Washington/Hamburg - Das Online-Netzwerk Facebook ist massiv in die Kritik geraten, nun sollen die Nutzer ihre persönlichen Daten besser kontrollieren dürfen. Das verspricht zumindest der Chef und Gründer des Unternehmens, Mark Zuckerberg. In einem Gastbeitrag für die "Washington Post" gab er am Montag Fehler zu. Facebook habe die Verwaltung der privaten Daten zu kleinteilig aufgebaut, "es war nicht das, was viele von Ihnen wollten".
In den kommenden Wochen werde die Kontrolle über die Privatsphäre vereinfacht, versprach Zuckerberg. Allerdings machte er dazu kaum genauere Angaben.
Zuckerberg schrieb lediglich, es solle einfacher werden, Dienste anderer Anbieter abzuschalten, die in die Facebook-Plattform eingebunden sind. Das ist ein besonders kontroverser Punkt, bei dem viele Nutzer eine unerwünschte Weitergabe ihrer persönlichen Daten fürchten. Laut "Financial Times" soll es künftig drei Grundeinstellungen für Informationen geben: Für alle sichtbar, nur für Freunde sichtbar, auch für Freunde von Freunden sichtbar.
Zuckerberg bekräftigte, dass Facebook keine Informationen ohne Erlaubnis der Nutzer offen zugänglich mache, persönliche Informationen nicht an Werbekunden weitergebe und an niemanden verkaufe.
Auch Zuckerberg selbst stellte private Bilder versehentlich ins Netz
Auch in einer E-Mail an den Blogger Robert Scoble zeigte sich Zuckerberg schuldbewusst. "Ich weiß, dass wir eine Reihe von Fehlern gemacht haben", schrieb er. Scoble veröffentlichte die E-Mail auf seiner Technologie-Website.
Kritiker werfen Facebook vor, das Unternehmen gehe zu lax mit persönlichen Daten um. Das Netzwerk wächst rasant, schon bald dürfte es weltweit 500 Millionen Mitgliedern haben.
Zuckerberg räumte ein, Mitglieder fühlten sich von den Datenschutzeinstellungen verwirrt und fänden sie nicht transparent genug. So berichteten US-Medien, dass auch der Gründer selbst Anfang des Jahres einige private Bilder versehentlich für alle sichtbar ins Internet gestellt habe, nachdem Facebook die Regeln geändert hatte. Bei Änderungen wurde volle Offenheit als Standardeinstellung vorgeschlagen.
"Wall Street Journal" berichtet von neuem Skandal
Bisher hatte Zuckerberg die Anpassung der Datenschutzeinstellungen damit verteidigt, dass die Nutzer mehr Informationen offen zugänglich machen wollten. Dies sei im Internet eine "soziale Norm".
Immerhin: Vor knapp zwei Wochen verkündete Facebook die Einführung neuer Sicherheitsfunktionen. So sollen Mitglieder künftig erkennen können, wenn Unbekannte versuchen, sich Zugriff auf ihr Facebook-Konto zu verschaffen. Dazu sollen die Nutzer in ihrem Facebook-Konto ihre Computer, Notebooks oder Handys in einer speziellen Liste anmelden. Habe ein Nutzer seine Geräte registriert und jemand greife von einem fremden Computer aus auf das Konto zu, dann werde die Person aufgefordert, ihr Gerät zu identifizieren. Auch habe das Unternehmen Schutzfunktionen wie etwa Kontrollfragen zum Geburtsdatum eingebaut, um einen Fremdzugriff zu verhindern.
Wie ernst es das Unternehmen mit seiner Datenschutz-Offensive wirklich meint, ist allerdings umstritten. So gab es am Wochenende neuen Ärger, als das "Wall Street Journal" berichtete, Facebook habe in einigen Fällen Werbekunden die Möglichkeit gegeben, zu erkennen, welche Nutzer ihre Werbung anklicken.
wal/dpa/AFP
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