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07.06.2010
 

Geheimes Irak-Video

Ex-Hacker soll WikiLeaks-Quelle an Militär verpfiffen haben

Foto: WikiLeaks

Das US-Militär hat einen Soldaten festgenommen, der geheimes Videomaterial an die Web-Plattform WikiLeaks weitergegeben haben soll. Nun erklärt ein ehemaliger Hacker, er habe den Mann an die Behörden verraten. Die WikiLeaks-Betreiber widersprechen seiner Darstellung allerdings vehement.

Hamburg/Washington - Ein Soldat, der das Aufsehen erregende Video von einem Einsatz amerikanischer Kampfhubschrauber im Irak an die Web-Seite WikiLeaks weitergegeben haben soll, wurde verhaftet. Das hat das US-Militär am Montag offiziell bestätigt.

Zuerst hatte das Magazin "Wired" von der Festnahme berichtet, konnte aber keine Bestätigung offizieller Stellen vorweisen. Bereits vor zwei Wochen sei der 22-jährige Analyst Bradley M. festgenommen worden, teilte nun ein Pentagon-Sprecher mit. M. stehe unter Verdacht, geheime Dokumente und Videos weitergegeben zu haben, hieß es. Wo er festgehalten wird, gaben die Militärs nicht bekannt. Möglicherweise sitzt er in einem Militärgefängnis in Kuwait.

M. soll WikiLeaks unter anderem ein Video zugespielt haben, auf dem zu sehen ist, wie US-Militärhelikopter auf eine Menschengruppe auf einem Platz in Bagdad schießen. Dabei kamen zwölf Menschen ums Leben. Unter den Opfern waren zwei Mitarbeiter von Reuters. WikiLeaks hatte das Video, das von der Bordkamera eines der Hubschrauber aufgezeichnet worden war, Anfang April veröffentlicht und damit einen Sturm der Entrüstung über das Vorgehen der US-Piloten ausgelöst.

"Ich wollte nicht, dass noch einmal FBI-Agenten an meine Tür klopfen"

Der ehemalige Hacker Adrian Lamo erklärt nun, er habe die Behörden über die Weitergabe des Videos informiert. M. habe ihm gegenüber mit dem Coup prahlen wollen, behauptet Lamo gegenüber der BBC. Lamo, der früher selbst als Hacker Schwachstellen, beispielsweise auf den Web-Seiten der "New York Times" oder von Yahoo, aufdeckte, arbeitet heute als Journalist und Sicherheitsberater, seit er einmal vom FBI aufgespürt und später zu einer Geld- und Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

M. habe ihn per E-Mail und MSN-Chat kontaktiert, erklärt Lamo. So etwas geschehe regelmäßig, weil sich viele Leute ihm gegenüber mit Hack-Erfolgen brüsten wollen, so Lamo. Normalerweise würde er solche Kontaktversuche ignorieren, die Schilderungen des Soldaten hätten ihn jedoch aufhorchen lassen. Er habe sich in diesem Fall genau an die Regeln halten wollen. "Ich wollte nicht, dass noch einmal FBI-Agenten an meine Tür klopfen."

Die Entscheidung, M. zu verpfeifen, sei ihm dennoch äußerst schwer gefallen, behauptet Lamo. Viele Leute würden ihn nun als Spitzel bezeichnen. "Ich hoffe, er bekommt wie ich eine zweite Chance", sagte Lamo der BBC.

Angebliche Sicherheitslücken beim US-Militär

Interessant sind dabei auch Lamos Schilderungen von den Tricks, mit denen M., der auf einer Basis in der Nähe von Bagdad stationiert war, die Geheimdokumente aus dem militärischen Sicherheitsbereich geschmuggelt haben soll. Die geheimen Aufzeichnungen waren demnach in einem verriegelten Raum abgelegt, zu dem man nur nach Eingabe eines Passcodes Zutritt bekommt. Laut Lamo soll M. aber behauptet haben, er habe einfach an die Tür geklopft, woraufhin man ihn eingelassen haben.

