ThemaYesterTechRSS

Alle Kolumnen

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
10.02.2010
 

20 Jahre Photoshop

Satte Farben, scharfe Kurven

Von Konrad Lischka

Der beste Freund der Pixelgestalter feiert Geburtstag: Im Februar 1990 kaufen die ersten Bildbearbeiter das Programm Photoshop. Die erste Version erscheint auf drei Disketten für den Mac. Entstanden ist es als Zeitvertreib während einer Doktorarbeit.


Thomas Knoll braucht dringend etwas Zerstreuung: Der Informatiker brütet im Herbst 1987 in Ann Arbor über seiner Doktorarbeit zur redigitalen Bildverarbeitung. Als Zeitvertreib entwirft er ein Programm für seinen Apple Macintosh Plus, das Graustufen-Bilddateien auf dem Schwarzweiß-Monitor des Macs anzeigt. Pragmatisch tauft er den Fotodarsteller Display.

Gut zwei Jahre später kommt eine aufgemotzte Display-Version als kommerzielle Software auf den Markt, unter einem Namen, der inzwischen zum Synonym für Bildbearbeitung geworden ist: Photoshop 1.0 erscheint im Februar 1990, vor 20 Jahren.

Bis dahin ist es ein langer Weg: Thomas Knoll wäre ohne seinen Bruder John nicht darauf gekommen, aus Display ein Geschäft zu machen. John Knoll arbeitet Ende der Achtziger in Kalifornien bei George Lucas Spezialeffekte-Firma Industrial Light & Magic (ILM). Er hat als Teenager viel fotografiert, die Filme in der Dunkelkammer des Vaters entwickelt und wie Thomas am Apple II+ und später dem Macintosh der Familie gearbeitet.

Einer der Photoshop-Entwickler schuftet für George Lucas

Bei ILM experimentiert John Knoll mit computergestützer Bildbearbeitung. Als sein Bruder ihm von dem kleinen Freizeitprojekt Display erzählt, drängt er ihn zum Ausbau. Das Programm soll auch Farbbilder darstellen, verschiedene Dateiformate lesen und schreiben, John besorgt sich einen der neuen Macintosh II Rechner (die haben einen Farbmonitor) und arbeitet parallel zu seinem Bruder an dem Programm. John programmiert Foto-Effekte, die Basis für die späteren Plug-Ins werden, sein Bruder ergänzt Display um Bearbeitungmöglichkeiten wie Farb- und Tonwerkorrektur.

John Knoll nutzte die Software immer wieder für die Arbeit bei ILM, notierte Schwächen der Software im Arbeitsalltag und drängte seinen Bruder zu Anpassungen oder programmierte sie gleich selbst. Bei ILM hat Knoll unter anderem bei der Arbeit an "The Abyss" mit Display gearbeitet. Rückblickend erzählt John Knoll heute im Interview mit Robert Scoble, wie sicher er sich damals war, dass mit Bildarbeitungssoftware ein Geschäft werden könnte: "Wir sollten das verkaufen, sagte ich Thomas."

Bildbearbeitung? Braucht doch keiner!

John Knoll sieht Ende 1987 in den Büros von Apple einen der ersten Scanner und digitalisiert dort den Abzug eines Fotos seiner Frau am Strand von Bora Bora. Diese Aufnahme bearbeitet er dann bei allen Display-Vorführungen. "Es war phantastisch, ich konnte zum Beispiel die Farbe des Wassers anpassen."

Bis zum Sommer 1988 führt John Knoll, manchmal unterstützt von seinem Bruder das Bildverarbeitungsprogramm bei vielen Unternehmen vor. Ein Scanner-Hersteller lizensiert eine frühe Programm-Version als Dreingabe für seine Geräte.

Anfangs nennen die Knoll-Brüder das Programm ImagePro, erwägen sogar den Namen PhotoHut. Auf den heute so bekannten Begriff Photoshop bringt sie bei einer der Produktvorführungen ein Firmenvertreter.

John Knoll verrät nicht, welche Software-Konzerne Photoshop begutachtet haben. Einige große Namen seien darunter gewesen, erzählt er im Gespräch mit Robert Scoble. Von einer Präsentation bei Electronic Arts - dem heutigen Spielekonzern - erzählt er aber dann doch: "Ich habe eineinhalb Stunden die Software vorgeführt, am Ende schaute mich der Manager an und fragte: 'Warum sollte das jemand kaufen? Es ist nicht so einfach zu nutzen wie Malprogramme.'"

