Von Carolin Neumann
Adobe wirft mit Wattebäuschchen nach Steve Jobs: Als Antwort auf dessen zunehmend aggressive Breitseiten gegen die Flash-Technologie nimmt das Software-Unternehmen jetzt einen großen Batzen Geld in die Hand und schaltet Pro-Flash-Werbung. "Was wir nicht mögen ist, wenn euch jemand die Freiheit nimmt, selbst zu wählen, was ihr erschafft und wie", heißt es in der Kampagne, die schön plakativ unter einem "We love Apple"-Logo für Wahlfreiheit im Web plädiert.
Seit Donnerstag prangt das herzige Logo in zahlreichen US-Medien von der "New York Times" bis zu Wired.com, ein Klick führt zur Adobe-Website, wo Offenheit als "der einzige Weg vorwärts" erklärt wird.
Ein Gesicht bekommt der Adobe-Protest dann auch noch, zwei sogar: Die Unternehmensgründer Chuck Geschke und John Warnock warnen in einem offenen Brief davor, Inhalte und Applikationen technisch auszuschließen. "Einige Firmen mögen dadurch aufblühen - aber ihr Erfolg kommt auf Kosten der Kreativität und Innovation, die das Internet zu einer revolutionären Kraft gemacht haben." Steve Jobs dürfte mit solch diplomatischer Vorsicht wohl nicht beizukommen sein.
Ärgerlicher für Jobs ist da schon die Ankündigung des amerikanischen Video-Streaming-Riesen Hulu.com, Flash bis auf weiteres treu bleiben zu wollen und vorerst keine HTML5-Version etwa für das iPad zu entwickeln. Die Alternative HTML5 könne zurzeit noch nicht all die Bedürfnisse der Nutzer befriedigen, schreibt Eugene Wei, Vice President of Product im Hulu-Blog.
Wikipedia geht in die Usability-Offensive
Nach einer Testphase mit mehr als einer halben Million Tester präsentiert sich Wikipedia offiziell im neuen Gewand, zunächst allerdings nur in der englischsprachigen Fassung, die anderen Länder sollen in den kommenden Wochen folgen. Laut der Wikimedia Stiftung verspricht die Neuauflage außer einem optisch simpleren Layout eine deutliche Verbesserung der Usability, insbesondere beim Editieren von Beiträgen.
Phishing-Rekord bei Facebook
Eine aktuelle Studie des Sicherheitsunternehmens Kaspersky untermauert Phishing-Bedenken für Facebook jetzt auch mit Zahlen: Das soziale Netzwerk war demnach im ersten Quartal 2010 das viertbeliebteste Ausspähziel nach PayPal, Ebay und der Bank HSBC. 5,7 Prozent aller Attacken spielen sich dort neuerdings ab - Accounts werden gekapert, um etwa falsche Empfehlungen für Spiele oder Aufrufe zur Profilaktualisierung an die Freunde zu schicken und deren E-Mail-Adressen und Passwörter dann abzufangen. Kaspersky zufolge ist es das erste Mal überhaupt, dass ein soziales Netzwerk so weit oben in der Statistik auftaucht.
Um das Problem einzudämmen, hat Facebook sich was einfallen lassen. So kann sich der Nutzer ab sofort benachrichtigen lassen, sobald sein Account von einem bisher nicht genutzten Gerät angesurft wird. Facebook will zudem bei verdächtigen Log-ins auch gelegentlich die Identität per Sicherheitsfrage prüfen. Es ist ein kleiner Schritt zu mehr Sicherheit, der aber nicht vergessen lässt, dass Facebook ansonsten gerade nicht sonderlich am Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer interessiert zu sein scheint.
LimeWire nach Urheberrechtsurteil vor dem Aus
Auf der Zeit gefallen: Nach einem Urteil von 2005, das Peer-to-Peer-Tauschbörsen für Urheberrechtsverletzungen haftbar machte, blieb LimeWire anders als zahlreiche Konkurrenten im Geschäft. Jetzt droht mit reichlich Verspätung ebenfalls der Untergang, aus denselben Gründen: Ein US-Gericht hat einer Klage von 13 Musiklabels stattgegeben und selbst Unternehmensgründer und CEO Mark Gorton für persönlich haftbar erklärt. Der P2P-Client werde gezielt an Nutzer vermarktet, die für ihre Urheberrechtsverletzungen bekannt seien, heißt es im Urteil. LimeWire profitiere nicht nur finanziell von den Rechtsverstößen, sondern baue sein Geschäft darauf auf. Der Entscheidung dürften kostspielige Klagen folgen, die dann wohl das Ende für die letzte große der frühen P2P-Börsen bedeuten werden.
Auch das noch:
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH