Von Frank Patalong
Er sieht allerdings auch noch andere Möglichkeiten: Anstelle großer Mäzene könnten viele kleine zum Bestand beitragen. Dass dies funktioniert, zeigt etwa die unabhängige TV- und Web-TV-Produktion "Democracy Now", die seit 1996 fast ausschließlich durch Spenden von Zuschauern finanziert wird. Andere Beispiele sind die Nonprofit-Newsfirmen Texas Tribune, Voice of San Diego oder MinnPost - alle haben sich der Aufgabe verschrieben, kritischen Journalismus in die Regionalberichterstattung zurück zu bringen.
Ohne Stiftungen aber funktioniert das bisher nicht. Alle genannten News-Outlets haben Spendengelder im Rücken. Auch das Projekt Spot.us, wo Journalisten direkt um Leserspenden für ihre Recherchen werben, wird in Wahrheit von zwei Stiftungen finanziert. Eine davon, die Knight Foundation, gehört auch zu den Finanziers von ProPublica, Texas Herald und MinnPost.
Ist das Modell Mikro-Mäzenatentum also zum Scheitern verurteilt, geht es nicht ohne Groß-Geber? Nein, meint Peter Sunde, Mitbegründer des BitTorrent-Verzeichnisses Pirate Bay. Viele Ansätze seien bisher nur daran gescheitert, dass es kein Abrechnungssystem für Micropayments gibt, an dem der Adressat der Überweisung verdient und nicht der Dienstleister.
Zahlung als Belohnung für erbrachte Leistung
Sundes neuestes Projekt Flattr soll das ändern: Wie bei Facebook mit dem "I like"-Button soll der Flattr-Nutzer den Anbieter eines Inhaltes, der Gefallen fand, per Klick belohnen. Der Nutzer zahlt eine monatliche Pauschale ab zwei Euro, die am Monatsende dann gleichmäßig auf alle von ihm "geflattrten" Seiten aufgeteilt wird. So kämen die Urheber zu Kleinsummen, die sich zu anständigen Beträgen summierten.
Was es jetzt noch brauche, um daraus eventuell ein neues Refinanzierungsmodell für Inhalte zu generieren, ist vor allem eines, machte Sunde im Interview mit dctp klar: Millionen zahlende Nutzer. Sunde glaubt fest, dass viele Netznutzer prinzipiell bereit dazu wären, "ihre" Webseiten, "ihre" Medien zu unterstützen. Das Beste an seinem Modell sei zudem, dass jeder Nutzer so viele Flattr-Überweisungen tätigen könne, wie er wolle, ohne dass dies die Kosten für ihn erhöhe. Der Flattr-Kuchen des Nutzers wird dann einfach in kleinere Stücke geschnitten und verteilt.
Für journalistische Großprojekte wie das von Sheri Fink begännen da schon wieder die Probleme: Wirklich aufwendiger Journalismus ist so teuer, dass er mit kleinen Spenden finanziert wohl unbezahlbar bliebe. Schwarm-Payments belohnen bereits erbrachte Leistungen, sie ermöglichen sie aber nicht.
Denkbar wäre Sundes Modell dagegen als ergänzendes Refinanzierungsmodell für Online-Medien: Der Leser würde zum Mäzen seines Mediums, das sich dessen Zuwendung erarbeiten und verdienen müsste. Singuläre Ansätze, meint John Thornton, Chef des Texas Tribune, funktionierten eh nicht mehr, die alten Rezepte hätten ausgedient. Wer integeren Journalismus weiterhin finanzieren wolle, müsse Geld "überall und oft" kassieren, ohne Scheu aus allen denkbaren Quellen. Der Nonprofit-Verleger hat diese Erkenntnis auf einem Kongress am Dienstag in eine höchst griffige Formel gegossen:
Was Medienmacher heute brauchten, so Thornton, sei "Umsatz-Promiskuität".
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So ist das eben. Da Qualitätsjournalismus zuerst auf der Strecke geblieben ist, muss sich nun keiner mehr über den Auflagenschwund und die daraus entstandenen Folgen wundern. Man könnte ja mal versuchen wieder Qualität zu [...] mehr...
Vieles aus diesem Artikel lässt sich auf die Musikwelt übertragen. Das Internet macht für die Refinanzierung von Schaffenden Geschäftsmodelle möglich und erforderlich, bei denen die Nutzer kollektiv und freiwillig den [...] mehr...
Die Medien könnten sich selbst aus dieser Misere befreien. Man sollte einfach wieder etwas kritischer werden und gewisse Dinge hinterfragen. Ich persönlich bin ein leidenschaftlicher Stammleser der "Rheinischen Post". [...] mehr...
---Zitat--- Problematisch ist es eher, wenn solche Investments nur aus Profitgründen geschehen und die Finanziers inhaltlich eigentlich keine Interessen vertreten - und damit auch keine qualitativen Orientierungen. [...] mehr...
Lustig, ihr (SPON) stellt das fest, wohin ihr euch doch selbst katapultiert habt. Vor Jahren wollte jeder schnell ins Internet, allen voran die Printmedien. Jetzt, wo der Zeitungsverkauf zusammenbricht, stellt man fest, dass [...] mehr...
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