Von Johannes Sträter
"Sahara", D/E/USA 2005. Regie: Breck Eisner. Darsteller: Matthew McConaughey, Penélope Cruz. FSK: 16 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Heftpreis: 3,90 Euro
Seit Jahren jagt der Profi-Schatzsucher Dirk Pitt (Matthew McConaughey) erfolglos einem mythischen Panzerschiff voller Gold aus dem amerikanischen Bürgerkrieg hinterher. Als er unerwartet den absurden Hinweis erhält, das Schiff in der Wüste Westafrikas zu suchen, macht er sich trotzdem auf den Weg.
Statt auf den Schatz stößt er dabei jedoch auf die toughe Ärztin Eva Rojas (Penélope Cruz) und mit ihr zusammen auf eine Sauerei von globalem Ausmaß: Jungregisseur Breck Eisner lässt es für 160 Millionen Dollar ordentlich krachen und beschert uns kurzweilige Action, smarte Helden und schicke Bilder. Gedreht wurde standesgemäß in Südmarokko, das sich seit den fünfziger Jahren als Kulisse für Wüstenabenteuer aller Art etabliert hat und zuletzt Mammut-Produktionen wie "Gladiator" (2000) oder "Alexander" (2004) als Kulisse diente. Trotzdem blieb das Kinopublikum fern, was vielleicht an der Story liegt, die zuweilen arg aus dem Ruder läuft. Für einen entspannten Filmabend reicht es aber allemal.
Bis 1. Dezember im Handel
"Doppelmord", D/CDN/USA 1999. Regie: Bruce Beresford. Darsteller: Tommy Lee Jones, Ashley Judd. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.
Während der Probefahrt mit ihrer neuen Segelyacht wacht Libby Parsons (Ashley Judd) in einem blutigen Bett auf und wird kurz darauf als Mörderin ihres verschwundenen Ehemanns verurteilt. Sechs Jahre Knast, während derer der Kontakt zu ihrem kleinen Sohn plötzlich abbricht, machen aus ihr eine wandelnde Rachebombe, denn sie ist unschuldig und wurde übel reingelegt. Endlich draußen, gibt es für sie kein Halten mehr, doch ihr Bewährungshelfer Travis (Tommy Lee Jones) ist ebenso hartnäckig und setzt alles daran, sie wieder einzufangen.
Der Plot des für stattliche 40 Millionen Dollar in New Orleans und an einigen sehr hübschen Orten British Columbias gefilmten Thrillers baut ganz auf ein Gesetz, nach dem man für dieselbe Tat nicht zweimal verurteilt werden darf. Das stimmt zwar, jedoch darf man deshalb noch lange keinen Mord nachholen. Trotzdem bleibt die Idee als Selbstjustiz-Joker im Raum und gibt dem Film damit einen unangenehmen Nachgeschmack, den er nicht verdient hat. Denn ansonsten liefert der auch als Opernregisseur erfahrene Oscar-Preisträger Bruce Beresford ("Miss Daisy und ihr Chauffeur") beste Popcornkost ab, bei der man gern bis zum - allerdings klar vorhersehbaren - Showdown vor der Glotze sitzen bleibt.
Bis 22. November im Handel
"Saikano", JP 2006. Regie: Taikan Suga. Darsteller: Aki Maeda, Shunsuke Kubozuka. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 7,90 Euro.
Das Teenager-Liebespaar Shuji (Shunsuke Kubozuka) und Chise (Aki Maeda) hat ein tragisches Problem: Aus heiterem Himmel bricht über Japan ein Krieg herein, und Chise steckt als unbesiegbarer, experimenteller Militär-Cyborg mitten im Getümmel. Während ihre Maschinenschlagkraft weiter wächst, leidet ihre Seele Höllenqualen, denn sie träumt davon, zusammen mit Shuji ein normales Leben zu führen. Doch die Welt steht längst am Abgrund.
Wer die erfolgreiche japanische Manga-Vorlage "She, the Ultimative Weapon" aus der Feder von Shin Takahashi kennt und womöglich auch die 13-teilige Anime-TV-Serie von 2002 oder den Anime-Film von 2005 gesehen hat, wird um diese Realverfilmung kaum herumkommen. Leider verwurstet Taikan Suga ("Blister") den Plot nahezu spannungsarm zu einer 120 Minuten langen, dialoglastigen Schmonzette, die nur selten von netten CGI-Spektakeln aufgelockert wird. Für Neueinsteiger ist das wenig attraktiv.
