Von Felix Knoke
Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge (gebührenpflichtig) hat der spanische Forscher Felipe Ortega einen dramatischen Rückgang der Wikipedia-Helfer verzeichnet: Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 hätten 49.000 Zuträger ihre Mitarbeit an der Onlineenzyklopädie eingestellt. Im selben Zeitraum ein Jahr zuvor waren es gerade einmal 4.900.
Die Wikimedia Foundation, die Non-Profit-Organisation hinter der Wikipedia, bestätigt diese Zahlen, sieht darin aber keine Gefahr: "Wir brauchen genügend Leute, um die nötigen Arbeiten zu erledigen," sagte Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner der Zeitung. "Aber das Ziel des Projekts ist nicht Partizipation."
Eine nur auf den ersten Blick provokante Aussage: Zumindest die englische Wikipedia ist mit über drei Millionen Einträgen enorm umfassend. Zum Vergleich: die Encyclopædia Britannica hat eine halbe Millionen Einträge. Nur noch im Kleinen werden Verteilungskämpfe um die Deutungshoheit über und die Relevanz von randständigen Themen ausgefochten - in Deutschland heißt das derzeit Löschkrieg.
Denn die Popularität der Wikipedia ist ungebrochen groß - und stetig wachsend: In den letzten Monaten suchten zudem 20 Prozent mehr Surfer bei der Wikipedia um Rat.
Wurm im Apfel, Botnet im iPhone
Mit einem Internetwurm, der nur Apples iPhone befällt, versuchen Hacker ein Handy-Botnet zu errichten. Der iBotnet-Wurm sucht selbständig nach iPhones, die von ihren Nutzern für nicht von Apple kontrollierte Software freigeschaltet wurden ("Jailbreak"), kopiert sich in das Gerät und schließt hinter sich die SSH-Tür mit einem eigenen Passwort ab: "Ohshit".
In aller Ruhe loggt sich der Wurm daraufhin in einen Zentralserver in Litauen ein, lädt neue Steuerdateien herunter und geklaute Daten vom iPhone hinauf. Apple hat das Botnet erwartungsgemäß lakonisch kommentiert: Selber schuld, wer sein iPhone knackt. Damit verspielt man nicht nur die Garantie, sondern macht sein iPhone instabil und unzuverlässig.
EU-Parlament winkt Telekompakt durch - Netzsperren mit Richtervorbehalt
Mitte 2011 soll ein neuer Rechtsrahmen für die europäische Telekommunikationsbranche in Kraft treten. Das Europarlament stimmte mit großer Mehrheit für das Kompromiss-Paket, auf das sich die Unterhändler der EU-Staaten, des Parlaments und der EU-Kommission geeinigt hatten.
Durchgesetzt hat sich die Volksvertretung mit ihrer Forderung, bei Rechtsverstößen wie bei Raubkopien nur mit einem fairen und unabhängigen Rechtsverfahren den Zugang zum Internet zu kappen. "Jede Einschränkung des Internetzugangs muss auf dem Rechtsweg überprüft werden können", sagte die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler.
Außerdem müssen Internetanbieter der Richtlinie zufolge bessere Vorkehrungen gegen Viren oder unerwünschte Werbe-E-Mails ("Spam-Mails") treffen. Verbraucher sollen künftig innerhalb von einem Werktag ihren Festnetz- oder Mobilfunkanbieter wechseln können und dabei ihre alte Nummer behalten dürfen. Gegenwärtig dauert es im Schnitt achteinhalb Tage bei Mobilfunk und siebeneinhalb bei Festnetztelefonie.
dpa
Werbung auf dem Desktop
Google bringt mit der neuen Version von Google Earth erstmals AdSense-Werbeanzeigen in einer Desktop-Anwendung unter,also einer Anwendung, die auf dem Computer und nicht innerhalb einer Website angeboten wird. Zwar ist Werbung auf dem Desktop schon lange etabliert - viele Shareware- und Freeware-Programme, Computerspiele, Medieninhalte und Schadprogramme sind mit Bannern zugepflastert - mit Google betritt aber ein echtes Werbeschwergewicht den Heimcomputer; im Gefolge wohl bald schon viele andere Onlinewerber, darunter sicherlich Microsoft, das eine werbefinanzierte Version der Büro-Software Office angekündigt hat.
Deutsche Post will Onlinebrief in den nächsten Monaten
Nach mehreren Ankündigungen hat die Deutsche Post ihre Pläne für den Onlinebrief konkretisiert. Wie das "Handelsblatt" schreibt, soll noch im ersten Halbjahr 2010 das als sichere Alternative zur E-Mail konzipierte Produkt auf den Markt kommen. Im Gegensatz zur E-Mail wird der Onlinebrief aber nicht gratis sein: "Es wird etwas kosten," sagte Konzernchef Frank Appel dem "Handelsblatt".
Mehrere Preismodelle seien derzeit in der Diskussion, etwa eine Flatrate. Die Kosten rechtfertig die Post mit ihrer Vertrauenswürdigkeit: Onlinebriefe könnten via Personalausweis autorisiert und unter Wahrung des Briefgeheimnisses verschickt werden. Das sei besonders für Unternehmen interessant, die so ihre Geschäftspost oder den Behördenverkehr abwickeln könnten.
Wave: Google in Erklärungsnot
Die einen versuchen die E-Mail neu zu erfinden, die anderen das Internet. Dabei stößt Google aber auf überraschenden Widerstand: Die Nutzer haben schlicht zu wenig Phantasie, sich unter dem unter zu vielen Vorschusslorbeeren begrabenen Kommunikationssystem Google Wave etwas vorzustellen. Selbst wer eine der Wave-Einladungen zum halb-öffentlichen Test bekommen hat, steht vor der eigenen Begrenztheit: Und jetzt? Um den lahmen Kunden geistige Linderung zu verschaffen, hat Google ein Video produzieren lassen, das Wave anhand eines historischen Dokuments erklärt: Wie hätten die Gründungsväter der Vereinigten Staaten ihre berühmte Verfassung wohl mit Hilfe von Google Wave verfasst - und schließen damit an das mittlerweile berühmt gewordene Video an, das den Kinofilm "Pulp Fiction" mit Google Wave nacherzählt.
Allen, die trotzdem nicht ahnen, was es mit Wave auf sich hat, sei versichert: Es ist noch viel zu früh zu sagen, was Wave kann - und vor allem: ob es erfolgreich wird.
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