Von Ole Reißmann
Damit soll jetzt Schluss sein - mit der Flash-Übermacht, nicht mit dem Spaß. Ein neuer HTML-Standard soll Multimedia und Videos direkt in den Browser bringen. Denn so nützlich das Flash-Plugin auch ist, es bringt gravierende Nachteile mit sich. So läuft das ressourcenhungrige Plugin nur unter Windows richtig schnell und auf mobilen Geräten mit weniger Rechenpower eher holprig - wenn überhaupt.
Die mehr als 75 Millionen Besitzer eines iPhone oder iPod touch wissen, wie das Netz ohne Flash aussieht. Sie müssen beim Surfen ganz auf Flash-Inhalte verzichten, Apple verweigert seinem Browser hartnäckig Adobes Zusatzprogramm. Auch der neue Tablet-Computer iPad soll ohne das Plugin auskommen. Vor allem dürfte Apple die Abhängigkeit von Adobe stören. Flash ist kein offener Web-Standard, sondern komplett von einer Firma kontrolliert, die den Player verschenkt und an den Entwicklerwerkzeugen für das Format verdient.
Offener Standard vs. Monopolformat
Wer auf Flash setzt, räumt Adobe die Macht über Funktionen und Bedienung ein. Wenn auf einem Handy Flash-Anwendungen mies laufen, schieben die Nutzer die Schuld eher auf den Gerätehersteller - und nicht auf die Software. Auch muss man darauf vertrauen, dass die Techniker Sicherheitslücken in dem Plugin schnell schließen. Immer wieder haben Hacker in der Vergangenheit fehlerhafte Implementierungen für ihre Zwecke ausgenutzt.
Das ist nicht nur Apple ein Ärgernis. Mitarbeiter von Mozilla, Opera, Google und Apple arbeiten deswegen seit Jahren an neuen Funktionen für den Web-Seiten-Quellcode HTML. Denn die Seitensprache wurde ursprünglich für strukturierte Texte entwickelt und weniger für multimediale Erlebniswelten. Parallel dazu arbeitet auch eine Arbeitsgruppe des offiziellen Web-Standardgremium W3C an HTML5. Ende dieses Jahres soll ein erster Entwurf fertig sein.
Noch ist nicht alles fertig, wird etwa über die "Canvas"-Funktion verhandelt. Das Element ist für die Darstellung von 2-D-Grafiken zuständig und tritt damit, mehr noch als die Videofunktion, in direkte Konkurrenz zu Flash. Einem Adobe-Mitarbeiter, der in einer der Arbeitsgruppen sitzt, wurde wegen eines Einwandes schon eine Verzögerungstaktik unterstellt. Der bestreitet protektionistische Absichten.
Eine Frage des Codecs
Klar ist hingegen, wie künftig Videos in Web-Seiten eingebettet werden sollen. Schon jetzt testen Browser-Hersteller und Internetfirmen das "Video"-Element. Googles Videoplattform YouTube lässt sich schon auf HTML5-Betrieb umschalten. Die Clips laufen dann nicht in einem Flashplayer, sondern direkt im Browser. Bisher funktioniert das allerdings nur mit Chrome und Safari.
Denn HTML5 sieht zwar Videos vor, macht aber keine Angaben zum eingesetzten Codec, dem Komprimierungsverfahren. Der Codec ist sozusagen der Ent- und Decodierschlüssel für kleingepackte Dateien: Von ihm hängt einerseits ab, wie klein die komprimierte Datei ausfällt, andererseits, wie gut Bild und Ton nach dem Auspacken noch sind.
YouTube liefert seine Videos in der H.264-Codierung aus, einem aktuellen MPEG4-Codec, der auch hervorragend auf Handy-Chips läuft - der aber viele Zeilen patentierten Code enthält. Mozilla müsste den Code lizenzieren, damit H.264-Videos in Firefox laufen. Das widerspricht aber der Grundidee des Browsers.
Stattdessen setzt Mozilla auf Theora. Der Codec ist zwar Open Source, dafür aber technisch nicht annähernd so ausgereift wie H.264. Damit die Clips in beiden Browsern laufen können, müsste YouTube die Clips in zwei verschiedenen Formaten anbieten - doch das kostet Rechenkapazität und Speicherplatz. Bislang fehlt ein offenes Videoformat, auf das sich Browserhersteller und Internetfirmen einigen können - und das am besten noch von Handy-Hardware unterstützt wird.
