Google greift um sich: Im Internet sind über Google geschaltete Anzeigen allgegenwärtig, auch auf dem Handy-Werbemarkt spielt der Such- und Werbekonzern eine wichtige Rolle. Nach Büro, Arbeitszimmer und Hosentasche drängt Google nun ins Wohnzimmer. Mitarbeiter testen derzeit eine neue Suchfunktion für den heimischen Fernseher, die TV-Sendungen und Online-Inhalte zusammenbringt.
Dazu hat Google eine eigene Software für Set-Top-Boxen entwickelt, berichtet das "Wall Street Journal". In Zusammenarbeit mit dem US-Satellitennetzbetreiber Dish Network testet eine kleine Anzahl von Google-Angestellten seit vergangenem Jahr die Fernsehprogrammsuche. Gesteuert wird das TV-Programm nicht länger mit der Fernbedienung, sondern per Tastatur. So werden auch online verfügbare Inhalte von Videoportalen wie Googles YouTube oder der Networks selber gefunden und abgespielt.
Dabei geht es Google natürlich, wie bei praktisch allen Produkten, um maßgeschneiderte Werbung. Im Geschäft mit Fernsehwerbung ist der Konzern seit 2007, über ein Online-Tool kann auf Werbeplätze geboten werden - auf Zielgruppen zugeschnitten, sowohl online als offline. Doch für den Erfolg des Werbeclip-Geschäfts fehlt Google bisher der direkte Zugang zu den Fernsehzuschauern. Im Test geben die eingegebenen Suchwörter, ähnlich wie bei der Internetsuche, Hinweise auf die momentanen Interessen der Zuschauer, so dass sich passgenau Werbeclips einspielen lassen.
Das versucht die Werbeindustrie bereits seit den Kindertagen des Fernsehens, indem sie Zuschauerprofile bestimmter Sender, Zeitfenster und Programme erfasst und zielgerichtet Werbung mit möglichst wenig "Streuverlust" schaltet (die sogenannte "Mediaplanung"). Der Streuverlust lässt sich aber nicht völlig vermeiden, so lange man Programm und gezeigte Werbung nicht entkoppeln kann. Das aber wird durch digitale Distribution vor allem über Kabelnetzwerke möglich: Jetzt muss man noch seinen Kunden erfassen und Zielgruppen zuordnen.
Netzbetreiber kontrollieren den Kundenzugang
Auch Google wittert bei den individuell angesprochenen Mikro-Zielgruppen ein großes Geschäft. Schließlich wird TV-Werbung so auch für kleine Unternehmen attraktiv, die nicht Tausende Dollar für die Schaltung von Werbeclips übrig haben - sondern nur Haustierfreunde in einer bestimmten Stadt ansprechen wollen. Doch die Plattform, über die ein Zusammenschluss von Kabelbetreibern in den USA maßgeschneiderte Werbung an eng definierte Zielgruppen oder sogar einzelne Haushalte ausliefern will, verzögert sich bisher aufgrund technischer Probleme.
Die Verschmelzung von Fernsehen und Internet ist bisher vor allem Sache der Kabel- und Satellitennetzbetreiber, die ihre Kunden mit Online-Videotheken, Digitalkanälen und allerlei Extras versorgen. In Deutschland sind das beispielsweise Kabel Deutschland, die Telekom oder Hansenet mit der Marke Alice. Die Unternehmen setzen dabei ihre eigene Software ein, die auf Set-Top-Boxen der Zuschauer läuft - und nichts anderes.
Das ist so gar nicht in Googles Interesse. Damit das Unternehmen Werbeclips auf den Fernseher bringen kann, braucht es den Zugang zu den Set-Top-Boxen. Das Unternehmen setze deswegen auf das Handy-Betriebssystem Android, das maßgeblich von Google entwickelt wird, als offenen Standard für die Hardware im Wohnzimmer, zitiert das "Wall Street Journal" Insider. So könnten nicht länger nur die Kabelnetzbetreiber Inhalte und Werbung liefern, sondern auch Drittanbieter.
Google versucht bereits, Hardware-Hersteller und Netzbetreiber vom Android-Betriebssystem zu überzeugen. So käme das Internet ohne weitere Geräte und Kabel ins Wohnzimmer - und damit auch Apps mit allen Vor- und Nachteilen.
ore
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