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23.03.2010
 

Netzwelt-Ticker

EU will keine Netzsperren im Acta-Abkommen

Von Felix Knoke

Netzwerkkabel: EU-Verhandlungsführer geloben Widerstand gegen NetzsperrenZur Großansicht
AP

Netzwerkkabel: EU-Verhandlungsführer geloben Widerstand gegen Netzsperren

Kritiker zeigen sich wenig beruhigt vom Versprechen der EU-Kommission, keine Netzsperren im Copyright-Abkommen Acta aufzunehmen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Computerkriminelle nutzen Werbung auf dubiosen Seiten, und ein verurteilter Kreditkarten-Hacker war Geheimdienst-Informant.

Die EU-Kommission reagiert auf die Kritik der Geheimniskrämerei um das Anti-Piraterie-Abkommen Acta und lud vergangenen Montag zu einer Interessenvertreter-Konsultation in Brüssel. Ziel war es, die Gäste über die Ziele des Acta und den Fortschritt der (geheimen) Verhandlungen zu informieren und deren "Meinung, Erwartungen und Befürchtungen" zu hören. Heise.de war vor Ort und wurde enttäuscht: "Viel erfuhren die etwa 150 angereisten Interessenvertreter nicht." Zu den Vorwürfen, dass die Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt würden, erklärte EU-Verhandlungsführer Luc Devigne, dass bei internationalen Verhandlungen nur konsensuelle Ergebnisse veröffentlicht würden.

Devigne überraschte die Anwesenden - nachzusehen in diesem Video (OGG-Datei, 81 MB) - dann aber doch noch mit einer definitiven Aussage: Die EU arbeite mit Acta nicht an der Einführung einer europaweiten Three-Strikes-Regelung zur Disziplinierung von Wiederholungs-Filesharern und habe diesbezügliche Anträge auch nie erhalten: "Wenn dieser Vorschlag auf den Tisch käme, würden wir ihn ablehnen."

Einer Darstellung, die Jurist Michael Geist in seinem Blog widerspricht: In einem Acta-Dokument, welches das " Digitale Linke"-Blog der Partei Die Linke veröffentlichte, wurde eben dieser Diskussionsbedarf behandelt. Und auch die Kritiker der französischen Bürgerrechtsbewegung La Quadrature du Net misstrauen der Darstellung der EU-Position hinsichtlich Three-Strike-Regelungen. So könnte das Acta eine Three-Strikes-Regelung immer noch durch die Hintertür ermöglichen - durch die geforderten erweiterten gesetzlichen Haftungsregelungen im Zuge einer freiwilligen Selbstkontrolle der Provider und Inhalteanbieter.

Malvertisement: Malware per Onlinewerbung

Manche Online-Werbedienstleister verbreiten von Computerkriminellen manipulierte Anzeigen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der tschechischen Antivirus-Firma Avast. Dieses "Malvertisement" (von: Malware & Advertisement) nutzen Cracker, um ihre Schadprogramme wie in einem Trojanischen Pferd auf so viele PCs wie möglich zu schleusen: "Betroffen sind alle wichtigen Werbedienstleister."

Avast hat sich eine diesbezüglich besonders erfolgreiche Malware angeschaut: JS:Prontexi. Die sei mit herkömmlichen Virenfiltern nur schwer aufzuspüren und stelle eine "große Warnung" nicht nur für Antivirus-Unternehmen dar. "Werbedienstleister sollten die Inhalte, die sie verbreiten, besser prüfen."

Windows-Browserwahl: Interpretationsmöglichkeiten

Ist die Windows-Browserwahl, die Microsoft zur Abwehr einer Kartellstrafe ins neue Betriebssystem einbauen musste, nun ein wahrer Segen für Hersteller alternativer Browser oder nicht? Darüber streiten Blogs nun ein wenig. Die einen sagen, der Internet Explorer verliere rasant an Marktanteilen in Europa.


Die anderen erwidern, die dieser Aussage zugrunde liegenden Zahlen seien trügerisch: Wer am Wochenende sucht - an dem sich Scharen von Surfern von ihren Büro-PCs mit Zwangs-IE verabschieden - wird immer IE-Verluste finden. Oder um es klar zu sagen: All die Internet Explorer-Versionen führen immer noch die Browsercharts an, an zweiter Stelle steht Firefox - und dann kommt lange, lange nichts. Mitzuverfolgen live am StatCounter.


Verurteilter Kreditkarten-Hacker war Geheimdienst-Informant

Eine der größten amerikanischen Kreditkarten-Betrügereien weitet sich vom Hacker-Coup zum Agenten-Thriller: Ein wegen massenhaftem Kreditkartenbetrug verurteilter Hacker wurde von seinem Komplizen als Informant des amerikanischen Secret Service enttarnt.

Albert G. habe jährlich 75.000 Dollar für Informationen über Bankkarten-Diebe erhalten - bis er selbst als Haupttäter einer millionenschweren Kartenbetrugs aufflog. Der Secret Service wollte dem Magazin "Wired" diese Geschichte nicht kommentieren. G. hatte sich in Bezahlsysteme mehrerer großer Einzelhandelsunternehmen gehackt, in einem Fall 130, in einem anderen etwa 45 Millionen Kreditkartendaten ausgespäht und für eigene Einkäufe missbraucht.

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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
26.03.2010 von katanga1: Ooops das ACTA - Abkommen hat ein Leck

Bisher war das ACTA - Abkommen streng geheim und nicht öffentlich zugänglich. Das ist seit heute nicht mehr so. Hier der Link zum Download: http://thepiratebay.org/torrent/5425059/ Es wird Zeit zu handeln. mehr...

24.03.2010 von tylerdurdenvolland: ..

Die Konzerne bestimmen mit der Macht ihres Geldes weltweit alle Landespolitik. Nur ein Narr kann hoffen, dass dies ausgerechnet in Europa nicht so sein sollte. Man muss sich die Herrschaften die dort sitzen doch nur mal [...] mehr...

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Zum Autor

Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Acta: Die wichtigsten Fragen zum Copyright-Pakt

Sind die Verhandlungen geheim?

Dass verhandelt wird, teilen die beteiligten Parteien gerne mit. Was verhandelt wird, nicht. Die Bundesregierung verweist auf die Web-Seite der Europäische Kommission, die über den Fortgang der Verhandlungen informiert. Auf dieser Webseite steht dann allerdings auch: "Es gibt keinen Acta-Text, weil die Verhandlungen andauern. Der Prozess ist in einem frühen Stadium, und die meisten alarmistischen Ideen, die im Web oder der Presse zirkulieren, sind Spekulationen, die die wahre Natur der Acta-Verhandlungen nicht widerspiegeln."

Betrifft das Acta deutsche Internetnutzer?

Um welche Internetkontrollen geht es?

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