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19.05.2010
 

Google-Debatte

Der Furor der Schwarz-Weiß-Maler

Von Konrad Lischka

Street-View-Auto (2008 in Berlin): Datenschützer wollen die W-Lan-Mitschnitte einsehenZur Großansicht
ddp

Street-View-Auto (2008 in Berlin): Datenschützer wollen die W-Lan-Mitschnitte einsehen

Ausspähskandal oder lässliche Panne? Die Debatte um Googles Mitschnitte aus Funknetzwerken und die Lasererfassung von Hausfassaden verläuft nach dem Freund-Feind-Schema: Die einen schimpfen über den Datenkraken, die anderen über die Fortschrittsfeinde - und beide Seiten argumentieren am Thema vorbei.

Wer die erbosten Meinungsäußerungen im Streit um Googles digitale Deutschlandkarte liest, muss "FAZ"-Mitherausgeber Frank Schirrmacher Recht geben: Es scheint, als könne das Bewusstsein mancher Informationsverarbeiter nicht mithalten mit der schieren Menge an Neuigkeiten. Da fordert ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums in der " Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" markig "Aufklärung" von Google über das Straßenfoto-Vorhaben: "Wir wollen nun genau wissen, welche Instrumente hier wofür im Einsatz sind."

Hintergrund dieser Wutbekundung: Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, Google scanne die Fassaden der Häuser zusätzlich mit einem Laser, um sie räumlich darstellen zu können. Das provoziert neuen Ärger, wenige Tage, nachdem Google zugeben musste, Datenverkehr aus ungesicherten Funknetzwerken mitgeschnitten zu haben. Die Lasermeldung kommentierte der Ministeriumssprecher mit der Feststellung, es zeige sich einmal mehr, dass "niemand genau wisse, welche Daten Google noch erhebe".

Das passt gut ins Bild vom Datenkraken Google, der hortet, schnüffelt, monopolisiert und mehr Geld im Internet verdient als alle deutschen Verlage zusammen. Aber es stimmt nicht. Dass Google mit Lasern Gebäude scannt, wusste jeder genau, der in den vergangen Jahren die "taz", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", SPIEGEL ONLINE oder ein Google-Unternehmensblog gelesen hat. Zum Beispiel die Artikel mit diesen Informationen:

  • "Der Beginn wird mit San Francisco gemacht. Dazu sollen Trucks, bestückt mit Lasern und Digitalkameras, jede einzelne Straße der Stadt abfahren und mit Hilfe der Laser die Dimensionen aller Gebäude vermessen." ( SPIEGEL ONLINE, 9.6.2005)
  • "In Italien und Spanien waren die Google-Fahrzeuge bereits unterwegs, auch in Frankreich waren die mit Laser-Scannern ausgestatteten Vehikel schon zu sehen." (" taz", 26.05.2008)
  • "Mit Autos, auf deren Dächern Kameras angebracht sind, fahren Google-Mitarbeiter seit vier Jahren umher; Laser vermessen die Dimensionen, die Kameras machen dreißig Bilder pro Sekunde, aus denen das digitale Panorama erwächst, das jeder im Internet ansehen kann." (" Frankfurter Allgemeine Zeitung", 26.2.2010)

Dass Google diese Daten sammelt, weiß also nur derjenige nicht "genau", der auf eine Recherche verzichtet. Vielleicht liegt das am Schirrmacher-Syndrom, vielleicht aber auch an dem seit Monaten gepflegten Google-Reflex: Jede Ankündigung, Panne oder Produktvorstellung des Unternehmens wird in der Debatte in ein klares Raster eingeordnet. Böse oder gut.

Viel Wut, wenig Fakten

Eine differenzierte Einschätzung zieht den Zorn beider Fraktionen auf sich. Das hat die Berichterstattung zur Datenpanne des Konzerns gezeigt. Am vergangenen Freitag gab Google zu, jahrelang in den Street-View-Fahrzeugen Fragmente aus dem Datenverkehr ungesicherter Funknetze mitgeschnitten zu haben. Den Artikel auf SPIEGEL ONLINE dazu kritisierten Freunde und Feinde Googles in E-Mails gleichermaßen empört.

Nun hat die Staatsanwaltschaft in Hamburg nach einer Anzeige Ermittlungen aufgenommen. Und das Geschrei geht wieder los, manche Kommentatoren sehen die Aufnahme von Ermittlungen als Beleg für "kriminelle Machenschaften", die eine Nachrichtenagentur Google unterstellte.

