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10.06.2010
 

Krisen-PR wegen Ölpest

BP kauft Suchmaschinenergebnisse

Von Matthias Kremp

BP im Web: Besser dastehen bei Google & Co.
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Je schlimmer die Krise, desto besser muss die PR sein. Diese Weisheit hat sich auch der BP-Konzern zueigen gemacht und versucht jetzt, mehr Websurfer auf seinen Info-Seiten zur Ölkrise im Golf zu locken. Nur dort kann das Unternehmen seine Sicht der Dinge ungestört verbreiten.

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist nicht nur eine gewaltige Katastrophe für die Natur, sie ist auch eine gewaltige Herausforderung für die PR-Abteilung des britischen Konzerns. Das wiederholte Versagen bei Versuchen, den Ölaustritt am Meeresboden zu stoppen, Berichte über Beamtenbestechung und Bilder von verendeten Tieren im Ölschlamm kratzten nicht nur am Image des britischen Konzerns, sie haben es regelrecht demontiert. Mittlerweile fürchten britische Politiker, das Öldesaster könne sich sogar auf das Bild, das sich Amerikaner von Großbritannien machen, auswirken. Krisen-PR ist angesagt, um den Schaden für Firma und Vaterland einzugrenzen - und das auch im Web.

So könnte man zumindest BPs jüngsten PR-Coup verstehen. Das Unternehmen hat sich für bestimmte Schlüsselworte Top-Platzierungen in den Suchmaschinen Google, Yahoo und Bing gekauft. Wer jetzt Begriffe wie "oil spill" (Ölpest) in eine dieser Suchmaschinen eingibt, soll als ersten Treffer einen sogenannten Sponsored Link, einen bezahlten Link zur BP-Website zur Ölkatastrophe zu sehen bekommen.

Üblicherweise werden solche Sponsored Links von Firmen genutzt, um Websurfer mit werblicher Absicht auf ihre Seiten zu locken. Wer also etwa den Begriff "Turnschuhe" in das Textfeld einer Suchmaschine eingibt, bekommt als erste drei Treffer Links zu Online-Schuhhändlern präsentiert. Für Firmen wie Google zählen solche Werbeangebote zu den lukrativen Einnahmequellen.

"Wichtige Links zu Informationen"

"Wir haben Suchbegriffe bei Suchmaschinen wie Google gekauft, um es den Leuten leichter zu machen, mehr über unsere Bemühungen im Golf herauszufinden und um es ihnen zu erleichtern, wichtige Links zu Informationen darüber zu finden, wie man Ansprüche geltend machen, Ölfunde an Stränden melden oder sich selbst als Freiwilliger melden kann", bestätigte BP-Sprecher Toby Odone dem US-Fernsehsender ABC News.

Der Experte für Suchmaschinenoptimierung Matthew Whiteway von der auf spezialisierten britischen Consulting-Firma Greenlight erklärte die Kampagne zum "besten Zug den BP machen konnte, um sein Image unter den augenblicklichen Bedingungen zu schützen". Seinen Untersuchungen zufolge sind nach Abzug bezahlter Anzeigen 95 Prozent der Suchergebnisse bei Suchanfragen nach Schlüsselworten rund um BP und die Ölpest negativ. Bei einer Suche nach "BP Oil Spill" habe er diverse zynische Texte und eine Reihe von YouTube-Clips zu sehen bekommen, auf denen die Folgen der Ölverseuchung zu sehen waren. Ein enormes Problem für den Konzern, zumal sich immer mehr Menschen Informationen über die Vorgänge am Golf im Internet zusammensuchen.

Ein "PR-Meisterstück"

Whiteman hat für dieses Vorgehen volles Verständnis. Er argumentiert, BP würde Anwender ja nur "die Informationen geben, nach denen sie suchen". Zudem würde ja niemand gezwungen, auf die bezahlten Links zu klicken. Nach seiner Ansicht, so lässt er deutlich durchblicken, ist die Suchmaschinenaktion ein "PR-Meisterstück".