Die damals auf Software für das Gestalten von Druckerzeugnissen spezialisierte Firma Adobe sagte dann im Herbst 1988 den Vertrieb zu und handelte ein Lizenzabkommen mit John und Thomas Knoll aus.

34,5 Millionen US-Dollar für Photoshop

Die Knoll-Brüder programmierten die erste Photoshop-Version, einen offiziellen Lizenznehmer-Vertrag unterzeichneten die Knolls und Adobe Anfang 1989 und ein Jahr später erschien Photoshop 1.0 - exklusiv für den Mac. 1995 kaufte Adobe den Brüdern die Photoshop-Rechte für 34,5 Millionen US-Dollar ab. In den ersten zehn Jahren verkaufte Adobe drei Millionen Photoshop-Lizenzen weltweit. Als Raubkopie dürfte die Software auf erheblich mehr Rechnern laufen.

Warum Photoshop den Markt für Bildbearbeitungssoftware so geprägt, ja eigentlich definiert hat? Es war wohl die glückliche Kombination aus einem nicht zu frühen Start (den Markt für digitale Bildbearbeitung musste Photoshop nicht erst schaffen), dem starken Vertriebspartner Adobe (bei digitalen Gestaltern damals für die Seitenbeschreibungssprache PostScript bekannt) und einer benutzerfreundlichen Software.

Die frühen Photoshop-Versionen profitierten davon, dass einer der Entwickler mit dem Programm tatsächlich arbeiten musste. John Knoll im Interview mit Robert Scoble: "Ich versuche es zu vermeiden, dass die Software einem Kreativen bei der Arbeit in die Quere kommt."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 22 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.02.2010 von stormking: Titel

Falsche Erwartungshaltung. Speziell bei Blender ist es nicht das Ziel des Bedienkonzeptes, daß Einsteiger sich schnell zurechtfinden. Sondern daß Profis effektiv arbeiten können. mehr...

21.02.2010 von Ronno: Für 3D Post-Production

Ich nutze PSP X eigentlich so gut wie gar nicht zur Fotonachbearbeitung, sondern zur Post-Production von 3D-Renderings, die ich in "Hexagon" modeliere und dann in "DAZ-Studio" rendere. Da geht's manchmal von [...] mehr...

12.02.2010 von Hagbard: .

Gimp finde ich sehr unübersichtlich und unhandlich. Ich hab's mal ausprobiert und eine halbe Stunde nach irgend einer Standardfunktion gesucht. Ansonsten bestimmt nicht schlecht. Der Paint Shop ist meines Erachtens eher ein [...] mehr...

11.02.2010 von Ronno: Kinners, wo blifft die tiet

Ja, natürlich Ende der 80er ist richtig... Kinners, wo blifft die tiet. Ist das schon wieder so lange her?? ;-) mehr...

11.02.2010 von chrome_koran: Es gibt sogar kostenlose Alternativen.

Einde der 1990er Jahre war Photoshop schon sehr wohl eine weit entwickelte Software. Sie haben wirklich so lange mit einem Amiga durchgehalten? Meine Hochachtung. Mit Betonung auf "nahezu" - so läuft es [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema YesterTech

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook


Mitmachen!

AP

Der erste Heimcomputer, das früheste Faxgerät, die Vorläufer des WWW: Die Reihe Yestertech von SPIEGEL ONLINE beschreibt, was gestern Zukunft war. Und die Leser blicken zurück.

Welche Abenteuer oder Anekdoten haben Sie mit Ihrem Atari 2600, Ihrem ersten Mobiltelefon, mit Rohrpost, Telex und Faxgerät erlebt? Welche Pionierfirmen der IT-Geschichte? Posten Sie Ihre Meinung und die Fotos Ihrer Technikoldtimern auf unserer Facebook-Pinnwand und schicken Sie uns Ihre vollständige Yestertech-Geschichte per E-Mail . Mit den wichtigsten technischen Daten und Jahreszahlen, einigen Fotos und vor allem Ihren persönlichen Erlebnissen. Welche Erfahrungen haben Sie damals gemacht? Was war gut, was war schlecht?

Die schönsten Geschichten erscheinen auf SPIEGEL ONLINE. Mit der Einsendung bestätigen Sie, dass Sie die Rechte an Text und Fotos besitzen und Sie stimmen zu, dass SPIEGEL ONLINE Ihre Aufnahmen kostenfrei auf SPIEGEL ONLINE und auf der Yestertech-Seite bei Facebook zeigt und Sie mit vollem Namen als Urheber nennen darf. Wenn Sie wünschen, dass wir zu Ihrer Seite verlinken, senden Sie bitte die URL mit.

Unsere E-Mail-Adresse






TOP



TOP