In dieser Hysterie ist die Einschätzung des Hamburger Oberstaatsanwalts Wilhelm Möllers eine wohltuende Ausnahme. Er kommentiert die Lage so: "Wir sind so früh im Fall, dass wir den Anfangsverdacht überhaupt erst verfestigen müssen." Eine feste Meinung zu etwas zu haben und sie auf jedes neue Ereignis lautstark anzuwenden, bringt nie einen Erkenntnisgewinn.

Empörung bringt selten Erkenntnisgewinn

Abseits des Freund-Feind-Schemas hat der Berliner Informatiker Kristian Köhntopp Googles Funknetz-Datenpanne nach einer langen Analyse so zusammengefasst: Die von Google zur Erfassung der W-Lan-Daten eingesetzte Software folge "der Struktur, die die Technik und der W-Lan-Standard der IEEE vorgeben". Das gewählte Vorgehen sei darum logisch und vernünftig, aber zu Googles Pech "in Deutschland illegal".

Köhntopp: "Die Erklärungen, die Google für das Entstehen des Fehlers gegeben hat, sind im Kontext der Standards und im Vergleich mit anderer Software, die ähnliches leistet, konsistent und schlüssig. Der Fehler, der zu dem Problem geführt hat, ist naheliegend."

So etwas schreibt ein Informatiker an einem halben Tag. Politiker haben wissenschaftliche Mitarbeiter, die sich tage- und wochenlang mit solchen Fragen beschäftigen könnten. Und doch fällt Amtsträgern von der CSU-Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner bis zum grünen Justizsenator Hamburgs Till Steffen seit Monaten zum Thema Datenschutz und Internet nichts anderes ein, als immer wieder zu betonen, wie gefährlich die Unternehmen Google und Facebook sind.

Darum können sich die Datenschutzbeauftragen sehr gut alleine kümmern.

Für die Politik gibt es viel grundsätzlichere Probleme: Das Datenschutzrecht in Deutschland ist auf Internetgeschäftsmodelle wie soziale Netzwerke nur schwer zu übertragen. Die meisten Paragrafen wurden formuliert, als man unter einem sozialen Netzwerk die Eckkneipe verstanden hat. Es wäre an der Zeit, die Vorteile und Nachteile, die Chancen und Risiken neuer Technik abzuwägen und zu überlegen, welche Regeln da in Deutschland gelten sollen.

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insgesamt 1160 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.08.2010 von timi_moon: --

"Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der [...] mehr...

17.08.2010 von dale_gribble:

Sehen Sie: Das ist fuer mich der "springende Punkt". Was ist daran so toll und brauchbar, dass es die komplette Abfotographierung und Speicherung des öffentlichen Raumes DURCH EINE US-FIRMA rechtfertigen würde? Die [...] mehr...

17.08.2010 von reflexxion: warum landet man im aktuellen Beitrag dazu woanders?

Ich habe eben das hier gelesen: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,712232,00.html im Forum landet man dazu aber in einem anderen Thread, der Google allgemein betrifft. Ich willd as jetzt nicht noch mal hier rein [...] mehr...

17.08.2010 von malte71:

Ist auch ein interessanter Punkt: Beim Telefonbuch steht es mir selbstverständlich frei zu entscheiden, dass ich nicht drin stehen möchte. Bei Streetview hingegen will man mich hineinzwingen. Wie die juristische Lage genau [...] mehr...

17.08.2010 von KPunkt:

Ich wüsste da mehrere Gründe. Führend wäre für mich, daß es verdammt lange dauern könnte, in einer Großstadt den Herrn A.Schmidt alleine durch eine Reihe von Anrufen zu identifizieren: "Entschuldigung, sind Sie der Herr [...] mehr...

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W-Lan-Verschlüsselung

Warum verschlüsseln?

Da die Reichweite eines W-Lan-Netzes meist über den Bereich der eigenen Wohnung hinausgeht, ist eine Sicherung des drahtlosen Internetzugangs (Wireless Local Area Network, WLAN) unerlässlich. In einem Grundsatzurteil vom 12. Mai 2010 entschied der Bundesgerichtshof, dass Internetnutzer ihren W-Lan-Anschluss mit einem eigenen Passwort sichern müssen. Denn über ein ungesichertes Netzwerk können zum einen Unbefugte an die Daten und Dateien auf dem Computer des W-Lan-Besitzers gelangen - oder aber den drahtlosen Internetzugang nutzen, um damit Illegales zu tun, etwa urheberrechtsgeschützte Musik oder Filme herunterladen.

Veraltete WEP-Verschlüsselung

WPA1 und WPA2

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