Von Frank Patalong
Wohl seit dem Paläolithikum definierte man Kommunikation so, dass es dabei um den Austausch von Informationen gehe. Der Austausch findet weiterhin statt, Information wird aber zunehmend ersetzt durch die Veröffentlichung von Befindlichkeiten und Status-schaffenden Selbstbildern.
In diesem Strom der permanenten Äußerung ist nicht nur fast alles erlaubt, sondern sogar erwartet. Wer nichts preisgibt, investiert auch nichts in seine Online-Beziehungen. Die stehen längst gleichberechtigt neben den Offline-Beziehungen, kein Jugendlicher trennt da mehr: Vom Schulhof über die SMS im Bus bis zum Instant Messenger, sobald man zu Hause ist, lebt man in einem permanenten kommunikativen Raum. Und in dem gilt besonders der etwas, der Intimität investiert: Sie ist die soziale Währung, an der sich Status festmacht. Nur öffentliche Leben sind prominente Leben, und am Grad der Prominenz macht sich fest, wer im jugendlichen Alltag zum Gewinner oder Opfer wird.
Denn nur Opfer sind still, entäußern und veröffentlichen sich nicht Online, weil sie sich sonst dem Mobbing aussetzen. Der Unterschied zwischen einem Opfer und einem coolen Alpha-Mädchen macht sich heute auch daran fest, dass die eine Hohn, Spott und Hass erntet, wenn man auf ihrem Social-Network-Profil ein Bikini-Bild aus dem Urlaub entdeckt, während der anderen der frenetische Applaus der Peer-Group sicher ist, wenn sie in Reizwäsche an Penis-Lollies lutscht. Echt porno, total cool.
Was, fragen sich da natürlich empört diese so bestens integrierten, den sozialen Erwartungen und Normen ihrer Peer-Group eben doch gehorchenden Gören, mischt sich die Schule da ein und straft uns ab?
Peinlich gibt's nicht mehr
Zu recht, denn sie kennen es nicht anders. Im Fernsehen balzen gehemmte Bauernsöhne öffentlich um Publicitysüchtige oder einsame Unverheiratete. Im Schimmel lebende Vertreter des Prekariats lassen sich als Gegenleistung für ihre öffentliche Blamierung kostenfrei die Wohnungen und Häuser sanieren. Beziehungsgestörte lassen vor laufender Kamera ihre verhaltensauffälligen Blagen therapieren. Fortpflanzungswillige Möchtegern-Väter mit verminderter Spermienzahl onanieren unter öffentlicher Anteilnahme, um ihrem Bemühen um neues Leben Ausdruck zu verleihen.
Welche intimen Dinge, fragen sich da ältere Semester, haben sich junge Leute überhaupt noch mitzuteilen, wenn sie wirklich intim werden? Ist dann nicht alles, was früher wertvolles, geheimes Wissen war, profan?
"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien", schrieb einst Niklas Luhmann. Das stimmt vielleicht nicht ganz, aber richtig ist, dass die Welt ein subjektives Konstrukt aus verfügbaren Informationen ist: "Richtig" ist sie so, wie wir sie vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen, unseres gelernten Wissens, unseres inneren Bewertungskompasses wahrnehmen.
Richtig ist aber auch das Prinzip Pippi Langstrumpf: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Soll heißen: Wir sind da nicht ohne Einfluss. Wenn man von MySpace, Reizwäsche und Penis-Lutschern hört, fragt man sich mitunter, ob das in der atemlosen, über-kommunikativen Twitter-Social-Network-Welt nicht zu oft vergessen wird. Manchmal kann man die Welt schon verbessern, wenn man manche Dinge nicht twittert, manches Foto nicht zeigt.
Auf anderen Social Networks posten:
... es wird eher DatenSchmutz vermittelt! mehr...
das wird nicht ausbleiben können. die generation 45 plus hats aber i.d.r. noch nicht begriffen. geschweige die generation bundestagsabgeordneter. mehr...
nach Selbstdarstellung, mag er noch so hässlich sein, Hauptsache er wird beachtet, und wenn man ihn auslacht ! mehr...
Dann zeigen sie mir auch noch welche Vereine hinter den ZDF Dokus stecken, denn wie man bei der Killerspiel-Hetze gesehen hat stecken da öfters handfeste Interessen der "Experten" und der Verantwortlichen Redakteure [...] mehr...
Why Do I Keep Looking At Porn? http://www.youtube.com/watch?v=eh0x077Xrtg&feature=related Pornography Addiction and the Two-part Brain Part 1: http://www.youtube.com/watch?v=4tl7NAwOSgA Part 2: [...] mehr...
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