Von Konrad Lischka
Ein Flamingo stakst durch den Rubenheimer Weiher auf dem Land irgendwo hinter Saarbrücken, im Safaripark Stukenbrock stehen Zebraesel herum, und im Ruhrgebiet haben Sprayer die unerträglich hässlichen Betonträger einer Haltestelle zu einem Mikado-Spiel umgesprüht - so interessant sah die Welt auf den Gewinner-Fotomontagen beim Wettbewerb für digitale Bildbearbeitung des Fachmagazins "Docma" aus. Software ermöglicht Hobby-Bildfälschern Spielereien in einer ganz neuen Qualität.
Was Freizeit-Bildbearbeiter ziemlich gut können, versuchen Profis auch: Da verschwand 2005 auf einem PR-Foto die Rolex vom Handgelenk des damaligen Siemens-Chefs, und das Magazin "Paris Match" ließ 2007 die Speckröllchen des französischen Präsidenten auf einem Urlaubsfoto verschwinden (siehe Fotostrecke in der linken Spalte). Solche Bildmanipulationen will der französische Informatiker Roger Cozien mit seiner Software Tungstene aufspüren. Die Zeitung "Libération" berichtet über die Software, die laut Cozien erkennen soll, wo in einem Digitalfoto nachgearbeitet wurde - und wie stark.
Das sind große Versprechen. Aber kann Software einfach so Bildfälschungen aufspüren? Wissenschaftler sind da nicht ganz so optimistisch wie der Entwickler. Mehrere von SPIEGEL ONLINE befragte Forscher auf dem Gebiet der Bildforensik kannten die Software und den Entwickler Cozien nicht. Das Programm ist nicht verfügbar, die auf der Web-Seite beschriebenen statistischen und physikalischen Methoden allerdings sind in der Forschung Standard. Roger Cozien demonstriert auf seiner Website die Anwendung von vier statistischen Methoden, mit denen kopierte, skalierte, rotierte und verschobene Bildelementen erkannt werden sollen.
Bildforensiker analysieren Wahrscheinlichkeiten - Gewissheit gibt es nicht
Der Informatiker Christian Riess von der Universität Erlangen-Nürnberg schätzt die Selbstdarstellung des Entwicklers so ein: "Die in den Beispielen genannten statistischen Verfahren sind Standard-Analysemethoden, die grob zwischen 2003 und 2006 veröffentlicht wurden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das der Standardkanon forensischer Methoden."
Neu wären an der Software - wenn sie arbeitet wie beschrieben - also nicht so sehr die Methoden, sondern die Bündelung in einem benutzbaren Software-Paket. Die Verfahren hat jedes Forschungsteam, das auf dem Gebiet arbeitet, schon irgendwie umgesetzt. Der Informatiker Matthias Kirchner von der Technischen Universität Dresden erläutert: "Bisher war die Bildforensik-Community eher auf die bloße Entwicklung von Algorithmen fokussiert und nicht so sehr auf das Bereitstellen von Tools für die breite Masse. Die vorgeschlagenen Methoden werden daher bisher eher anhand kleiner Testprogramme geprüft."
Die bekanntesten Methoden zum Aufspüren von Hinweisen auf Bildmanipulationen nutzen folgende Eigenschaften von Digitalfotos:
All diese Verfahren können bestimmte Bildmanipulationen nicht mit letzter Gewissheit ermitteln. Sie helfen dabei, Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. Informatiker Christian Riess fasst die Möglichkeiten von Spür-Software so zusammen: "Sicherlich kann so ein Programm auch heute schon beim Aufspüren von Fälschungen durch einen Experten assistieren." Mehr aber nicht, denn bei der Bildforensik gibt es einige Einschränkungen:
Fazit der Experten: Eine Software, mit der Laien - und dazu muss man wohl in Bezug auf Bildforensik auch die meisten Mitarbeiter von Fotoagenturen, Bildredaktionen und Ermittlungsbehörden zählen - Bildfälschungen aufspüren können, ist eine wunderbare Idee. In der Praxis lässt sich aber bestenfalls ein Tippgeber programmieren, der allerdings bei sorgfältig von Profis erstellten Fälschungen versagen kann.
Die Spür-Software ist bestenfalls ein Tippgeber
Ob der Franzose Cozien diesen Tippgeber programmiert hat, ist trotz optimistischer Medienberichte nicht ausgemacht, solange sein Programm nicht verfügbar ist. Der Bildforensiker Kirchner urteilt: "Schön wäre es, wenn man auf der Website erfahren könnte, welche Algorithmen konkret umgesetzt wurden und es auch Einblick in den Programm-Code gäbe. In jetziger Form ist das Programm eher eine Black Box, auf deren Fähigkeiten man einfach vertrauen muss."
Abgesehen davon ist es nicht nur eine Frage der Software, welche Art der Bildbearbeitung eine Fälschung und welche zulässige Korrektur ist. Fast jedes Digitalfoto, das heute zu sehen ist, wurde in irgendeiner Form bearbeitet. Der Bildbearbeitungsexperte Doc Baumann hat in einem Essay die Grenze zwischen Bearbeitung und Manipulation so skizziert: "Die Eliminierung von Rausch- oder Komprimierungsartefakten greift nicht eigentlich in das Abbild ein, ebenso wenig wie nach dem Scannen das Retuschieren von Staubteilchen und Fasern - das Entfernen einer Telegrafenleitung oder einer Warze dagegen verändern das Bild selbst."
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Das können Sie machen, aber das beweist dann natürlich nur für Sie, dass das Bild original ist. Naja, ich denke die EXIF Daten waren ursprünglich wirklich nur dafür gedacht, dem Fotografen nützliche Informationen über die [...] mehr...
So, so, dann werde ich mir halt selber eine Verschlüsselung ausdenken. Aber ich finde das ist ganz schwach von den Herstellern. Ein wie auch immer geartetes Paritywort wäre doch sehr einfach. Ich erzeuge ein aus allen [...] mehr...
Die EXIF Daten lassen sich ohne jegliche Programmierkenntnisse ziemlich einfach manipulieren. Das ist klar strukturierte und unverschlüsselte Information in der Bilddatei, die von vielen Programmen gelesen _und_ geschrieben [...] mehr...
Genau, schon bei der Auswahl der Brennweite fängt die Manipulation an. Es scheint, Sie meinen also da Grenzen ziehen zu können? Der Blickwinkel, bzw. die Position aus der heraus fotografiert wird, die Auswahl des Fotos [...] mehr...
Es gibt EXIF Attribute in einem Digital Foto. Wenn das Bildbearbeitungsprogramm seriös ist, schreibt es in das Exif Attribut seinen Namen hinein. Also sollte jemand, der nicht Programmieren kann so einfach kein Bild fälschen [...] mehr...
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