David kostete die Sache einen Zahn. Seinen Eltern brachte sie mehr als 100.000 Dollar ein.
Seit der damals Siebenjährige auf dem Rückweg vom Zahnarzt von seinem Vater zwei Minuten lang gefilmt wurde, hat sich nicht nur das Leben des kleinen David nachhaltig verändert - auch das seiner gesamten Familie.
"David after Dentist", das zweitmeistgesehene Video 2009 auf YouTube, machte den Jungen berühmt und brachte seinen Eltern eine "niedrig sechsstellige Summe ein" - das gab sein Vater jetzt bekannt.
Das Video zeigt den Jungen unter dem Einfluss offenbar starker Narkotika. Zur Entfernung eines überzähligen Zahns war David fachmännisch betäubt worden. Sein Vater hielt einen Moment fest, in dem der Sohn auf dem Rücksitz des elterlichen Autos versuchte, sich mit dem ersten massiven Drogenrausch seines Lebens anzufreunden. "Is this real life?", fragte der Siebenjährige fast philosophisch, und: "Why is this happening to me?" - "Ist das hier das echte Leben? Warum geschieht das mit mir?"
Vielleicht lag es daran, dass sich in diesen Fragen so viele andere, vermutlich etwas ältere YouTube-Nutzer wiederfanden. Oder daran, dass David nach 58 Sekunden einfach mal kurz und heftig losbrüllt wie ein wütender Löwe. Jedenfalls wurde der Clip in den ersten drei Tagen drei Millionen Mal abgespielt - nachdem der Vater ihn unvorsichtigerweise nicht nur bei Facebook, sondern später auch öffentlich bei YouTube eingestellt hatte, damit Verwandte und Bekannte ihn sich ansehen konnten.
Heute steht der Zähler bei knapp 54 Millionen. Bis heute wird der Zwei-Minuten-Clip etwa 100.000 Mal pro Tag abgerufen.
Wenn man sich "David after Dentist" heute ansieht, werden Werbebanner über das Fensterchen gelegt. Man solle bei davidafterdentist.com ein T-Shirt kaufen, heißt es da, oder bei operationsmile.org/dad Geld für die medizinische Behandlung von Kindern spenden.
Aber Familie DeVore verdient nicht nur mit T-Shirts Geld.
David und sein Vater sind in den USA zu Berühmtheiten geworden. Sie traten in Radio- und Fernsehsendungen auf, in "Today" bei NBC und in der TV-Show von Top-Model Tyra Banks. Davids Vater wagte sich auch in die Sendung des konservativen Scharfmachers Bill O'Reilly bei Fox News - der ihn dann heftig kritisierte. Reporter aus aller Herren Länder riefen an und wollten den Siebenjährigen interviewen. In einer Superbowl-Werbepause lief ein Spot, in dem verschiedene Internetberühmtheiten auftauchten, darunter auch David mit seiner Frage: "Is this real life?"
Ein Abenteuer für die ganze Familie
Natürlich gab es auch Protest und Ablehnung. Viele Menschen sind bis heute der Meinung, Davids Vater hätte das Video nie online stellen dürfen, das Kind werde von seinen Eltern rücksichtslos ausgebeutet und öffentlich zur Schau gestellt. Vater DeVore sieht das anders. Er würde alles tun, um seinen Sohn zu beschützen, sagte er CNN.com. Aber in der Zeit von Davids plötzlichem Ruhm habe es "einfach nichts gegeben, was uns hätte Sorgen machen müssen". Man habe den Jungen "in den Entscheidungsprozess einbezogen" und "bei nichts mitgemacht, das er nicht machen wollte". Das Ganze passe einfach zu David: "Wenn seine Persönlichkeit oder sein Temperament anders wären, oder wenn es ihm unangenehm gewesen wäre, dass ich das Video aufgenommen hatte, dann hätte ich es nicht gepostet." Man habe das ganze als "Familien-Abenteuer" betrachtet.
Beim Technik-Festival South by Southwest trat David vor wenigen Tagen auch auf - allerdings nur per Videobotschaft: "Ich habe Schule, wisst ihr?" Das Video habe ihm "geholfen, an eine Menge Orte zu kommen, wo ich vorher noch nie war".
Geld verdient die Familie nun auf mehreren Wegen. Von Werbeeinahmen, die im Zusammenhang mit dem YouTube-Video erwirtschaftet werden, bekommen die DeVores einen Anteil. Außerdem kassieren sie Lizenzgebühren, wenn es anderswo verwendet wird. Auf der eigenen Website gibt es neben T-Shirts auch noch "Is this real life?"-Aufkleber zu kaufen.
David helfe manchmal mit, T-Shirts versandfertig zu machen, sagte Papa DeVore CNN. "Wir haben aus unserem 15-Minuten-Ruhm ein Familienunternehmen gemacht."
Nun soll das Geld dazu dienen, eines Tages Davids Universitätsstudium zu finanzieren. 6000 Dollar hat die Familie aber auch wohltätigen Zwecken gespendet - darunter Organisationen, die sich um Zahngesundheit kümmern.
Davids Zahnarzt-Trip hat seit dem Januar 2009 eine Vielzahl von Hommagen, Mash-ups und Parodien hervorgebracht - einige der schönsten zeigt SPIEGEL ONLINE auf den folgenden Seiten:
Auf anderen Social Networks posten:
Hallo, ich mache viel Unsinn um Dinge zu bewerben, aber ich bin ein absoluter Feind von solchen Dingen, die Kinder erst willenlos machen und dann auch noch mit ihnen zu werben. Was ein Blödsinn, Kinder so zu vereinnahmen. Wir [...] mehr...
Genau meine Meinung!!! Den Schluss finde ich am Besten! Mario Barth zeigt den intelektuellen Untergang in Deutschland, wie kann nur so ein Hohlkopf Sääle füllen. Naja, "die Summe der Menschlichen Dummheit bleibt immer [...] mehr...
Haha, finde ich geil, wie sich wieder die meisten nur ereifern, mit welchem angeblichen Müll man Geld verdienen kann. Aber bitte, hatte daran noch jemand Zweifel? Das beweist das deutsche Fernsehen doch jeden Tag. Aber ich weiß [...] mehr...
es ist nun mal eine schlagzeile wenn mit einem videoauftritt eines kindes geld verdient wird und es dem kind auch tatsächlich zu gute kommt... dass ist ja wirklich eher selten... und ansonsten.... brauchen tut youtube [...] mehr...
Na wenn das Internet jetzt reich macht (was ich generell eher bezweifle), dann bitteschön. Macht mich reich und schaut euch mal meine Videos an oder verdiene ich keine 100 000€? Ich könnte sie verdammt gut gebrauchen. OK auch [...] mehr...
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