Mit dieser Ansicht steht Whiteman freilich ziemlich einsam da. Das Techblog Gizmodo etwa zitiert David Binkowski von der Word of Mouth Marketing Association mit der Feststellung, BP habe erst einen Monat nach Beginn der Katastrophe damit angefangen, sein Image im Web aufzupolieren. Ein Fehlschuss war seiner Ansicht nach auch BPs TV-Kampagne. 50 Millionen Dollar habe BP in diese Kampagne investiert, Geld, dass besser in die Bekämpfung der Ölpest hätte gesteckt werden sollen. Die Top-Platzierung in den Suchmaschinenergebnissen, so Experten, dürften den Konzern etwa 10.000 Dollar pro Tag kosten.

150.000 Follower

Doch nicht nur seine Art, mit Geld umzugehen, auch seine Humorlosigkeit kostet den Konzern, der so verzweifelt um Sympathie buhlt, Zustimmung im Netz. So forderte BP den Betreiber des Twitter-Accounts BPGlobalPR auf, klarzustellen, dass es sich bei seinen Tweets um einen Parodie und nicht um echte BP-Meldungen handele, schreibt die " New York Times". Ein Ansinnen, das nur schwer verständlich scheint, wenn man liest, was unter diesem Pseudonym so getwittert wird. Nachrichten wie: "Unsere Anwälte verschicken jetzt Abmahnungen gegen die brüchige Erdkruste, dass sollte das Problem lösen", dürfte wohl kaum jemand als ernstgemeinte PR verstehen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. "Wir haben nichts mit Beyond Petroleum zu tun, jener Firma, die den Golf von Mexiko seit 52 Tagen zerstört", ist dort jetzt in der Selbstbeschreibung zu lesen. Dies, so erklärte der anonyme Betreiber des Twitter-Accounts, sei die einzige Änderung, zu der man bereit sei: "Wenn das ein Problem ist, werden sie uns abschalten müssen".

Doch wenn das passieren würde, würde BPGlobalPR wohl kaum still und leise aus dem Twitterversum verschwinden. Schließlich lesen mittlerweile mehr als 150.000 Follower täglich die bissige BP-Parodie.

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.06.2010 von docstrangeluv: Kosten für Google AdWords

Sehr erhellend was das Google Traffic Tool dazu sagt: Keyword: Oil Spill / alle Länder / alle Sprachen Geschätzte Suchanfragen: 2.740.000 Durchschnittlicher geschätzter CPC 1,01 € - 1,26 € Gesamte geschätzte Klicks 37 [...] mehr...

11.06.2010 von frank_lloyd_right: Auf vernünftige Anzeigen wird bei Google schon mal

geklickt, im Verzweiflungsfall ohnehin (man findet einfach manchmal nur schwachsinnige Suchergebnisse...) - aber hier muß ich doch sagen, das ist rausgeschmissenes Geld. Sollen sie lieber damit das Meer aufkochen, bis alle [...] mehr...

11.06.2010 von floxxy: Wer klickt schon auf Anzeigen...

ähhh... da klicken so viele darauf, dass Google damit Milliarden verdient?! mehr...

10.06.2010 von Satiro: Erklärungsversuch

auch noch etwas naiv? Nach den Finanzprodukt –Ingenieuren scheinen nun die Meinungs- Ingenieure gefragt zu sein. Auch in den Medien wie hier bei SPON, wo die Redaktion von Nachwuchsjournalisten aus dem GRÜN- roten- [...] mehr...

10.06.2010 von frankarouet: Ist der Ruf erst ruiniert...

---Zitat--- Der Experte für Suchmaschinenoptimierung Matthew Whiteway von der (...) britischen Consulting-Firma Greenlight erklärte die Kampagne zum "besten Zug den BP machen konnte, um sein Image unter den augenblicklichen [...] mehr...

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