Google hat den Schlüssel
Die Lösung dafür hat Google gerade gekauft. Für rund hundert Millionen Dollar hat sich der Such- und Werberiese die Firma On2 einverleibt, die den Videocodec VP8 entwickelt hat. Der soll es mit H.264 aufnehmen können und keinen lizenzpflichtigen Quellcode von Drittfirmen beinhalten. Google könnte nun VP8, so hoffen jedenfalls die Free Software Foundation (FSF) und viele bloggende Web-Entwickler, zum Allgemeingut erklären und als Open Source zur Verfügung stellen.
Mit YouTube hat Google dabei einen Trumpf in der Hand. Sollte die mit Abstand populärste Videoplattform im Netz auf VP8 umstellen, würden sich Browser, die das Format abspielen können, rasend schnell verbreiten. Eine gute Gelegenheit, den eigenen Chrome-Browser populärer zu machen, der bisher nicht gerade eingeschlagen ist (Marktanteil um fünf Prozent). Würden allein die hochaufgelösten Großformate nur noch mit VP8 ausgeliefert, würde bald jeder zweite Internetsurfer auf einen Browser mit VP8 umsteigen, prophezeit die FSF. Wenn dann nicht längst alle Browser und Handys das Format unterstützen würden.
So abwegig ist die Einführung und Offenlegung von VP8 gar nicht: Auch Google hat ein Interesse an einem Flash-freien Web. Zwar stellt Adobe Suchmaschinenbetreibern Tools bereit, damit ihre Crawler auch Flashdateien durchsuchen können. Doch noch immer tun sich Google und Co. damit schwer. Immer wieder betont das Unternehmen, wie wichtig offene und freie Standards für Google und das Internet sind.
Werbung rettet Flash
Für reine Web-Videos zeichnet sich tatsächlich eine Zukunft ohne Flash ab, auch wenn die Details noch ausbaldowert werden müssen. Große IT-Unternehmen haben die Ablösung von Adobes allgegenwärtigem Player längst beschlossen, zumal auf mobilen Geräten. Selbst neue Handys mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Mobile 7 müssen zunächst auf Flash verzichten, zur Markteinführung ist das Plugin noch nicht angepasst und optimiert.
Doch nicht nur interaktive Grafiken werden noch eine ganze Weile auf Flash setzen. Vor allem die Online-Werbung sichert dem Flash-Format noch weitere Jahre. Denn neben den puristischen Textanzeigen aus dem Hause Google sind es vor allem blinkende Flash-Banner, mit denen im Internet Geld verdient wird. Auch vor Web-Videos geschaltete Werbeclips setzen meistens auf Flash. Bis das Plugin gänzlich überflüssig wird, muss noch einiges entwickelt werden.
Selbst YouTube sendet bei seinem HTML5-Betatest mit Werbung versehene Clips nicht als Videodatei, sondern als Flashfilm an den Browser.
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@Suppenelse Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal ein größeres grafisch ansprechendes Web Projekt umgesetzt haben. Aber ich denke Sie wissen nicht wirklich, wie viel Vorteile Flash (zumindest für den Entwickler) birgt. Bei der [...] mehr...
bietet für entwickler eine einmalige oberfläche, in der ich schnell und unkompliziert ein banner, eine bauchbinde oder sonstwelche ansprechende oder weniger ansprechende webgrafik erstellen kann. wer auf informative websites [...] mehr...
Schöner Artikel. Und in der Tat begrüßenswert, dass Flash unter Umständen bald weitgehend Geschichte ist. Die ganzen "Kreativen", die ihre Seiten von vornherein mit Flash machen, weil alles andere zu wenig verspielt ist, [...] mehr...
Schöner Artikel. Und in der Tat begrüßenswert, dass Flash unter Umständen bald weitgehend Geschichte ist. Die ganzen "Kreativen", die ihre Seiten von vornherein mit Flash machen, weil alles andere zu wenig verspielt ist, [...] mehr...
Ich find es ja toll wie hier einige vor Ihren Apfelkisten sitzen und sich selbst ins Knie schießen und sich darüber aufregen das dieses Programm auf Ihren Rechnern "langsam" läuft. Selbst damit gutes Geld verdienen [...] mehr...
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