Von Felix Knoke
Droht Amerika ein Cyberkrieg? Präsident Obamas Top-Mann für Cyber-Sicherheit, der "Cybersecurity-Czar" Howard Schmidt, ist sich sicher: Nein. Dem Magazin "Wired" sagte er im Rahmen der RSA Sicherheitskonferenz in San Francisco: " Es gibt keinen Cyberkrieg. Ich finde, das ist eine schreckliche Metapher und ein schreckliches Konzept."
Damit widerspricht Schmidt etwa den Bedrohungsszenarien von Michael McConnell, einem Sicherheitsberater der US-Regierung, der Amerika schon inmitten eines Datenkrieges sieht. "Wired" bezeichnete McConnell deswegen schon als größte Gefahr fürs Internet, weil er Regierung und Bürger für eine autoritäre Kontrolle des Internets scharfmache. Dabei ginge es McConnell nicht um Cyberkrieg, sondern in Wirklichkeit um Spionage und Überwachung. Ähnlich sieht das auch "Cyber-Zar" Schmidt: Statt sich mit digitalen Weltuntergangsszenarien auseinanderzusetzen, sollte die US-Regierung sich auf die Bekämpfung von Internetkriminalität und Ausspähung konzentrieren.
Befürchtungen, die Regierung Obama werde McConnells Rufen nach einer "Überarbeitung" des Internets folgen, will Schmidt nicht stehen lassen: Die Vereinigten Staaten wollten nicht das komplette Netz überwachen. Nachdem lange Zeit eine angebliche Bedrohung "aus dem Internet" hingenommen wurde, folgt jetzt die Umkehr: Statt Aufrüstung nun sogar Abrüstung, um die Freiheit im Internet nicht in Gefahr zu bringen.
Die Mär vom Cyberkrieg könnte sich als PR-Instrument von Geheimdienst- und Militärzuarbeitern sowie der IT-Sicherheitsindustrie entpuppen. Exemplarisch dafür stehen die Hackangriffe in Estland und Georgien. Die als netzerschütternd hochgejazzten Bedrohungen stellten sich im Nachhinein eher als Internetvandalismus einer amateurhaften Aktivistengruppe heraus denn als Cyberterrorismus. Schon werden auch Stimmen laut, dass auch die aufsehenerregenden Hackattacken auf Google und andere IT-Unternehmen nicht etwa das ausgefuchste Werk von chinesischen Staatshackern war, sondern Cracker-Durchschnitt.
Haiti-Spenden: Neue Betrugsvorwürfe gegen Farmville-Entwickler Zynga
Hat Farmville-Boss Mark Pincus Haiti-Spendengelder unterschlagen? So lauten Vorwürfe, die der US-Tratsch-Blog Gawker verbreitet. Das Browserspiele-Unternehmen Zynga habe seine über 80 Millionen Spieler dazu aufgefordert, für die Opfer des Erdbebens in Haiti zu spenden - und nicht erkenntlich gemacht, dass nur die Hälfte der "Spenden" auch tatsächlich weitergereicht werden. Das Unternehmen hat die schwerwiegenden Vorwürfe in einem offenen Brief an "Folha Online", die Online-Ausgabe der brasilianischen Tageszeitung "Folha de S. Paulo", umständlich dementiert - die "Folha"-Redaktion sah darin letztlich ein teilweises Eingeständnis, dass Spenden-Schmu betrieben wurde.
Wie dem auch sei: Browser-Spiele in sozialen Netzwerken wie Facebook sind eine wahre Geldquelle - und laden durch ihre massenhafte Verbreitung zur Abzocke ein. Farmville-Entwickler Zynga wurde deshalb schon Ziel einer Sammelklage. Allein mit betrügerischer Werbung innerhalb des Facebook-Spiels habe Firmenchef Mark Pincus etwa 84 Millionen Dollar eingenommen. Dass er nicht vor dubiosen Mitteln zurückschreckt, gebe Pincus sogar selbst zu - will der Blog TechCrunch mit einem Video beweisen. Dort sagt Pincus offenbar: " Ich tat schlimme Sachen, um so schnell wie möglich Einnahmen zu bekommen."
Superkopierschutz hielt nur einen Tag
Ubisofts neuer Superkopierschutz soll innerhalb eines Tages geknackt worden sein. Eigentlich hätte er die neuen Spiele "Silent Hunter V" und "Assassin's Creed 2" sichern sollen. Ohne eine Internetverbindung zu einem Ubisoft-Server sollten die Games nicht laufen. Diese Kopierschutzmaßnahme hatte schon im Vorfeld viel Kritik kassiert - eröffnete sie doch Fragen danach, was passiert, wenn Ubisoft einmal keine Lust mehr habe, die DRM-Server am Laufen zu halten. Ubisoft antwortete darauf mit dem Hinweis, dass diese Spiele per Software-Update ("Patch") durchaus auch offline funktionieren würden - genau das soll die Gruppe Skid-row jetzt auch mit einem Crack bewiesen haben.
Ubisoft teilte daraufhin mit, dass der Crack nicht funktioniere, die heruntergeladenen Spiel-Versionen unvollständig seien. Das werteten viele Online-Kommentatoren aber als Versuch, eine Blamage abzuwenden. An vielen (dunkleren) Stellen im Netz heißt es: Der Crack funktioniert wunderbar. Was nun stimmt, ist momentan unklar, illegal wäre so ein Crack in jedem Fall.
Ubisoft wehrt sich auch gegen Vorwürfe, der Kopierschutz diene eigentlich dem Zweck, Wiederverkäufe von Spielen zu verhindern, um so den eigenen Markt zu schützen: "Das Ziel unseres neuen Systems ist es, unsere Produkte vor Piraterie zu schützen, der Softwaregebrauchtmarkt stellt für uns ein weitaus geringeres Problem dar."
Zwei Mal Touchscreen-Evolution
Warum funktioniert der Touchscreen des iPhones scheinbar besser als bei Konkurrenzprodukten? Der GadgetLab-Blog von "Wired" hat sich zusammen mit der Design-Firma Moto Development Group dieser Frage angenommen und mit einigen Tests nachgewiesen: Das Gefühl stimmt! Bei Apple waren offenbar bessere Designer und Designerinnen am Werk. Trotz ähnlicher Technik sind Apple-Touchscreens feinfühliger und genauer.
Genau hinsehen hilft - das haben sich auch einige Entwickler und Entwicklerinnen von Microsoft und der Carnegie Mellon University gedacht und den Blick nach unten, auf den eigenen Körper gerichtet: Ein paar Bastelstunden später präsentierten sie ihren Körper-Touchscreen "Skinput". Der interpretiert mit auf der Haut angebrachten Sensoren, wie sich Vibrationen im Körper ausbreiten und schließt daraus, wo gerade der Körper angetippt wurde. Noch ist Skinput nur ein Armband-Prototyp - der aber so gut funktionieren soll, dass sich die Forscher einig sind: Weitermachen, wabbelwabbel.
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