ThemaNetztickerRSS

Alle Kolumnen

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
22.04.2010
 

Netzwelt-Ticker

Krempelt Apple den Chipmarkt um?

Von Felix Knoke

Gerüchten zufolge wird Apple den Chiphersteller ARM aufkaufen - was den Markt ordentlich umrühren könnte, meinen Experten. Außerdem im Überblick: Adobe verabschiedet sich vom Kapitel Apple und Flash und erntet Spott, Rechteinhaber begründen Löschung von "Untergang"-Parodien bei YouTube.

Der "London Evening Standard" berichtet von Gerüchten, wonach Apple den Chiphersteller ARM kaufen will. Apple sei ARMs größter Kunde, schreibt Rosamund Urwin, und es sei deshalb kein Wunder, wenn Apple das Chipdesign selbst in die Hand nehmen wolle. Doch schwerer dürfte wiegen, was der angeblich geplante Kauf für andere Computer- und Elektronikhersteller bedeutet: In praktisch allen mobilen Computern, die kleiner als ein Netbook sind, stecken ARM-Chips - darunter Nokias Geräte, Blackberries, Microsoft Handys, Android-Mobiles von Motorola und HTC, viele Router, Festplatten, Autos, Sonys PSP und der NintendoDS, zählt 9to5mac.com auf. Und schließt daraus: Wenn Apple ARM kaufe, würde das die Technologieindustrie als Ganzes tiefgreifend umwälzen.

Seit Bekanntwerden der Gerüchte sprang der Kurs der ARM-Aktie in die Höhe. Analysten rechnen damit, dass die in Cambridge ansässige Firma etwa sechs Milliarden Euro wert wäre - das könnte Apple aus der Portokasse bezahlen, die dank iPod-, iPhone- und iPad-Erfolg mit rund 30 Milliarden Euro prallvoll sei. Auf lange Sicht würde sich das nicht nur wegen hinzugewonnener Marktmacht und Know-how-Zuwachs auszahlen, sondern auch in Form von Einsparungen beim Chipkauf. Aber über eines sind sich die Experten auch einig: Sollte der Deal tatsächlich einmal anstehen, werden die Kartellbehörden noch ein Wort mitzureden haben.

Google kauft Chiphersteller Agnilux

Und noch ein Branchenriese verleibt sich einen Chiphersteller ein. Und diesmal ist das kein Gerücht, wie ein Konzernsprecher der Reuters-Investmentseite PEHub.com bestätigt: Google kauft die fast unbekannte Firma Agnilux. Agnilux wurde von Ingenieuren und Ingenieurinnen gegründet, die den Chiphersteller P.A. Semi verließen, nachdem der von Apple aufgekauft wurde. P.A. Semi stellte etwa Chips für Apples iPad her.

Lässt sich daraus ein Google-Interesse an Mobil-Technologie ableiten? Eher nicht, die Spekulationen gehen eher in Richtung Serverbau. So will die "New York Times" erfahren haben, dass Agnilux an einem Server arbeitet. Vielleicht sollen mit Agnilux-Wissen ja spezialisierte, energiesparsame und wartungsarme Server entwickelt werden. Denn Server, das beweisen die riesigen Google-Rechenzentren, braucht Google fast unbegrenzt. 2006 wurde allein Googles weltweiter Serverpark auf etwa 450.000 Geräte geschätzt. Die Firma hat kürzlich erfolgreich eine Lizenz beantragt, zur Versorgung der Serverparks eigene Kraftwerke bauen und betreiben zu dürfen.

Adobe schließt Apple-Flash-Kapitel, Apple höhnt

Apple, so schreibt Computerworld, scheint nicht gerade am Boden zerstört zu sein, nachdem Softwarehersteller Adobe ankündigte, die Entwicklung des Flash-auf-iPhone-Konverters einzustellen. Hintergrund: Apple sperrt sich gegen Adobes Flash, will die Web-Animationssoftware nicht auf dem iPhone und iPad.

Adobe hat nach langem Ringen und einer kleinen Schlammschlacht das Handtuch geworfen und sich zuletzt darüber beschwert, dass Apple "nicht offener" sei. Ein Vorwurf, den Apple höhnisch zurückweist. Zu CNET News sagte eine Apple-Sprecherin am Mittwoch: "Da verdreht einer die Welt: HTML 5, CSS, JavaScript und H.264 (alle von iPhone und iPad unterstützt) sind offen und Standard, während Adobes Flash geschlossen und proprietär ist."

