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08.03.2010
 

Netzwelt-Ticker

USA wollen Unterdrückern mit Chat und Fotos zusetzen

Von Felix Knoke

YouTube als Protestwerkzeug in Iran (Archivbild): Freiheit durch Internet-Technologie? Zur Großansicht
DPA

YouTube als Protestwerkzeug in Iran (Archivbild): Freiheit durch Internet-Technologie?

Um Unterdrückten in Iran und anderswo zu helfen, wollen die USA Exportbeschränkungen für Software aufheben. Außerdem: Hacking-Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg, Bürger sollen bei Web-Enquete mitreden, IE6 wurde beerdigt, Ubisoft-DRM-Server stürzt ab. Das und mehr im Überblick.

Offenbar um Demokratiebewegungen in Unterdrückungsregimes zu unterstützen, will das US-Finanzministerium Exportbeschränkungen für Internetdienste wie Instant Messaging, Chat- und Fotoportale aufheben. Profitieren sollen davon laut "New York Times" Bürger in Staaten wie Iran, Kuba und Sudan, für die in den USA Handelsbeschränkungen gelten. Zwar haben viele netztüchtige Surfer Zugriff auf Dienste wie Twitter, Flickr und Co., trotzdem brachten sich US-Firmen bislang zumindest theoretisch selbst in Gefahr, wenn sie den Zugriff auf ihre Dienste nicht für Bürger dieser Länder beschränken. Am Montag sagte ein Beamter des Weißen Hauses der "NYT", dass das Finanzministerium eine umfassende Lizenz für den Export kostenloser persönlicher Internetdienste und entsprechender Software in diese Länder erteilen werde. Das Finanzministerium folgt damit einer Empfehlung des Außenministeriums vom vergangenen Dezember, so die Zusammenfassung in der "ORF Futurezone". Am Beispiel der Aufstände in Iran habe sich gezeigt, wie wichtig Online-Dienste für eine Demokratiebewegung sein können.

"Je mehr Menschen Zugang zu vielen Internettechnologien und -diensten haben", so der namentlich nicht genannte Beamte, "desto schwieriger wird es für die iranische Regierung, sie in ihren Meinungsäußerungen zu beschneiden."

Der noch inoffiziellen Entscheidung ging ein längerer Prozess voran, der im Grunde eine Erweiterung des Streits um das Für und Wider von Wirtschaftsembargos ist. Noch im Januar sagte die US-Außenministerin Hillary Clinton, dass Freiheit im und durch das Internet ein fundamentales Prinzip der amerikanischen Außenpolitik geworden sei. "Virale Videos und Blog-Einträge sind der Samisdat der heutigen Zeit" - eine Anspielung auf die im Selbstverlag verbreiteten Dissidenten-Schriften in sozialistischen Staaten.

Hacking-Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg

Der "Silicon Alley Insider" erhebt schwere Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Mai 2004 soll sich der damals 19-Jährige in die E-Mail-Konten zweier Journalisten der Harvard-Studentenzeitung "The Harvard Crimson" gehackt haben, um deren E-Mail-Verkehr mit Facebook-Kritikern einzusehen. Die "Crimson"-Redakteure arbeiteten an einer Enthüllungsgeschichte über die Entstehung des heute größten sozialen Netzwerkes mit fast 400 Millionen Mitgliedern. Zuckerberg habe sich die Passwörter zum "Crimson"-E-Mail-System verschafft, indem er fehlerhafte Logins der Redakteure auf dem Facebook-Vorgänger thefacebook.com analysierte. Die Vorwürfe beruhen auf der Erzählung eines Zuckerberg-Bekannten.

Hintergrund: Der "Silicon Alley Insider" versucht in einer Artikelsammlung, die Gründung Facebooks zu entschleiern. Was hat es mit den Vorwürfen auf sich, Facebook sei die unrechtmäßige Kopie anderer damals in Entwicklung befindlicher Harvard-Netzwerke? Welchen Anteil hatten alte Zuckerberg-Mitstreiter am derzeitigen goldenen Kalb des Internets? Die Schlammschlacht ist jedenfalls noch nicht vorbei.

