Von Frank Patalong
Es gibt Formen von Erfolg, die nur noch als abstrakte Zahlen darstellbar sind: "In jeder Minute", schreiben die PR-Verantwortlichen von YouTube, "laden unsere Nutzer 20 Stunden Videomaterial hoch."
Das ist schwer zu glauben. Schließlich macht das 28.800 Stunden am Tag, 201.600 Stunden pro Woche, 846.000 Stunden im Monat, 10,5 Millionen Stunden im Jahr. Das wäre genug, um 1200 TV-Sender mit einem 24-Stunden-Programm zu beschicken. Viel zu viel, als dass sich irgendjemand all das ansehen könnte.
Wer, fragt man sich, sieht sich das alles an?
Niemand natürlich.
Die Frage ist schon im Ansatz falsch, denn darum geht es bei YouTube ja auch nicht. Web-Videoplattformen haben kein Programm, das man sich anschauen könnte, sollte oder müsste. Sie sind vielmehr das absolute Anti-Programm, der Inbegriff der On-demand-Kultur, der digitalen Wundertüte, die unermesslich viel enthält, aus der man sich herausfischt, worauf man gerade Lust hat. Für die einen sind das TV-Inhalte, für die anderen Videoblogs von Teenagern. Die einen suchen "News von unten", die anderen präsidiale Worte, wieder andere einfach Musikvideos.
Also: Niemand sieht sich das alles an, aber Millionen sehen täglich ein kleines bisschen. Aus den unterschiedlichsten Gründen.
Es gibt "Vlogs", in denen man sich wöchentlich Schminktipps abholen kann, Balzvideos hormongesteuerter Möchtegern-Gangsta, "Jackass"-Fans, die zeigen, wie man sich besonders dämlich einem Verletzungsrisiko aussetzt. Es gibt alte Herren, die ihre Biografie einer Webcam erzählen und plappernde, pubertierende Suppenkasper, die ihre dämlichen Ergüsse erst in einigen Jahren - beim Bewerbungsgespräch? - bereuen werden. Es gibt jugendliche Gitarrengötter und singende Hausfrauen, tanzende Teenies und Leute, die glauben, die Welt brauche unbedingt noch eine Shakespeare-Persiflage in 2 Minuten 52.
Ach ja, und es gibt den Papst und diverse Präsidenten, langweilige PR-Interviews mit irgendwelchen Management-Nasen und fliegende Molotow-Cocktails bei der Maidemo. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt bei YouTube - abgesehen davon, dass die Plattform zu den saubersten des Webs zählt. Pornografie sucht man dort vergeblich (und wenn es sie gibt, wird sie schnell gelöscht). Copyright-Verletzungen sind (in Relation zur Masse der Inhalte) die Ausnahme. YouTube mag chaotisch und facettenreich sein, schrill und albern, originär, ordinär und manchmal sogar erschütternd. Gemessen an den Standards des Webs aber ist es nahezu Disney: gute Familienunterhaltung.
Begonnen hat das alles unter dem Dach des eBay-Bezahldienstes Paypal
Drei Paypal-Angestellte hatten genug davon, für einen Arbeitgeber Umsatz zu machen und beschlossen, Anfang 2005 ein Videoportal zu begründen: Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim sahen die Zeit der On-demand-Videos gekommen. Die Idee selbst war alt, die ersten Portale nach dem YouTube-Muster gab es ab 1998. Nur interessierte das damals kaum jemanden: Großen Erfolg hatten die frühen Video-Websites nicht, denn der Masse der Nutzer fehlte noch die nötige Breitbandanbindung.
Mitte des Nuller-Jahre aber begann sich das zu verändern. Erste Videostars aus der viel beschworenen Internet-Community wurden international berühmt, meist gegen ihren Willen: Das Star Wars Kid und Gary Brolsma mit seinem Numa-Numa-Sitztanz machten per E-Mail-Attachment, aber auch über Videoseiten wie Metacafe oder NewGrounds die Runde.
Hurley, Chen und Karim fanden das Klasse: Jetzt, kalkulierten sie, sei die Zeit für Videoportale reif. Im Februar 2005 ging ihre Webseite YouTube online, reihte sich ein in das gute Dutzend Videoseiten mit Community-Features. In Rückschau wurde das zur Geburtsstunde einer der erfolgreichsten Webseiten überhaupt. Sie hatte nichts zu bieten, was andere nicht auch hatten. Ungewöhnlich bequem waren allein die Blog-typischen Kommentierungsfunktionen, die es Zuschauern erleichterten, zu jedem Video ihren Senf abzugeben.
Warum also wurde YouTube zum Erfolg, während der Rest der Konkurrenz nur zusehen konnte? Schwer zu sagen: Vielleicht lag es an der Welle der Sitztänzer und Lip-Synch-Videosternchen, die zu YouTubes erstem Erfolg beitrugen. Losgetreten hatte dies Gary Brolsma, dessen "Numa-Numa-Video" zu einem weltweiten Hype wurde. Ein Jahr nach Erscheinen bei NewGrounds machte das Video bei YouTube erneut die Runde - doch diesmal sahen nicht Zehntausende zu, sondern Millionen.
Was zunächst einmal Kosten generierte. YouTube wäre an diesem frühen Erfolg erstickt, wenn nicht Investoren aufmerksam geworden wären. Doch bereits Ende 2005 schoss Sequoia Capital zunächst 3,5 Millionen Dollar zu, später noch einmal acht Millionen. Damit war der Grundstock der Google-Connection gelegt, denn Sequoia hatte einst zusammen mit Kleiner Perkins Caufield & Byers auch Google finanziell angeschoben. Der Suchmaschinist schlug im Herbst 2006 zu und kaufte YouTube auf: 1,31 Milliarden Dollar ließ er sich den Videospaß damals kosten.
Für YouTube begann damit eine Phase der zunehmenden Kommerzialisierung, die sich als mühselig erweisen sollte. Der Plattform fehlten Möglichkeiten, Werbung einzubinden, was anfänglich allerdings wenig schadete: Auch die Werbewirtschaft war noch nicht so weit, Web-Videos als Markt zu entdecken. Bis heute hat YouTube an dieser Stelle Probleme, laviert nach wie vor - obwohl angeblich nur noch knapp - im defizitären Bereich.
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Gut, einverstanden, meine Wortwahl war da vielleicht nicht ganz eindeutig. Aber ich meinte mit "Widerstand gegen den Staat" nicht "Widerstand gegen den gesunden Menschenverstand". Aber das ist eigentlich [...] mehr...
Nein Danke, auf sol ein Niveau werde ich mich im Gegensatz zu Ihnen mit Sicherheit nicht einlassen! mehr...
Damit meinen Sie also auch Michael Regener. mehr...
Ja. Und wenn er auf einen solchen Sender schalten würde - sofern ich es bemerke (gibt es eigentlich Free-TV-Sender, die nachmittags soetwas ausstrahlen? Wenn ja, wo? :-)) - würde ich ihn nicht bestrafen, sondern versuchen, mit [...] mehr...
Es geht nicht darum, dass ich speziell danach suche! Setzen Sie Ihr Kind vor den Fernseher, ohne irgendeine Sperre in die XXX-Sender zu machen und spekulieren darauf, dass es nicht bis dorthin schaltet? Es geht darum, dass im [...] mehr...
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