billig

Amazon und Sony bekommen Konkurrenz aus Berlin: Auf der Frankfurter Buchmesse wurde der lang erwartete txtr vorgestellt -jetzt auch mit Preisen. Außerdem: England sucht den Superhacker, Häuslebauen mit Google, Pepsi leistet sich peinliche Werbung. Das und mehr im Überblick.

E-Book-Reader gibt es inzwischen eigentlich genug auf dem Markt, darüber berichtet wird auch jede Menge, nur die liebe Kundschaft hält sich noch zurück. Kein Wunder: Noch ist das (deutschsprachige) E-Book-Angebot so mickrig wie überteuert, noch sind auch die Reader nicht gerade Sonderangebote. Das gilt auch für den txtr des gleichnamigen Berliner Start-ups, der trotzdem heiß erwartet worden war: Das Gerät ist nicht nur schön, wie Vorab-Präsentationen zeigten, sondern auch kräftig. So wie sein Preis, der mit 319 Euro sicher höher ausfällt als erhofft.

Technisch macht der txtr Amazons Kindle, dem weltweit meistverkauften E-Book-Reader und auf dem Weg, zu einer Technik-Ikone zu werden, durchaus Konkurrenz, preislich startet er aus der zweiten Reihe: Soeben hat Amazon damit begonnen, den Kindle auch in Europa anzubieten, zum Preis von 279 Dollar.

Auch der jetzt auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellte txtr kann seine Inhalte über Mobilfunk aus dem Internet herunterladen. Das Online-Portal von txtr hält zum Start sowohl 20.000 E-Books von Verlagen als auch kostenlose Bücher bereit, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. "Wir wollen das Lesen von elektronischen Büchern besser gestalten, als dies bisher möglich ist", sagte der Vorstandschef des Anfang 2008 gegründeten Unternehmens, Christophe Maire. "Dabei konzentrieren wir uns auf das Wesentliche."

Die Bedienung der Technik sei so einfach wie möglich gehalten. Die Steuerung beschränkt sich auf wenige Tasten, das taschenbuchgroße Gerät hat ein 6-Zoll-Display mit E-Ink-Technik. Neben der Mobilfunkverbindung mit GPRS/Edge wird auch W-Lan unterstützt. Die Infrastruktur sei als "Cloud Service" gestaltet, sagte Maire. "Wir sprechen von Connected Reading", sagte Maire. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, sich mit anderen über Bücher auszutauschen. Möglich ist auch der Zugriff über andere Geräte wie das iPhone.

Eingeführt wird der txtr Reader am 15. Dezember zum Preis von 319 Euro. Das Herunterladen von Texten im Online-Portal ist in Deutschland nicht mit zusätzlichen Gebühren verbunden, bei kommerziellen Titeln ist der Kaufpreis zu errichten. Für das Synchronisieren eigener Dokumente und von Blog-Inhalten gibt es daneben ein Abo-Modell, das bei einem Einjahresvertrag 11,99 Euro kostet.

pat/AP

Bookmark-Dienst Digg vermarktet jetzt auch Anzeigen

Mit dem Social-Bookmark-Dienst Digg sortieren Nutzer Nachrichten oder Blogeinträge nach Kategorien und können sie gleichzeitig als positiv bewerten. Nun soll dieser Service um ein Netzwerk erweitert werden, mit dessen Hilfe Anzeigen für Drittseiten vermarktet werden sollen. Dabei soll den Werbekunden die Schwierigkeit der optimalem Monetarisierung abgenommen werden. Denn Seitenbetreiber können schlecht vorhersehen, zu welchen Zeitpunkten Digg vermehrten Traffic zu ihnen schaufelt. Also überlässt man die Platzierung am besten gleich dem Verursacher selbst.

Die Anzeigenkunden sollten sich dabei möglichst originelle Reklame ausdenken. Denn die Werbebanner & Co. werden von den Digg-Nutzern ebenso bewertet wie die News-Texte. Mit Folgen für die Kostenseite. Je besser eine Anzeige den Surfern gefällt, desto häufiger wird sie auch gezeigt - mit anderen Worten, Preisnachlass für Beliebtheit. Das Projekt soll im kommen Jahr umgesetzt werden. "Anzeigenkunden möchten ein bestimmtes Werbeformat an vielen verschiedenen Orten einsetzen", so Digg-Finanzchef Chas Edwards. "Im Grunde ist es nichts anderes, als Google mit AdWords begonnen hat."

England sucht den Superhacker

Gestern noch kriminell, heute schon in Regierungsdiensten, das ist eigentlich ein alter Hut. Schon immer haben Behörden auf die Expertise von Ex-Gaunern gesetzt, wenn es darum ging, deren noch aktiven Kollegen das Handwerk zu legen. Nach dieser einsichtigen Logik veranstaltet die britische Regierung jetzt einen Wettbewerb für Cyber-Krieger. Das IT-Casting setzt besonders auf die Fähigkeit, Attacken abzuwehren und Webseiten zu hacken. Das von manchen schon als "England sucht den Superhacker" bespöttelte Casting belohnt die Sieger mit Fortbildungen in IT-Sicherheit und winkt außerdem mit Studienplätzen und Praktika.