Bis 8. Dezember im Handel
"Kate & Leopold", USA 2001. Regie: James Mangold. Darsteller: Meg Ryan, Hugh Jackman. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: o. Al.. Heftpreis: 6,99 Euro.
Kurz vor seiner Zwangshochzeit verfolgt der verarmte Adelige Leopold (Hugh Jackman) im Jahr 1876 einen mysteriösen Fremden und landet dabei unverhofft im 21. Jahrhundert. Anfangs noch ziemlich verwirrt findet er sich dank seiner gepflegten Umgangsformen alsbald recht gut zurecht, wobei ihm besonders seine schnuckelige Nachbarin Kate (Meg Ryan) ins Auge fällt. Doch die hat nur ihre Karriere als Marktforscherin im Blick, bis Leopold sie eines Tages vor ihrem lüsternen Chef rettet.
In der phantastisch angehauchten Liebeskomödie spielt Meg Ryan ("Harry & Sally") einmal mehr sich selbst, lächelt und schmollt, weint und lacht sich herzzerreißend burschikos durch ihr Standardrepertoire. Manche finden das zum Knuddeln, andere eher zum Weglaufen. Jedenfalls hat es weltweit genug Geld in die Kinokassen gespült, um die Produktionskosten von 48 Millionen Dollar wieder einzuspielen. Fazit: Eigentlich ein federleichtes Sommerprogramm für frisch Verliebte.
Bis 3. Dezember im Handel
"Very Bad Things", USA 1998. Regie: Peter Berg. Darsteller: Cameron Diaz, Christian Slater. Format: 1:85 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,99 Euro.
Nach einem tödlichen Missgeschick beim Junggesellenabschied seines Kumpels ist Robert Boyd (Christian Slater) die treibende Kraft einer brutalen Gewaltspirale, in die alle Beteiligten erst unfreiwillig und dann immer hysterischer einsteigen, um sich ihrer gerechten Strafe zu entziehen. Die stur heiratswillige Braut Laura (Cameron Diaz) wagt derweil nicht zu glauben, was sie da sieht, und man ist nah dran, sich ihrem Urteil anzuschließen. Immerhin: Das tiefmakabre Ende entschädigt für vieles.
Peter Berg ("Hancock") musste wohl eine Menge Druck aus seinem Engagement als Dr. Billy Kronk bei der Krankenhaus-Serie "Chicago Hope" ablassen, als er sich auf dieses splatterartige Abenteuer einließ. Schwarzhumorig und böse bis ins letzte Glied treibt er seine spielfreudige Crew in immer aberwitzigere Szenen hinein. Besonders Cameron Diaz scheint in einem schrillen Paralleluniversum zu ihrer im gleichen Jahr abgedrehten Liebeskomödie "Verrückt nach Mary" gelandet zu sein. Ein "finsterer Spaß" ("VideoWoche"), der ungekürzt erst im Jahr 2004 von der FSK in Deutschland für ein Publikum ab 16 freigegeben wurde. Nichts für zarte Gemüter.
Bis 3. Dezember im Handel
Super Illu (Nr. 47)
"Deutschlandspiel", D 2000. Regie: Hans-Christoph Blumenberg. Darsteller: Peter Ustinov, Rudolf Wessely. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: o. Al.. Heftpreis: 2,99 Euro.
Die letzte Folge der "Super Illu"-Filmbeileger zum 20. Jahrestag des Mauerfalls zeigt uns ein prominent besetztes Doku-Drama nach der Rezeptur des deutschen Histotainment-Papstes Guido Knopp. Im Auftrag von ZDF und Arte montierte Tatort-Regisseur Hans Christoph Blumenberg aus historischen Filmaufnahmen, Zeitzeugeninterviews und Spielszenen eine unterhaltsame Reise durch das kurze Jahr der deutschen Wiedervereinigung von den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR im Oktober 1989 bis zum "Tag der Einheit" am 3. Oktober 1990.
Anders als bei vermeintlich trockenen Dokumentationen glaubt der Zuschauer quasi mitzuerleben, "wie es wirklich war" - eine Illusion, die Geschichtsfilme seit den neunziger Jahren wieder populär machte, aber bis heute auch viel Kritik provoziert.
Produktionsfirmen wie CineCentrum aus Hamburg haben sich darauf spezialisiert und neben "Deutschlandspiel" bereits historische Ereignisse wie die Schleyer-Entführung von 1977 ("Todesspiel") oder die Hamburger Sturmflut von 1962 ("Die Nacht der großen Flut") als Doku-Drama ins Fernsehen gebracht.
