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25.11.2009
 

Netzwelt-Ticker

Augsburg verzichtet nach Protesten auf Blogger-Abmahnung

Von Richard Meusers

Augsburger Idylle: Nach heftigen Protesten verzichtet die Stadt darauf, eine höfliche Anfrage eines Bürgers wegen einer Web-Adresse mit 2000 Euro Abmahnung zu beantwortenZur Großansicht
DPA

Augsburger Idylle: Nach heftigen Protesten verzichtet die Stadt darauf, eine höfliche Anfrage eines Bürgers wegen einer Web-Adresse mit 2000 Euro Abmahnung zu beantworten

Rückzug im Fall Augsburg gegen Bürger: Die Stadt verzichtet auf Abmahnung gegen Blogger. Außerdem: In Großbritannien verhaftet die Polizei routinemäßig Personen, um an deren DNA-Profile zu gelangen, und ein Mann kommt ins Gefängnis, weil er sich weigerte zu twittern. Das und mehr im Überblick.

Gestern schwappte die Nachricht durch die deutsche Onlinewelt, die Stadt Augsburg habe den Blogger Michael Fleischmann abgemahnt - und außerdem noch eine Kostennote von knapp 2000 Euro draufgesetzt. Nur weil Fleischmann in aller Höflichkeit angefragt hatte, ob denn die Domain "augsburgr.de" noch frei sei.

Doch die zuvor bereits erfolgte Registrierung der Web-Adresse durch den Blogger ließ der Stadtverwaltung angeblich keine andere Wahl, als einen Anwalt mit der Wahrung ihrer Rechte zu beauftragen. Auch die saftige Kostennote sei "angemessen", so zunächst die so ungerührte und instinktlose Stellungnahme.

Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los, die Äußerungen empörter Netzbewohner füllten Foren, Blogs und Twitter und nicht zuletzt auch die E-Mail-Fächer der Augsburger Stadtverwaltung. Die war von dem negativen Echo offensichtlich so beeindruckt, dass sie bald zurückruderte und zumindest die Abmahnkosten nicht mehr einkassieren will. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl entschied noch gestern Abend, auf die Forderung zu verzichten.

Gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" stellte der OB zwar fest: "Rein rechtlich war der Ablauf korrekt. Es lag ein Verstoß gegen Namensrechte vor, und wir als Stadt müssen die Rechte an unserem Namen wahren." Aber er gab auch zu, die Handlungsweise der Verwaltung sein nicht optimal gewesen. "Das ist eine Frage des Umgangs einer Stadt mit ihren Bürgern. Ich hätte mir da ein sensibleres Vorgehen gewünscht."

UK: Routineverhaftungen, um DNA-Datenbank zu füllen

Datenschutz ist bekanntlich ein Fremdwort im Englischen, und auch mit Telefon-Abhörerei und der Überwachung des öffentlichen Raumes gehen die Briten ziemlich schmerzfrei um. Der gemeine Brite gilt als bestüberwachter Bürger der Welt - vor Chinesen und anderen, von denen man das eher vermuten würde. Was der "Guardian" nun berichtet, erregt aber selbst das in Sachen Big Brother so entspannte britische Gemüt.

Schon seit 1995 betreibt die britische Polizei eine zentrale Datenbank, in der die DNA-Profile von verdächtigen Personen erfasst werden. Und die Beamten waren fleißig, in der weltgrößten forensischen Gendatensammlung sind inzwischen über fünf Millionen Menschen erfasst. Eigentlich sehen die Regeln vor, dass nur die entsprechenden Daten von verurteilten Straftätern auf diese Weise erfasst werden dürfen. Damit jedoch der Nachschub nicht abreißt, dreht die Polizei das Prozedere einfach um, wie der "Guardian" berichtet: Um an ihre DNA-Profile zu kommen, werden reihenweise Menschen verhaftet.

Bei einer Überprüfung der Datenbank stieß die staatliche Genkommission auf beunruhigende Zahlen, inzwischen sollen drei Viertel aller Männer schwarzer Hautfarbe zwischen 18 und 35 im System erfasst sein. Auch die Zahl völlig unschuldiger Personen, die in der Gendatei gelandet seien, iege mit knapp einer Million viel höher als zuvor angenommen.

Das ist nicht nur in den Augen von Datenschützern gleich doppelt ärgerlich. Denn zum einen existiert und wächst die Polizeidatenbank, ohne dass dazu jemals ein formaler Beschluss gefasst worden wäre. Außerdem liefere die einseitige Fokussierung auf Menschen schwarzer Hautfarbe rassistischer Stigmatisierung Vorschub.

