Von Stefan Schultz
Berlin - Die Einladung zur Nokia-Pressekonferenz klang dramatisch. "Seien Sie versichert, dass Thema und Inhalt der Veranstaltung die Nutzung von mobilen Endgeräten verändern wird", war darin zu lesen. Auf der Veranstaltung selbst wartete Nokia-Manager Michael Halbherr dann gleich mit dem nächsten Superlativ auf. "Google ist eine Handgranate", sagte er. Und Nokia? "Eine Atombombe."
Angesichts solcher Kampfansagen waren die Erwartungen im Publikum natürlich groß - und wurden nur zum Teil erfüllt. Denn dass, was der weltgrößte Handy-Hersteller am Donnerstag zeitgleich in sechs Ländern präsentierte, ist zwar ein globaler Strategieschwenk - die Handy-Revolution ist es definitiv nicht.
Eher eine Geiz-ist-geil-Offensive: Nokias Navigationsdienst Ovi Maps ist künftig gratis. Am Angebot selbst hat der Handy-Riese nur kleine Verbesserungen vorgenommen - die Liste der nun frei verfügbaren Dienste ist allerdings lang.
Es gibt Karten für 180 Länder; in 74 Staaten und mehr als 600 Städten sind diese für Autos und Fußgänger angepasst. Autofahrer bekommen die ideale Straßenführung angezeigt, Fußgänger dagegen Treppen, Wege durch Parks oder Eingänge der nächstgelegenen U-Bahn-Station. Das Navi ist in 46 Sprachen verfügbar, inklusive Premium-Inhalten von 25 Spezialisten. Im Programm: Städte-Tipps von Lonely Planet und Restaurantkritiken von Michelin. Nokia bietet damit kostenlose Informationen für mehr als tausend Ziele weltweit.
Für Verbraucher ist das ein gewaltiger Kaufanreiz. Bislang gab es vor allem nacktes Kartenmaterial kostenlos, Navi-Funktionen musste man bezahlen. Wer dazu bereit war, musste sich obendrein erst durchs Tarifdickicht kämpfen. In zahlreichen Abstufungen schwankten die Preise zwischen 1,59 Euro pro Tag und 60 Euro pro Jahr. Diesen Stress muss sich nun niemand mehr antun.
Reaktion auf Googles Navi-Vorstoß
Aus Unternehmensperspektive ist die Gratis-Offensive eine Aktion, um nicht aus dem strategisch wichtigen Navigationsmarkt gedrängelt zu werden. Die Finnen waren durch einen Vorstoß von Google
mächtig unter Druck geraten. Der Internetriese hatte schon im November eine kostenlose Navigations-Software veröffentlicht. Bislang gibt es diese nur auf dem US-Markt, doch schon im Frühjahr will Google auch in Europa damit durchstarten.
Nokia macht also weltweit das, was Google in Amerika vorweggenommen hat. Die Finnen eröffnen, um in Halbherrs Militärjargon zu bleiben, den Karten-Krieg.
Die Finnen wollen durch den Ausbau ihrer Navigationssparte vor allem die Wertigkeit der Handys und der Handy-Software steigern. Mit Hilfe der Gratis-Karten und eines Programmier-Kits für Handy-Apps sollen Nutzer neue Arten von Diensten entwerfen, die den Kauf von Nokia-Handys zusätzlich attraktiv machen. "Bislang haben wir im Navigationsmarkt auf Premium-Content gesetzt", sagt Halbherr. "Jetzt gehen wir in die Breite."
Nokia öffnet innovative Ideen anderer für den Massenmarkt
Strategisch gesehen ist das ein geschickter Schachzug. Nokias Behauptung, die "Nutzung von Endgeräten zu verändern", stimmt dagegen nur halb. Denn das haben Google, Apple und andere Unternehmen schon getan. Sie bieten viele der lokalen Dienste bereits an, deren Nachbildung und Weiterentwicklung Nokia nun mit Gratiskartenmaterial subventioniert.
Die Finnen machen die Nutzungsmuster, die andere geprägt haben, allerdings nun mit ihrer gewaltigen Marktmacht einem breiteren Publikum zugänglich. Auch das verändert etwas, auch das prägt das mobile Internet mit. Wenn ortsbezogene Dienste Millionen neuer Kunden gewinnen, beschleunigt sich das Innovationstempo des Markts. Bislang allerdings treibt die Konkurrenz den Markt mit Neuerungen voran, nicht Nokia. Die Gratis-Offensive der Finnen ist auch ein Versuch, daran etwas zu ändern.
