Frankfurt/Main - Das Internet bietet eine unerschöpfliche Fülle von Informationen - auch zu medizinischen Themen. Aber Patienten drohen in der unsortierten Datenflut zu ertrinken: Viele können seriöse kaum von unseriösen Informationen unterscheiden und gute Auskünfte oft nur schwer interpretieren, wie Mediziner der amerikanischen Universität Harvard mahnen. Insbesondere Hypochonder sollten beim Surfen im Netz vorsichtig sein.
"Nichts hat die ärztliche Praxis grundlegender verändert als das Internet", schreiben Pamela Hartzband und Jerome Groopman im "New England Journal of Medicine" (Vol. 362, Issue 11). Früher habe die medizinische Information ganz in der Hand des Arztes gelegen, nun hätten auch Patienten Zugang zu einer Fülle von Informationen über alle möglichen Krankheiten und Beschwerden.
Welch verheerende Wirkung diese Datenschwemme haben kann, beschreiben die Mediziner am Beispiel eines Bekannten, der an Rückenschmerzen litt. Nach ausgiebiger Recherche im Internet gelangte der zu Hypochondrie neigende Mann zu der festen Überzeugung, hinter seinen Beschwerden stecke ein lebensbedrohliches Aneurysma der Hauptschlagader. Nachdem er sich eine Woche lang voller Sorge ausgiebig beobachtet und befühlt hatte, raffte er sich schließlich dazu auf, einen Arzt zu konsultieren. Der gab schon nach kurzer Untersuchung Entwarnung, woraufhin auch der Rückenschmerz verschwand.
"Informationen werden als Tatsachen wahrgenommen, nur weil sie auf einem Computermonitor stehen", schreiben Hartzband und Groopman. "Manchmal sehen wir uns in der unangenehmen Situation, verzweifelte sensible Patienten davon zu überzeugen, dass sie falschen Angaben aufgesessen sind."
Auch dass Patienten Resultate ihrer Untersuchungen häufig per Internet oder E-Mail erfahren, mag zwar bequem sein und ihnen lästige Anrufe oder Besuche beim Arzt ersparen. Aber mitunter kann die Interpretation der Befunde heillose Verwirrung stiften oder sogar Panik auslösen.
"Die Wirkung der durch das Internet übermittelten Informationen lässt sich unmöglich beurteilen", betonen die Mediziner. "Wir können weder die Mimik sehen noch Tränen oder fragende Blicke." Daher gebe es zum persönlichen Gespräch zwischen Mediziner und Patient keine Alternative, schreiben sie: "Ärzte bieten die besten Voraussetzungen, Informationen abzuwägen und Patienten Rat zu geben."
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Walter Willems, APN
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