Die polizeilichen Maßnahmen sind umso erstaunlicher, als der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits im Dezember 2008 entschieden hatte, die Speicherung von DNA-Profilen nicht Verurteilter sei unzulässig. Dieses Datenmaterial wird aber gegenwärtig für einen Zeitraum von sechs Jahren gespeichert. Prof. Jonathan Montgomery, der Vorsitzende der Genkommission, fasst die Lage so zusammen: "Mittlerweile ist es ziemliche Routine geworden, bei einer Verhaftung DNA-Proben zu entnehmen. Eine so große Anzahl von Menschen ist nicht in der Gendatenbank, weil sie verurteilt worden wären, sondern weil sie verhaftet wurden."

Hiesige Überwachungs-Fans werden all das mit gemischten Gefühlen beobachten: Einerseits setzt Großbritannien weiter grausige Maßstäbe, andererseits liefert es deshalb auch beständig Argumente für Gegner des Überwachungswahns.

Live Nation und iTunes vermarkten Livekonzerte

Wenn die Umsatzkurve für Konservenmusik beständig nach unten zeigt, muss ein neues Geschäftsfeld her. Für die Musikindustrie eine Frage des Überlebens. Also verlegen sich findige Manager darauf, am hochprofitablen Geschäft mit Livekonzerten mitzuverdienen.

Nicht nur kleine Unternehmen tummeln sich in diesem Marktsegment, auch die großen krisengeschüttelten Labels suchen inzwischen dort ihr Heil. Nachdem schon Musikriese EMI vor einiger Zeit den Schritt in die Online-Vermarktung von Livekonzerten getan hat, zieht nun auch Unterhaltungselektroniker Apple nach. Gemeinsam mit dem Musikveranstalter Live Nation (immerhin auch Label der singenden Hochleistungsturnerin Madonna) wurde gestern eine Verkaufskooperation auf Kiel gelegt. Seit gestern können die Mitschnitte von Live-Nation-Veranstaltungen als Audio- oder Videodatei in Apples iTunes-Store erworben werden. Derzeit ist der Umfang verfügbarer Titel noch ziemlich gering, aber nach und nach soll das Angebot erweitert werden.

iPhone ohne Sim-Lock von O2

Es ist nicht rosa, aber dafür immer noch recht teuer: Wer in Deutschland ganz legal ein magentafreies iPhone kaufen möchte, kann das seit Neuestem tun. Telekom-Konkurrent O2 vertreibt Apples iPhone 3GS ohne SIM- und Netlock in der 16-GB-Version. Neben dem Einstiegspreis von 299 Euro schließt der Käufer einen Zweijahresvertrag mit einer monatlichen Rate von 20 Euro ab, legt also insgesamt 779 Euro auf den Tisch.

Wie Chip.de meldet, richtet sich das Angebot aber keineswegs an Otto Normalverbraucher, lediglich "ausgewählte Kunden" bekämen das Smartphone angeboten. Wie genau sich dieser erlauchte Kreis zusammensetzt, darüber herrscht allerdings Schweigen.

Mann weigert sich zu twittern: ab in den Knast

Twittern ist schwer in Mode, das ist allgemein bekannt. Aber dass es geradezu eine Pflicht zum Zwitschern gibt, ist doch eine erstaunliche Neuigkeit.

Jedenfalls könnte so das Fazit der Erlebnisse von Musikmanager James Roppo im US-Bundesstaat New York lauten. Der Mann begleitete den von seiner Firma betreuten Teeniestar Justin Bieber während eines PR-Auftritts. Die anwesenden Fans - zumeist pubertierende Mädchen im besten Kreisch-Alter - gerieten im Verlauf außer Rand und Band, die Polizei befürchtete Ausschreitungen der mehrere tausend Menschen großen Menge.

Also forderte sie Roppo auf, via Twitter eine Nachricht zur Beruhigung abzusetzen. Doch der Mann weigerte sich, und so nahmen ihn die Beamten unter dem Vorwurf der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit fest, die folgende Nacht verbrachte Roppo im Gefängnis. Nun erwartet ihn möglicherweise ein Verfahren wegen Gefährdung von Minderjährigen und Widerstandes gegen die Staatsgewalt.

Neuigkeiten vom Planeten Japan

Mitunter sind die News, die uns aus dem schönen Nippon erreichen, so seltsam, dass man glauben könnte, man könne dieses Wunderland nur per interplanetarer Raumfähre erreichen: Man nehme nur die erfreuliche Nachricht, dass ein junger Mann, der sich selbst Sal9000 nennt, endlich seine geliebte Nene Anegasaki heiraten konnte. Live vor laufender Kamera, die die feierliche, von einem richtigen Priester geleitete Zeremonie zum japanischen Video-Portal Nico Nouga Nouga übertrug. Das Tech-Blog BoingBoing sorgte dafür, dass der Rest der Welt das Event nicht verpasste.

Denn die Sache hat eine Pointe: Die Braut ist eine Videospielfigur aus einem populären Nintendo-DS-Spiel. Ewige Liebe, bis dass der Batterie-Tod sie scheidet?

pat

Außerdem:

"Tritt einen Rothaarigen": Facebook-Gruppe löst Gewalt aus.

Werbequotenmessung in Echtzeit.

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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.






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