Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



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01.11.2009
 

Web-Video-Trends

Kommerz kickt Kult und Kinder

Von Frank Patalong

2. Teil: Neue Rezepte - YouTube verführt zur Weitergabe

Damit hat sich ein tiefgreifender Wandel vollzogen. Zwar entfällt das Gros der Videoaufrufe bei YouTube nach wie vor auf die unzähligen Laien-Beiträge. Sie stehen aber nicht mehr im Mittelpunkt: Die Masse sucht inzwischen etwas anderes: 15 der Top-20-Videos im Oktober sind Musikclips. Auch bei den populärsten Filmen des Monats dominieren die Songs neben Kinotrailern. Erst auf Platz 12 folgt eines der notorisch doofen Pubertäts-TV-Machwerke, für die YouTube früher bekannt war: "nigahiga" alias "Off the Pill" - eine Anspielung darauf, dass da einem Hyperaktiven das Ritalin entzogen wurde - informiert uns YouTube-typisch überdreht über Vorzüge des Furzens.

Auf Platz 1 schafft es mit "Piano Stairs" dagegen ein Film aus professioneller Quelle, der im Fernsehen nur laufen würde, wenn der Produzent dafür bezahlt: Der Streifen ist ein Reklamespot. Bei YouTube wird Werbung mitunter selbst zum Programm (siehe Video unten):

Profi-Inhalte im Web sind eben andere als solche im Fernsehen. So bedeutet die Kommerzialisierung, die Professionalisierung des Web-TV-Raumes keineswegs, das nun die Inhalte des TV ins Web übertragen würden. Der Profi-Clip im Web ist ähnlich professionell produziert, aber eben anders. Meist ist er vor allem eines: viel emotionaler - das gilt für die Profi- wie die Laien-Clips.

Ziel solcher Produktionen ist es, zu inspirieren, zu irritieren oder zu amüsieren - und Menschen dazu zu bringen, freiwillig die Aufgabe der weiteren Verbreitung zu übernehmen. Denn nur darauf kommt es an, nur das ist das Erfolgsgeheimnis eines guten YouTube-Filmes: Er muss entweder Bedürfnisse gezielt befriedigen (wie ein Musikvideo), Debatten provozieren oder das Bedürfnis der Weitergabe wecken - so entstehen virale Filme. Wie so etwas aussehen kann, führen "ImprovEverywhere" mit ihrem Supermarkt-Musical vor, Platz 17 der aktuellen Wochencharts von YouTube (siehe Video unten).

Dieser Film spricht dort trotz seines kurzen Formats für sich selbst. Er braucht keinen Rahmen, keine Präsentation, keinen zwanghaft lustigen Moderator, keine redaktionelle Deutung oder Kommentierung. Deshalb wirkt er unmittelbarer, echter. Was hier an Kommentaren läuft, ist direkte Kommunikation zwischen Machern und Publikum sowie Diskurs der Zuschauer untereinander.

Das ist eine neue TV-Qualität, die auch bei längeren Formaten funktioniert. Längst ist die "Webisode", das für das Netz produzierte TV-Stück, in der amerikanischen Medienlandschaft ein Standard. Web-Soaps florieren nicht nur bei YouTube, sondern auch auf Sender-eigenen Seiten. Die Sci-Fi-Serie Galactica sahen TV-Zuschauer in Deutschland immer nur halb, weil zu den im Fernsehen ausgestrahlten 45-Minuten-Folgen auch die kürzeren Online-Episoden gehörten.

Das ist kein Einzelfall. Ab Januar 2010 wird auch die BBC dreimal wöchentlich Episoden ihrer populären Soap "Eastenders", quasi das britische Äquivalent zur endlosen Lindenstraße, nur über das Web anbieten. Das Ziel: Mit professionellen Online-Angeboten junge Zielgruppen zurück zur Glotze zu führen. Denn On-demand-TV-Angebote wie Hulu, wo amerikanische TV-Sender Serienjunkies mit so gut wie allem legal und kostenfrei versorgen, machen der TV-Branche zunehmend Probleme: Zwar steigt ihre Popularität rapide, aber sie sind kaum zu refinanzieren, weil die Werbewirtschaft nicht mitmacht. Auch in Bezug auf Hulu hat die Diskussion um Bezahlmodelle längst begonnen.

Das sichert dem klassischen Web-Video, wie es YouTube bietet, seine Nische. Es ist abzusehen, dass das Angebot an kostenlosen TV-Vollformaten im Web mittelfristig eher schrumpfen als wachsen wird. Die Nachfrage nach professionellen Gratis-Angeboten wird derweil bestehen bleiben, bedient von Anbietern wie der ehemaligen Bürgerfunk-Plattform YouTube, auf denen die Nutzer schon heute vor allem professionelle Angebote suchen. Der Bürgerfunk dort lebt fort, aber er landet immer öfter in der Nische.

Außer, Harry wird vom wilden Charlie gebissen.

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BEGRIFFSERKLÄRUNG IPTV UND CO.

Internet Protocol Television (IPTV)

IPTV bezeichnet die Videoübertragung über das Internet. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Das Senden findet in einem geschlossenen Netzwerk statt. Hier gehört dem Provider die Infrastruktur und er ist auch für Endgeräte wie etwa Set-Top-Boxen zuständig. Da der komplette Signalweg in seiner Hand liegt, kann er die Übertragung für sich kostengünstiger gestalten und auch optimieren. Über IP-Multicast werden mehrere Empfänger gleichtzeitig mit einem Video-Stream versorgt und bei der QoS-Technik (Quality of Service) haben die Video-Datenpakete eine höhere Priorität gegenüber normalen Datenpaketen. Im Idealfall sind die Inhalte in hoher Qualität und ohne Unterbrechungen zu genießen. Einige Anbieter senden auch in HD-Qualität, eine schnelle Internetleitung vorausgesetzt. In einem halbgeschlossenen Netzwerk hat der IPTV-Provider die Leitung für die Übertragung nur angemietet. Inhaltlich: Mit IPTV ist meist die Online-Verbreitung regulärer TV-Inhalte und Programme gemeint.

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