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18.01.2010
 

Magazinbericht

"New York Times" erwägt Bezahlmodell wie "FT"

Verlagsgebäude der "New York Times": Die Online-Ausgabe soll Web-Abos verkaufenZur Großansicht
AFP

Verlagsgebäude der "New York Times": Die Online-Ausgabe soll Web-Abos verkaufen

Geld für Online-Journalismus? Die "New York Times" will es einem Magazinbericht zufolge noch einmal wissen: In wenigen Wochen soll die Seite der US-Tageszeitung ein abgestuftes Bezahlmodell vorstellen. Vorbild sei die "Financial Times", die 30 Millionen Euro pro Jahr mit Online-Abos einnimmt.

Die "Financial Times" tut es, das "Wall Street Journal" sowieso und nun angeblich auch die "New York Times": Der Verlag will bald Geld für sein Web-Angebot verlangen, berichtet das "New York Magazine". Die Zeitschrift beruft sich auf einen Freund des "New York Times"-Verlegers Arthur Sulzberger Jr. und Führungskräfte aus der Redaktion. Binnen Wochen soll die "Times" den Start des Online-Abos verkünden.

Das System soll sich an dem für Gelegenheitssurfer attraktiven Web-Abo der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" orientieren. Die "FT" öffnete 2007 die Bezahlschranken ein wenig. Anhand der IP-Adresse wird festgestellt, wie oft von bestimmten Rechnern Artikel auf FT.com abgerufen werden. Einen kostenpflichtigen Artikel im Monat kann jeder Nutzer völlig kostenlos lesen, danach muss man sich registrieren, und wer mehr als zehn Texte im Monat lesen will, muss ein Online-Abo abschließen. Das Standard-Online-Abo für FT.com kostet knapp 15 Euro im Monat, für die Luxus-Version mit exklusiven Newslettern und dem Zugriff auf das E-Paper der gedruckten Zeitung muss man knapp 30 Euro monatlich bezahlen.

Die "New York Times" plant angeblich ein ähnlich abgestuftes Modell, Details sind dem Artikel im "New York Magazine" aber nicht zu entnehmen. Das Modell von FT.com ist laut den Betreibern recht erfolgreich. Im August 2009 meldete die "Financial Times" so viele Online-Abonnenten wie nie zuvor: 117.200 zahlende Leser hatte die Web-Ausgabe damals. Für 2009 meldete FT.com laut "Guardian" einen Abonenntenzuwachs von 30 Prozent, was einem aktuellen Online-Abonnentenstamm von gut 130.000 bedeutet. Nimmt man an, dass die ein Viertel davon das Luxus-Abo bezahlt, macht FT.com mit diesem Nutzerstamm knapp 30 Millionen Euro Online-Aboumsatz im Jahr.

Die US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" mischt kostenlose Online-Angebote auf wsj.com mit exklusiven und kostenpflichtigen Inhalten. Die bei Google News zu findenden Artikel sind fast immer kostenlos zu haben, die Gratis-Software des "Wall Street Journal" fürs iPhone liefert ebenfalls Texte kostenlos - allerdings ist das nur eine kleine Auswahl aus dem gesamten Angebot. Man kann nicht kostenlos lesen, was man will wie auf FT.com. Laut eigenen Angaben hat wsj.com eine Million Online-Abonnenten. Acht Dollar kostet das Web-Abo im Monat - macht rein rechnerisch 72 Millionen Euro Online-Aboeinnahmen.

Ob sich diese Zahlen auf die "New York Times" und andere General-Interest-Portale übertragen lassen, ist nicht ausgemacht. Denn die Wirtschaftzeitungen richten sich an Entscheider in Unternehmen, die ihre Online-Abos beruflich nutzen und vermutlich zum Teil vom Arbeitgeber bezahlt bekommen.

Wenn die "New York Times" mit ihrem Web-Abo ernst macht, ist die Medienbranche in einigen Monaten um eine Erkenntnis schlauer. Zahlen Leser im Web für Nachrichten, Analysen, Reportagen? Im September 2007 stellte die "New York Times" nach nur zwei Jahren ihr altes Online-Bezahlangebot ein. Unter dem Label Timesselect hatte die Online-Ausgabe damals Beiträge von 23 prominenten Kolumnisten und Inhalte des "New York Times"-Archivs angeboten. Die Abo-Erlöse lagen damals bei nicht einmal zehn Millionen Dollar im Jahr, die Kolumnisten waren unzufrieden, weil sie im Web massiv an Reichweite verloren.

Kolumnist Tom Friedman kritisierte damals die Bezahlschranken. Heute sagt er dem "New York Magazine": "Mein Gefühl sagt mir, dass wir alles tun müssen, um Geld einzunehmen." Er ist inzwischen für "eine Art" von Bezahlmodell.

lis

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