Und dabei drückt der Konzern aufs Tempo: Die weltweite Karten-Offensive wird schnell gestartet. Für zehn Oberklasse-Handys, darunter das N97 mini, ist das Gratis-Navi ab diesem Donnerstag verfügbar, fünfzig weitere GPS-fähige Smartphones sollen die Kostenloskarten bis März einsetzen können - ein Update auf die neueste Version von Ovi Karten 3.03 ist dann auch für sie im Netz.
Schwammige Angaben über Finanzierung der Gratis-Lösung
Für den Rest der Navi-Branche sind das erschütternde Nachrichten. Anbieter wie TomTom verdienen einen Hauptteil ihres Geldes mit dem Verkauf von eigenständigen Geräten - durch die Gratis-Vorstöße der IT-Riesen geraten sie nun in Existenznöte. Schon nach Googles Vorstoß war die TomTom-Aktie eingebrochen, am Donnerstag wiederholte sich das Elend: Papiere des Navi-Spezialisten verloren zwischenzeitlich fast 20 Prozent an Wert und tendierten am Abend noch immer elf Prozent im Minus.
Doch auch Nokias Aktie rutschte im Anschluss an die Pressekonferenz zunächst ins Minus. Denn eine überzeugende Antwort, wie die Gratis-Navis finanziert werden sollen, blieben die Finnen schuldig. "Es ist eine Mischkalkulation", sagte Halbherr nur. Mittelfristig soll ein Teil der Entwicklungskosten auf die Preise der Endgeräte umgeschlagen werden - bislang seien aber noch keine Preiserhöhungen geplant. Der Konzern hält sich zudem die Option offen, die eigenen Navi-Dienste an andere Unternehmen weiterzuverkaufen.
Langfristig will Nokia auch Geld mit ortsbezogener Werbung verdienen. Halbherr rechnet allerdings damit, dass es noch vier bis fünf Jahre dauern wird, bis sich dieser Markt entwickelt. "Es ist eine komplizierte Rechnung", sagt der Manager. "Aber es rechnet sich."
Experten sehen das anderes. Momentan ist Nokias Navi-Sparte eher stark unter Druck. Denn auch die Konzerntochter Navteq macht noch immer einen Teil ihres Profits mit dem Verkauf von Kartenmaterial an die Hersteller herkömmlicher Navigationsgeräte. Die Finnen kannibalisieren sich mit ihrem Vorstoß also zum Teil selbst - und steigern damit den Kostendruck im eigenen Haus.
Schon bevor Nokia die Gratis-Offensive ausrief, hatten Finanzanalysten darauf hingewiesen, dass Nokia den Wert von Navteq in der Jahresbilanz um bis zu eine Milliarde Euro nach unten korrigieren muss. Nächste Woche wird sich zeigen, ob die Analysten recht haben: Da geben die Finnen die Jahreszahlen bekannt.
Fragen zur Bilanz wollte Nokia am Donnerstag generell nicht beantworten.
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Weil man dann mit jedem Handy und Notebook ungefähr die Position bestimmen kann. Auch dann, wenn man keinen GPS-Empfang hat. Ruft man Google-Maps im Handy auf, dann prüft das Handy welche WLANs gerade empfangen werden, [...] mehr...
Das ist ein Spannungsfeld. Wieviel darf man dem Anbieter oder Hersteller an Warnhinweisen usw. zumuten, wieviel Allgemeinwissen, Verstand und Eigeninitiative darf man dem Konsumenten zumuten? Wenn eine konkrete Betrugsabsicht [...] mehr...
Prinzipiell möchte ich Ihnen zustimmen, nur ist das leider gängige Praxis, dass sich Menschen nur unzureichend über die negativen Aspekte von Neuerungen informieren, die sie sich selbst anschaffen und daher davor geschützt [...] mehr...
Dafür gibt's inzwischen auch schon Verzeichnisse. Und die in der unmittelbaren Umgebung findet der Computer ja von selbst. Nein. Ich bin doch nicht blöd. mehr...
Raten Sie mal. Achja Sie haben ja eine Frage gestellt. Der "normale" User, besser gesagt, der DAU, wäre doch froh überall öffentliche WiFi-Verbindungen ohne Passwort zu haben. Natürlich wird bei denen dann Ihre IP, [...] mehr...
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