ThemaInternetnutzungRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
26.03.2010
 

Web-Nebenwirkungen

Surfen macht Hypochonder hysterisch

Der Arzt mag noch suchen, der Patient weiß längst Bescheid: Die Diagnose liefert das WebZur Großansicht
dapd

Der Arzt mag noch suchen, der Patient weiß längst Bescheid: Die Diagnose liefert das Web

Wer in eine Suchmaschine Stichworte wie "Fieber", "Kopfschmerz" und "Ausschlag" eingibt, findet schnell heraus, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat: Ärzte können ein Lied singen von Web-affinen Nutzern, die sich ihre Diagnosen selbst stellen. Richtig problematisch ist das bei Hypochondern.

Frankfurt/Main - Das Internet bietet eine unerschöpfliche Fülle von Informationen - auch zu medizinischen Themen. Aber Patienten drohen in der unsortierten Datenflut zu ertrinken: Viele können seriöse kaum von unseriösen Informationen unterscheiden und gute Auskünfte oft nur schwer interpretieren, wie Mediziner der amerikanischen Universität Harvard mahnen. Insbesondere Hypochonder sollten beim Surfen im Netz vorsichtig sein.

"Nichts hat die ärztliche Praxis grundlegender verändert als das Internet", schreiben Pamela Hartzband und Jerome Groopman im "New England Journal of Medicine" (Vol. 362, Issue 11). Früher habe die medizinische Information ganz in der Hand des Arztes gelegen, nun hätten auch Patienten Zugang zu einer Fülle von Informationen über alle möglichen Krankheiten und Beschwerden.

Welch verheerende Wirkung diese Datenschwemme haben kann, beschreiben die Mediziner am Beispiel eines Bekannten, der an Rückenschmerzen litt. Nach ausgiebiger Recherche im Internet gelangte der zu Hypochondrie neigende Mann zu der festen Überzeugung, hinter seinen Beschwerden stecke ein lebensbedrohliches Aneurysma der Hauptschlagader. Nachdem er sich eine Woche lang voller Sorge ausgiebig beobachtet und befühlt hatte, raffte er sich schließlich dazu auf, einen Arzt zu konsultieren. Der gab schon nach kurzer Untersuchung Entwarnung, woraufhin auch der Rückenschmerz verschwand.

Das Web: Eine Angst-Maschine?

"Informationen werden als Tatsachen wahrgenommen, nur weil sie auf einem Computermonitor stehen", schreiben Hartzband und Groopman. "Manchmal sehen wir uns in der unangenehmen Situation, verzweifelte sensible Patienten davon zu überzeugen, dass sie falschen Angaben aufgesessen sind."

Auch dass Patienten Resultate ihrer Untersuchungen häufig per Internet oder E-Mail erfahren, mag zwar bequem sein und ihnen lästige Anrufe oder Besuche beim Arzt ersparen. Aber mitunter kann die Interpretation der Befunde heillose Verwirrung stiften oder sogar Panik auslösen.

"Die Wirkung der durch das Internet übermittelten Informationen lässt sich unmöglich beurteilen", betonen die Mediziner. "Wir können weder die Mimik sehen noch Tränen oder fragende Blicke." Daher gebe es zum persönlichen Gespräch zwischen Mediziner und Patient keine Alternative, schreiben sie: "Ärzte bieten die besten Voraussetzungen, Informationen abzuwägen und Patienten Rat zu geben."

Mehr zum Thema Cyberchondrie: Begriff, Studien, Erkenntnisse.

Walter Willems, APN

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Internetnutzung

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen

Mehr auf SPIEGEL ONLINE







TOP



TOP