Von Frank Patalong
Über konstruktive Vorschläge, erkannte Mängel zu beseitigen, sollte man reden. Kommen solche Vorschläge jedoch von einem Bundeskanzler, dann gleicht das einer Aufforderung an die Vertreter aller Lager, sich auf Kosten einer schnellen Lösung um so schneller zu profilieren. Schon beginnt das Lavieren nach rechts und links, schon gibt es mehr Zugeständnisse als Lösungsvorschläge. Und der Wirtschaftsriese Deutschland, der gern auch Hightech-Riese sein und bleiben will, droht sich einmal mehr selbst auf den Füßen zu stehen.
Sicher, ob durch "Green Cards" für ausländische Hightech-Spezialisten langfristig Arbeitsplätze für Deutsche entstehen oder nicht, ist im Augenblick fast eine Glaubensfrage. Wie die Antwort darauf ausfallen wird, ist letztlich davon abhängig, ob der Versuch, Deutschland langfristig als Hightech-Standort zu etablieren, gelingt. Dass dies nicht gelingen kann, ohne zumindest mittelfristig Fachkräfte zu "importieren", darf dagegen als sicher gelten.
Das Schüren von Ängsten, hochqualifizierte "Gastarbeiter" könnten deutschen Bewerbern die Jobaussichten verbauen, ist billig und hanebüchen. "Normalerweise interessieren sich unsere Leute für die USA - schon wegen der Sprache", sagte auf der Cebit ein arabischer Softwareexperte. "Aber als zweite Wahl kommt auch Deutschland in Frage."
Das deckt sich mit den Erfahrungen von Volker Jung, Vorsitzender des Bitkom und immerhin Siemens-Vorstandsmitglied. "Ich wage schon gar nicht mehr, junge Leute in die Vereinigten Staaten zu schicken", sagte er auf der Bitkom-Pressekonferenz zur Cebit. "Die kommen nämlich nicht wieder, weil sie die Nase davon voll haben, 60 Prozent ihrer Zeit für Steuer und Versicherungen zu arbeiten."
Hightech-Firmen im Ausland arbeiten oft unter günstigeren Bedingungen - und häufig im Auftrag deutscher Unternehmen. Da muss man die Frage stellen, was volkswirtschaftlich sinnvoller ist: Sollten ausländische (und ausgewanderte deutsche) Spezialisten Aufträge der deutschen Industrie hier bearbeiten - und damit zum Bruttosozialprodukt beitragen - oder im Ausland?
All das zeigt, wo die wirkliche Diskussion hingehen muss, denn mit "Green Cards" allein ist es tatsächlich nicht getan. Die neue Wirtschaft schreit nach umfassenden Reformen. Finden diese nicht statt, wird man noch nicht einmal die "Hightech-Einwanderer" halten können - geschweige denn die qualifizierten Kräfte aus dem Inland. Der Hightech-Standort Deutschland wäre auf dem Weg zur Zweitklassigkeit - hinter Ländern wie der Republik Irland. Die lockt erfolgreich Firmen und Fachkräfte mit Steuervorteilen, ohne große Diskussionen. Und hat sich in wenigen Jahren vom Agrarland zum Hightech-Standort gemausert.
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