Betanews schaut sich die aktuellen Entwicklungen um Apple-vs-Adobe etwas genauer an.

Produktionsfirma nennt Gründe für Löschung von Hitler-Parodien

Die Diskussion um die Entfernung von "Der Untergang"-Parodien bei YouTube geht weiter: Seit Jahren hatte es eine ganze Flut von Parodien gegeben, in der die immer gleiche Szene aus "Der Untergang" genutzt wurde. In der sieht und hört man einen hysterisch geifernden Hitler - gespielt von Bruno Ganz -, bekommt aber in englischen Untertiteln jeweils völlig andere Texte serviert. Diese Kombination - gefürchteter Massenmörder salbadert über Trivialitäten - fanden Hunderttausende witzig, die Hitler-Parodien hatten sich zu einem regelrechten Hype entwickelt. Bis YouTube auf Betreiben der Rechteinhaber des Films in dieser Woche den Stecker zog und alle Parodien löschte.

Jetzt meldet sich die Filmverleih und Produktionsgesellschaft Constantin Film (die am Dienstag SPIEGEL ONLINE noch ein Statement verweigerte) zu Wort. Der AP sagte das Unternehmen, dass es schon seit Jahren Urheberrechtsverletzungen verfolge, dass es aber bei den Untergang-Parodien auch um etwas anderes gehe: Respekt vor den Opfern des sogenannten "Dritten Reiches":"Wo hört Parodie auf? Das ist ein komplexes Problem."

Auch jüdische Organisationen hatten schon angezweifelt, ob die Clips mit gutem Geschmack zu vereinbaren seien. So beispielweise Abraham Foxman, Direktor der Anti-Defamation League - eine Organisation, die gegen die Diskriminierung von Juden eintritt. Seine Organisation sei "erfreut" über die Löschung. "Wir finden sie anstößig", sagte Foxman zu den Videos: "Wir finden, sie trivialisieren nicht nur den Holocaust, sondern auch den Zweiten Weltkrieg. Hitler ist keine Comicfigur."

"Wir machen es uns deswegen einfach", sagte ein Constantin-Sprecher, "und löschen einfach alles. Wir machen das schon seit Jahren so. Uns ist wichtig, unser Urheberrecht zu schützen. Wir sind sehr stolz auf den Film."

Animationsfilm: Verfolgungsjagd auf Google Earth

Irgendwo zwischen echter Welt, Miniaturwunderland und Computerspiel findet diese Verfolgungsjagd in Googles Digitalatlas Google Earth statt.

Weitere Meldungen

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.04.2010 von SirTurbo: Aktion automatische Überschrift

Wäre schade um ARM aber nicht tragisch... Nokia arbeitet bei Meego ja eh mit Intel zusammen und Intel will im Mobilmarkt seinen Teil abknabbern - denke mal da wüsste ich einen grossen Chipdesigner (+Produzenten) der die [...] mehr...

23.04.2010 von knaxknarke: ARM ist kein Chiphersteller...

ARM ist kein Chiphersteller, sie stellen nämlich keine Chips her. ARM ist sowenig Chiphersteller, wie ein Architekturbüro eine Baufirma ist oder ein ein Modestudio eine Kleiderfabrik. ARM entwirft RISC CPU Kerne und passende [...] mehr...

23.04.2010 von frank_lloyd_right: Vielleicht kann Äppel

für einige Spezialprodukte spezielle Prozessoren nutzen - na und ? Es kam ja nicht von ungefähr, das sie vor Jahren auf Intelprozessoren für ihre richtigen Computer umgestiegen sind. Von Umkrempeln kann also keine Rede sein, [...] mehr...

23.04.2010 von lassehoffe: Wieso Kartellrecht?

Apple hätte keine Marktbeherrschende Stellung auf dem CHip-Markt. Da wird das Kartelrecht (welches? Das internationale?) auch nichts dran ändern. mehr...

23.04.2010 von chu84k4: Dagegen!

Kann man nur hoffen - für alle anderen außer Apple. Damit hätte Apple den Daumen auf den Konkurrenzprodukten und würde das eigene Produkt bevorzugen. Ich sehe das sehr skeptisch. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Netzticker

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen

Zum Autor

Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.






TOP



TOP