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19.01.2010
 

Netzwelt-Ticker

Indien vermutet Hackangriff aus China

Von Felix Knoke

Verriegelter Rechner: Sicherheitssoftware stoppte die Spionage-Attacke in IndienZur Großansicht
Corbis

Verriegelter Rechner: Sicherheitssoftware stoppte die Spionage-Attacke in Indien

Chinesische Hacker sollen mit Trojaner-verseuchten PDF-Dateien den Rechner eines indischen Top-Sicherheitsberaters angegriffen haben. Außerdem: Geldgeschäfte bei Facebook, Terrorverdacht wegen Twitter-Kommentar und doch keine GEZ-Zwangsabgabe für Internet-PCs? Das und mehr im Überblick.

Mayankote Kelath Narayanan, Sicherheitsberater des indischen Premierministers, vermutet chinesische Hacker hinter einem Spionage-Angriff auf sein Büro. Per E-Mail sei versucht worden, eine mit einem Trojaner präparierte PDF-Datei auf seinen Rechner zu schleusen. Schutzsoftware habe das Virus entdeckt und unschädlich gemacht. Narayanan relativiert allerdings voreilige Schuldzuweisungen: "Man scheint sich ziemlich sicher zu sein, dass es die Chinesen waren."

Es sei zwar schwierig, die exakte Quelle des Angriffs auszumachen, sagte Narayanan, aber China sei "nunmal der Hauptverdächtige." Die Angriffe seien zudem am selben Tag, dem 15. Dezember 2009, über das Büro hereingebrochen, an dem auch US-Firmen Cyberattacken aus China verzeichneten. "Das war nicht das erste Mal, dass versucht wurde, in unsere Computer einzudringen," sagte Narayanan der "Times".

Die chinesische Regierung freilich hat jede Beteiligung an Hackaktionen gegen amerikanische und indische Firmen dementiert. "Chinesisches Recht verbietet Hackangriffe," sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

Die Vorwürfe könnten die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den beiden Staaten weiter belasten. Indien moniert chinesisches Engagement in Pakistan, Burma, Sri Lanka und Afghanistan, sieht die See-Hoheit im Indischen Ozean gefährdet.

Geldgeschäfte: ClickandBuy kündigt Facebook-Bezahlsystem an

Jetzt wird Facebook auch noch zur Bank: Der Online-Finanzdienstleister ClickandBuy wird in Kürze eine Facebook-Anwendung vorstellen, mit der Mitglieder des sozialen Netzwerkes untereinander Geld von Person zu Person transferieren können. Das ist besonders für kostenpflichtige Facebook-Anwendungen und Shop-Lösungen in Facebook interessant, eröffnet Facebook selbst aber auch Perspektiven, sich hin zu einer Auktions- oder Kleinanzeigenplattform zu bewegen.

ClickandBuy funktioniert wie eine digitale Geldkarte, die mit Geld "aufgeladen" - sei es aus dem eigenen Portemonnaie oder dem eines Facebook-Kontakts - oder für Überweisungen und Bezahlungen "entladen" werden kann. "Die Monetarisierung des Web 2.0 hat gerade erst begonnen," sagt ClickandBuy CEO Charles Fränkl dazu, offenbar ohne zu wissen, wie albtraumhaft sich das für den normalen Surfer anhören muss.

Terrorverdacht: Verhör wegen Twitter-Kommentar

Weil ein Flughafen wegen Schlechtwetters die Flüge strich, machte sich der Brite Paul Chambers, 26, beim Microblogging-Dienst Twitter Luft: "Robin Hood Airport ist geschlossen", schrieb der offenbar von den Flugänderungen betroffene Chambers: "Ich geb euch etwas mehr als eine Woche, um euren Scheiß zusammenzukriegen, sonst spreng ich euren Flughafen himmelhoch in die Luft." Zu seinem Pech las die Polizei, wahrscheinlich nach einem Hinweis mit und nahm Chambers eine Woche später in seinem Büro fest und unterzog ihn einem siebenstündigen Verhör. Letztlich wurde er gegen Kaution freigelassen, eine Anklage wegen Verschwörung zu einer falschen Bombendrohung steht aus. Chambers verlor wegen der Ermittlungen seinen Arbeitsplatz und darf sein Leben lang den Robin-Hood-Airport nicht mehr betreten. "Ich hätte mir nicht in tausend Jahren vorstellen können, dass so etwas wegen einer Twitter-Nachricht passieren könnte," sagte der 26-Jährige.

Filesharing: Universität sperrt Spotify

Weil der Musikstreaming-Dienst Spotify auf P2P-Technologie setzt, sperrt die Oxford University dessen Benutzung im Uni-Netzwerk. Weil Spotify zu viel Bandbreite belege, wurde der Zugang zum Dienst kurzerhand dichtgemacht - freilich ohne die Studenten vorzuwarnen. Pech für die zahlreichen zahlenden Abo-Kunden am Campus: Die Streaming-Gebühr, die sie Spotify monatlich überweisen, ist jetzt für die Katz.

Und Maus, wie Internatsbewohner der Sydney University in Australien verdeutlichen: Die betreiben ein inoffizielles Filesharing-Netzwerk, das allen Internatsbewohnern, Elitestudenten der Sydney University, freien Zugang zu Pornos, Filmen, Musik gewährt. Der Unileitung sind die Hände gebunden - die Internate seien außerhalb ihrer Reichweite.

GEZ: Doch keine Zwangsabgabe für Internet-PCs

Das Verwaltungsgericht Gießen hat zwei Gebührenbescheide des Hessischen Rundfunks für ungültig erklärt: Ein Optikunternehmen und ein Sportverband hatten laut Heise.de Internetrechner in ihrem Büro stehen, argumentierten, mit ihnen weder Radio- noch Fernsehprogramm zu empfangen. Das Gericht gab den beiden Klägern recht: Die Möglichkeit, Rundfunk zu empfangen, sei bei Computern untergeordnet. Der Besitz eines Internetcomputers heißt nicht automatisch, dass er für den Rundfunkempfang genutzt werde. Heise.de warnt aber vor zu viel Euphorie: Noch steht ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts aus, bis dahin bleibt die Rechtslage unklar.

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Zum Autor

Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.






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