Ganz neu ist das Resozialisierungsprogramm Ihrer Majestät für böse Buben am Rechner allerdings nicht. Das Vorbild für die vom zuständigen Minister Lord West propagierte Initiative kommt aus den USA. Dort gibt es das ungleich größere "Cyber Challenge"-Programm, das 10.000 junge Amerikaner für Forschung und angewandte IT-Sicherheit sowie als Cyberkrieger rekrutieren soll.

Bleibt die Frage, wie viele Leute aus einer überwachungskritischen Szene sich überhaupt zur Mitarbeit an sehr weit gehenden Überwachungsmaßnahmen gewinnen lassen.

Leichter Hausbauen mit Google

Modellbau ist eine feine und faszinierende Sache. Das weiß jeder, der schon einmal Kinder im Alter zwischen 8 und 80 Jahren mit leuchtenden Augen vor einer Modelleisenbahn hat stehen sehen. Der Modellbaulust können die einschlägigen Fans jetzt auch online ein Stück mehr nachgehen. Speziell für virtuelle Häuslebauer bietet Suchmaschinist Google jetzt mit dem "Building Maker" ein Web-Spielzeug an, mit dessen Hilfe dreidimensionale Gebäude für Google Earth erstellt werden können. War ja auch naheliegend: "Google" klingt ja sogar ein bisschen schwäbisch.

Den Anfang macht stets ein schlichter Würfel, nach und nach kann der Anwender Ecken, Kanten und Schrägen hinzufügen, die Texturen werden von Google dazugeliefert. Die fertige Arbeit kann der Online-Architekt dann im Google Warehouse abspeichern, wodurch sie auch anderen zugänglich wird. Das Werkzeug ersetzt den bisherigen Baukasten "Sketchup", jetzt ist die Bastelei direkt im Browser möglich. Voraussetzung fürs Richtfest ist allerdings ein eigenes Google-Konto, bei dem sich zunächst anmelden muss, wer mit in den Modellbaukasten will.

Rechner gedreht: Firefox dreht sich mit

Beim Mozilla-Entwicklungsteam wackeln die Rechner. Aber egal, ob sie die Displays nach links oder rechts, vorn oder hinten kippen, das Bild stellt sich darauf ein und passt sich an. Möglich wird diese selbstjustierende Darstellung durch die Verwendung von Beschleunigungssensoren, wie sie ohnehin serienmäßig in einigen Geräten wie dem MacBook Pro oder Thinkpad installiert sind.

Diese bislang eher nutzlosen Module fungieren für die neue Firefoxversion 3.6 als Kippsensoren und teilen dem Rechner seine relative Position zum Betrachter mit. Die Effekte sind verblüffend, als ob der Rechnernutzer eine elektronische Wasserwaage in der Hand hielte. Mozilla-Evangelist Christopher Blizzard zeigt das sehr anschaulich auf der hauseigenen Webseite.

Naheliegenderweise wurde das Feature ursprünglich für Firefox' Mobilbrowser entwickelt, der vor allen in Smartphones seinen Platz finden soll. Aber dann entschieden die Entwickler, den Wackelfuchs auch für Desktopsysteme verfügbar zu machen.

Pepsis iPhone-App für Machos erregt Zorn

Das war ein klassischer Schuss ins eigene Knie. Nach dem mittlerweile leicht eingestaubten Prinzip "Sex sells" beglückte Brausehersteller Pepsi die iPhone-Gemeinde mit einer App, die vor allem auf die Bedürfnisse von triebgesteuerten Machos zugeschnitten ist.

Mit dem Motto "Dreh auf, bevor du sie flachlegst" ("AMP Up Before You Score") wollte das Unternehmen wohl die besonders feierwütige und freizügige Zielgruppe ansprechen. Das Gratis-Tool soll Jägern und Sammlern dabei behilflich sein, die Dame ihrer Wünsche zu erobern und außerdem über bisherige Erfolge Buch zu führen. Das ganze dient als Reklamemittel für einen Energy-Drink namens AMP, damit sollen sich Männer via iPhone darüber hinaus austauschen können, nach welchen Vorgaben und Kriterien sie Frauen aussuchen und anbalzen. Die App hilft dabei mit Vorreinstellungen wie zum Beispiel mit 24 Kategorien von Frauen, die von "Bücherwurm" über "ehrgeizige Schauspielerin" bis zu "Punkrocker" reichen.

Die Brausemacher waren sehr erstaunt, als vor allem aus der Frauenwelt alles andere als freundliche Kommentare fielen. Umgehend gab es eine Entschuldigung via Twitter : "Unsere Applikation sollte zeigen, welche lustigen Hilfsmittel Männer beim Anmachen verwenden. Falls dies geschmacklos gewesen sein sollte, tut es uns leid."

Außerdem:

• Die Zigarette danach war früher - heute werden Twitter und Facebook gecheckt.
• Nur für Nerds: der Vakuum-Tischventilator für schlappe 300 Dollar.
• Noch nicht draußen und schon Löcher: Microsoft patcht Windows 7.

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