Bürger sollen bei Web-Enquete mitreden

Als virtuellen 18. Teilnehmer will sich die vom Bundestag gerade - unter viel Kritik - eingesetzte Enquetekommission den deutschen Internetsurfer hinzudenken: "Das sind die Menschen im Netz, die sich aktiv beteiligen sollen", äußerte sich Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer laut Heise.de zur Surfer-Mitsprachemöglichkeit. Zwar müsse noch entschieden werden, wie dies genau geschehen solle - denkbar seien jedoch öffentliche Anhörungen im Web-TV des Bundestags, ein Wiki, der digitale Diskurs in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken.

Um sich von Kritik-Hypes nicht von der Mission abbringen zu lassen, die langfristigen Folgen des Internets für die Gesellschaft zu untersuchen, versuche man jedoch, tagesaktuelle Fragen nicht zu besprechen. "Wir dürfen nicht mehr Getriebene von Themen sein, die einfach hochpilzen, und dann versucht die Politik schnell, irgendeine Antwort darauf zu finden", sagte der netzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Konstantin von Notz, Heise.de. Das ist zwar interessant - aber erscheint angesichts der tagesaktuellen Struktur und Wirkung des Internets auch als Spielverderber-Ansage an all die Mini-Experten im Netz, die man doch angeblich in die Diskussion ziehen will: Hier reden nur Erwachsene. Denn was dem Internet fehlt, ist keine Zukunftsvision - davon gibt es reichlich -, sondern ein natürliches, konkretpolitisches Mitdenken dieses Mediums. Es geht nicht nur um die Zukunft der Gesellschaft, sondern auch um deren Gegenwart.

DRM-Server stürzen ab, Ubisoft-Kunden entnervt

Oh, Ubisoft. Erst führt das französische Unternehmen einen neuen, viel kritisierten Super-Kopierschutz ein, der dadurch wirkt, dass er Spieler ans Netz fesselt. Dann erscheint schon einen Tag später ein - in seiner Wirkung umstrittener - Crack. Und bevor das Wochenende vorbei war, schmierten dann noch die Kopierschutz-Server ab und ließen Spieler frustriert vor einer Fehlermeldung stehen: "Und dafür habe ich jetzt 45 Euro gezahlt?"

Internet Explorer 6 stirbt, Beerdigung ein großes Fest

Als vergangene Woche am 1. März 2010 der Internet Explorer 6, zerfledderter Schrecken des World Wide Webs, verstarb ( Arbeitsunfall im Google-Hauptquartier), war für die Web-Designer von Aten Design klar: Es muss eine Trauerfeier her - Betonung auf Feier. Die verlief einem Bericht der "Computerworld" nach sehr gut, Microsoft schickte sogar Blumen - zusammen mit einer Einladung zur MIX-Web-Design-Konferenz, wo Microsoft "ein Stück IE-Himmel" zeigen werde.

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insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.03.2010 von JDR: Teheran gibt Cyber-Krieg zu

Nun, es braucht nicht einmal Vorwürfe: Die IRI gibt offiziell zu, Menschenrechtswebseiten zu hacken! (http://english.farsnews.com/newstext.php?nn=8812231183) Ja, manchmal ist es ganz schön dumm, "Erfolge" offen zu [...] mehr...

09.03.2010 von gabriel_staubfein: Es lebe die Freiheit !

Sie sollen einfach freie Werbung in all diese Länder ausstrahlen, damit die Unterdrückten es endlich (wenigstens bildlich) so demokratisch haben wie wir. Das hat doch auch die DDR letzlich mürbe gemacht, der schiere [...] mehr...

08.03.2010 von Meckermann: Ubisoft

Wenns nicht so traurig wäre könnte man ja sagen: "selbst schuld wer sich beim Softwarekauf zum Sklaven macht". Mittlerweile ist echt der Punkt erreicht, wo ich bereit bin für gecrackte Spiele einen deutlichen Aufpreis [...] mehr...

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Zum Autor

Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.






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