Von Matthias Kremp
Dass ortsbezogene Dienste derzeit das große Ding sind, unterstrich Foursquare am Sonntag mit einer Rekordmeldung. Insgesamt 347.000 User, so twitterte es das Unternehmen heraus, hätten sich binnen eines Tages in das System eingeloggt und ihren Standort verraten, viele davon in Austin, Texas. Das ungewöhnliche Schwarmverhalten hat allerdings einen Grund. Im mit 22 Grad Celsius winterlich kühlen Austin findet gerade das Jahrestreffen der Netz-Elite (oder jener, die sich dafür halten) statt. Jahr für Jahr lockt das Multimedia-Festival South by Southwest Interactive (SXSWi), Tausende Programmierer, Entwickler und Journalisten nach Texas.
Einer der Gründe für die Popularität des großen Multimedia-Festes dürften die parallel stattfinden Film- und Musikfestivals sein. Sie führen dazu, dass die Innenstadt von Austin eine Woche lang von einer bunten Mixtur aus Rockmusikern, Filmschaffenden und Programmierern überflutet wird, eine Mischung, die so wohl einzigartig ist und auf Partys wie der Bigg Digg Shindiggg zu einer merkwürdigen Melange aus Crowdsurfing und Strandparty-Atmosphäre führt. Kein Wunder, dass das SXSWi in den USA auch als Spring Break - die jährliche Frühlingsbesäufnis der Studenten - für Nerds bezeichnet wird.
Etliche Old- und Newcomer nutzen das Festival, um neue Ideen und neue Produkte vorzustellen - und Preise einzusammeln. Denn eine der wichtigsten Veranstaltungen im Rahmen des Festival-Programms ist stets die Verleihung der Web Awards für herausragende Web-Seiten. Und genau da lieferten sich die Ortungsdienste Foursquare und Gowalla ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide waren vor genau einem Jahr auf dem SXSWi eingeführt worden, haben in Rekordzeit Millionen Web-User begeistern können und gelten als potentielle Goldgruben der Zukunft, weil sie den Boden für ortsbezogene Online-Werbung auf Smartphones bereiten.
Insgesamt wurden 20 Preise vergeben. Den Best-of-Show-Award staubte die Antwortmaschine Wolfram Alpha ab. Und einen der Preise zu gewinnen, lohnte sich für die Web-Anbieter doppelt. Statt polierter Statuen werden in Austin nämlich nerdige Gadgets als Trophäen vergeben. In diesem Jahr waren es Thingamagoops, kleine Synthesizer, deren reichlich unkonventioneller Analogsound sich steuern lässt, indem man mit den Händen vor einer LED-Lampe herumwedelt. Ein wenig erinnert das an ein Theremin, nur ohne den schönen Aliensound.
AT&T stockt fürs SXSW sein Netz auf, Googlemail bastelt am E-Mail-Turbo und Skyhook kann in die Zukunft sehen: Lesen Sie auf den folgenden Seiten alles über die Neuheiten aus der Netz-Szene:
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