Um die Geheimdaten unbemerkt herausschleusen zu können, habe M. einen CD-Rohling als Musik-CD getarnt, diese unauffällig in das Laufwerk eines Computers eingeschoben und dann heimlich Dokumente und Videos darauf gebrannt - während er mit einem Kopfhörer so tat, als würde er Musik hören. Auf diese Weise soll er unter anderem das berühmte Helikopter-Video und insgesamt 260.000 geheime Nachrichten von US-Botschaften entwendet und auf die WikiLeaks-Server geladen haben.

WikiLeaks warnt vor Lamo

Die WikiLeaks-Betreiber widersprechen dieser Darstellung allerdings vehement. Zumindest die Angabe, sie hätten eine solche Zahl geheimer Botschaftsdokumente zugespielt bekommen, sei "inkorrekt", teilen sie über das Twitter-Konto von WikiLeaks mit. Auch die Identität desjenigen, der ihnen das Video überspielt hat, könnten sie nicht bestätigen. "Wir speichern nie persönliche Daten unserer Quellen", heißt es im Twitter-Feed.

Vor allem aber raten die WikiLeaks-Betreiber zur Vorsicht im Umgang mit Adrian Lamo, der sich so offenherzig zu seiner Hilfestellung für das Militär bekannt hat. Per Twitter schreiben sie: Er sei ein notorischer Verbrecher, Informant und Manipulator. "Journalisten sollten vorsichtig sein."

WikiLeaks ("leak" ist Englisch für "lecken, Leck schlagen") ging im Januar 2007 online. Die Seite gibt Insidern eine Plattform, die Geheimnisse ausplaudern wollen. Die Dokumente, die Quellen auf der Seite der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, behandeln ein weites Themenspektrum von Giftmüll-Verklappung in Afrika bis zu Enthüllungsberichten über Scientology. 2008 wurde die Seite vom britischen "Economist"-Magazin mit dessen Preis für Neue Medien ausgezeichnet. Ende vergangenen Jahres hatte WikiLeaks erhebliche Geldprobleme und stellte zwischenzeitlich alle Aktivitäten ein.

mak

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insgesamt 36 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.06.2010 von danduin: Schade um WikiLeak

Schade das WikiLeak Geldprobleme hat, man sollte doch denken, dass solch eine Plattform genügend Sponsoren finden müßte, bspw. durch Medienhäuser. mehr...

10.06.2010 von DBolten:

---Zitat--- Ob Obama nun X oder Y aus einem Volk von 280.000.000 Menschen für BP oder ... einsetzt, glauben sie das Sie immer wissen was ihre "Freunde" so alles treiben?... ---Zitatende--- Nein, aber er ist der [...] mehr...

09.06.2010 von Silverhair: Einsichten

Nun, ihre Liste führt durchaus korrekt die Mankos auf - nur Obama kann und ist kein Diktator .. der hehre Wunsch Guatanamo zu schließen - der ist eben nicht so einfach zu realisieren wenn kein Land - gerade auch D. nicht diese [...] mehr...

08.06.2010 von DBolten: Ich glaube, Sie gehen ihm auf dem Leim.

Ich fürchte, Sie sind hier etwas naiv. Ihr Argument mag für ein, zwei Patzer herhalten, aber danach sollte man sich doch langsam fragen, ob vielleicht mehr dahinter steckt. Hier ein paar Beispiele: 1) Obama kündigt an, [...] mehr...

08.06.2010 von esfinge: interessanter twist

Adrian Lamo als selbstherrliche Petze abzustempeln, ist zu eindimensional, wenn man in die Betrachtung einbezieht, dass er vom Asperger Syndrom betroffen ist: http://www.wired.com/threatlevel/2010/05/lamo/ Einfühlungsvermögen [...] mehr...

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