Vom bis 12. bis 18. November im Handel
"Eyes of Crystal", GB/I/E 2004. Regie: Eros Pugielli. Darsteller: Luigi Lo Cascio, Lucía Jiménez. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,50 Euro.
Auch mit ihrer aktuellen Ausgabe bedient die "TV Movie" wieder Freunde des gediegenen Serienmörder-Thrills. Bereits im Vorspann wird dabei ein Eichhörnchen in Nahaufnahme seziert, doch es soll noch schlimmer kommen, denn im müllverstopften Neapel tauscht ein Irrer die Körperteile seiner Opfer mit Teilen von lebensgroßen Puppen aus. Kommissar Giacomo Amaldi (Luigi Lo Cascio) findet merkwürdige Hinweise, lernt die süße Studentin Giudetta (Lucía Jiménez) kennen und leidet unter der eigenen traumatischen Vergangenheit, während der Killer ungeniert sein Unwesen treibt.
Diese leicht bizarre und abgründige Hommage an das italienische Krimigenre des "Giallo" - einem Bindeglied zwischen klassischem Kriminal- und blutigem Slasherfilm aus den siebziger Jahren - ist ein solider, mit guten Darstellern ausgestatteter Thriller, der bis zum Showdown Freude macht. Zartere Naturen schauen zwischendurch mal aus dem Fenster, aber richtig böse wird das Ganze nicht und beschränkt sich auf vergleichsweise wenige Opfer, deren Zahl hier natürlich nicht verraten wird.
Bis 12. November im Handel
"Perfect Deal", USA 1998. Regie: Georges Chamchoum. Darsteller: Michael Dudikoff, Lee Majors. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre
und
"River Queen", GB/NZ 2005. Regie: Vincent Ward. Darsteller: Samantha Morton, Kiefer Sutherland. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,50 EUR.
Alt-Star Lee Majors ("Ein Colt für alle Fälle") durfte 1998 in dem Krimi "Perfect Deal" auf ganzer Spielfilmlänge den sympathischen Haudegen mimen. In der Rolle des Pokerspielers Ben O'Conner eröffnet er zusammen mit zwei Kameraden aus seiner Militärzeit einen Country-Club in der Nähe eines Indianerreservats. Kurz nach der Einweihungsparty steht bereits Ärger vor der Tür: Sein Barkeeper D'Artagnan (Michael Dudikoff) verknallt sich ausgerechnet in die Häuptlingstochter, während korrupte Cops und fiese Mafiosi das Land der Indianer für den Bau eines gigantischen Casinos ergaunern wollen.
Obwohl der libanesische Regisseur Georges Chamchoum tapfer versucht, seinen zweiten Spielfilm mit ein wenig Indianer- und Veteranen-Folklore aufzuwerten, landet er damit auf dem harten Boden des Low-Budget-Actioners, der einzig von den Raufereien alkoholseliger Kneipenhelden lebt. Trotz guter Laune und netter Musik kommt da nicht viel mehr als nur seichte Unterhaltung heraus.
In "River Queen" wird die irische Neuseeland-Einwanderin Sarah (Samantha Morton) Ende des 19. Jahrhunderts von einem jungen Maori schwanger, der kurz darauf stirbt. Gegen den Widerstand ihres Vaters bringt sie mitten in den blutigen Wirren der neuseeländischen Kolonialkriege ihren Sohn zur Welt, der jedoch bereits im Kindesalter von seinem Maori-Großvater entführt wird. Jahre später erhält sie die Chance, ihn im feindlichen Hinterland wiederzutreffen.
Angelehnt an eine wahre Begebenheit und erst nach langen Verhandlungen mit den Maoristämmen am Fluss Whanganui in Westen Neuseelands realisiert, zerrt das mehrfach preisgekrönte Drama ein dunkles Kapitel der Kolonialgeschichte auf die Leinwand. Ähnlich wie bei "Der Navigator" (1987) und "Flucht aus dem Eis" (1992) hat Regisseur Vincent Ward auch hier einen magischen Film geschaffen, den man in Deutschland trotz seiner optischen Pracht leider nur auf DVD zu sehen bekam. Mit der "Widescreen" kommt er auch noch ohne Untertitel daher, was angesichts längerer, nicht synchronisierter Szenen in Maori-Sprache etwas irritiert. Trotzdem können Freunde des dramatischen Kinos hier getrost zugreifen.
Bis 1. Dezember im Handel.
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