Wenn Robert Hintze über sein Unternehmen spricht, klingt das ein bisschen nach Satire. Als ob sich ein böser Spaßmacher über Schönheitswahn und Eitelkeit in der westlichen Welt lustig machen wollte. Sein Partner Greg Hodge aber meint solche Sätze ernst: "Jeder - auch ein hässlicher Mensch - möchte gerne gutaussehende Kinder zur Welt bringen, und wir können mit unserem attraktiven Genpool nicht egoistisch umgehen." So äußerte sich der Web-Unternehmer im Gespräch mit der "Vancouver Sun".
Das Unternehmen mit dem vermeintlich "attraktiven Genpool" ist die Datingsite Beautifulpeople.com, die damit wirbt, nur schöne Menschen als Mitglieder aufzunehmen. "Die Menschen haben keine Lust mehr, Zeit und Geld damit zu verschwenden, im Web unattraktive Menschen kennenzulernen", sagte Hodge einmal bei der Pressekonferenz. Damals kündigte Beautifulpeople.com an, nun in aller Welt Schöne mit Schönen zusammenzubringen. Jetzt wollen Hodge und Hintze all die hübschen Wesen gewissermaßen zu Gen-Botschaftern ihrer eigenen Schönheit machen.
Zu Samen- oder Eizellenspendern, um genau zu sein. "Wären Sie bereit, Ihre Schönheit zu verbreiten?", fragt die Beautifulpeople-Pressestelle in einer Forumsdiskussion zum Thema. Sie finde diese Formulierung "ein bisschen abscheulich", kommentierte eine zertifiziert schöne Nutzerin der Seite das. "Geht es nicht darum, ein gesundes Baby zu haben? Gibt es wirklich Leute, die Eizellen oder Sperma nach dem Aussehen des Spenders auswählen würden??"
Die Schönheit der Mitglieder wird bei Beautifulpeople nach dem alten Muster des Web-Angebots "Hot or Not" festgestellt: Wer bereits Mitglied ist, kann die Fotos von Neuzugängen auf einer Skala beurteilen. Sie reicht von "auf jeden Fall" über, "hmm, ja, ok" und "hmm, nein, eigentlich nicht" bis zu "keinesfalls". Die gemessene Schönheit liegt hier also nicht im Auge eines, sondern in den Händen möglichst vieler, mutmaßlich selbst ziemlich eitler Betrachter.
"Brad Pitt oder Shrek?"
"Wenn Sie für eine Genspende zwischen Brad Pitt und Shrek auswählen könnten, dann nehmen Sie doch Brad Pitt", sagte Hodge der "Vancouver Sun". Ein leicht surreal anmutendes Beispiel, bietet doch mit Sicherheit keine einzige Samenbank auf dem Planeten Spermien grünhäutiger Oger an. Doch Provokation gehört bei Beautifulpeople zum Geschäftsmodell.
"Fertility Introduction Service" nennen der in Dänemark geborene Hintze und sein Kompagnon Hodge ihr Angebot, "Fruchbarkeitsvorstellungsdienst". Für den Dienst machen die Eitelkeitsunternehmer eine Ausnahme: "Wir haben zunächst gezögert, die Site auch für nicht schöne Menschen zu öffnen", gestand Hintze der "Vancouver Sun". Nun aber könnten all die Hässlichen da draußen Zugriff auf die sexy Gene aus dem Reservat für Hübsche bekommen - zumindest theoretisch. Bislang hätten sich 150 Mitglieder - von derzeit nach Unternehmensangaben etwa 600.000 - als potentielle Spender zur Verfügung gestellt, sagte Hodge dem "Toronto Star". Weil sie ja "ästhetisch gesegnet" seien, seien die Mitglieder des Paarungs-Anbahnungsdienstes als Genspender "sehr gefragt", behauptet der hauseigene Werbetext.
Auf der Seite selbst wird behauptet, man habe "zahlreiche Anfragen von Fortpflanzungskliniken bekommen", damit die eigenen Mitglieder sich als Samen- oder Eizellspender zur Verfügung stellen. Schließlich seien "Attraktivität und Intelligenz" die wichtigsten Auswahlkriterien für potentielle Spender. Selbst registrierte Mitglieder ziehen diese Behauptungen in Zweifel.
"Einfach nicht seriös"
Tatsächlich sind die wichtigsten Auswahlkriterien für potentielle Samenspender medizinischer Natur, in der Regel wird Wert auf den Ausschluss von Erbkrankheiten und anderen genetisch vermittelten Erkrankungen gelegt. "Wir wollen Paaren helfen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können", sagt Andreas Tandler-Schneider vom Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren, da gehe es nicht um "beautiful people": "Wir distanzieren uns von solchen Aktivitäten". Derartige Angebote seien "einfach nicht seriös".
Rüdiger Andreeßen von der SEJ Samenbank Berlin erklärt auf Anfrage, man könne sich nicht selbst aussuchen, wessen Spermien man bekomme. Die Auswahl werde von den Mitarbeitern der Samenbank getroffen, und zwar aufgrund vorher ausgefüllter Fragebögen: Bei Paaren wird versucht, Haarfarbe, Körpergröße und Form, Bildungsstand, Hobbys und Augenfarbe mit denen des Mannes abzugleichen. Alleinstehende Frauen können Wünsche äußern, was Bildungsstand oder Augenfarbe angeht. Mit einem Wunsch-Spender im Schlepptau aber braucht niemand bei seiner Samenbank aufzutauchen, so Andreeßen: "In der SEJ Samenbank Berlin GmbH kann kein Material für den 'Eigenbedarf' eingelagert werden."
Gezielte Provokationen gegen vermeintlich hässliche Menschen
Zwar sind Samenspenden und deren Modalitäten in Deutschland nicht gesetzlich geregelt, wie Dirk Niggehoff, Fachanwalt für Medizinrecht, erklärt, denn das Embryonenschutzgesetz greift erst im unmittelbaren Zusammenhang mit einer künstlichen Befruchtung. Doch Fortpflanzungsmediziner in Deutschland setzen nur Samen von zertifizierten Samenbanken ein, und die, sagt Tandler-Schneider, "würden so etwas wohl kaum machen". Eizellspenden sind hierzulande nach derzeit geltendem Recht ohnehin nicht erlaubt.
In Wahrheit dürfte die Aktion von Beautifulpeople.com nicht zuletzt ein weiterer PR-Gag der beiden Betreiber sein, um Öffentlichkeit für ihr Angebot herzustellen. Das wird nach einer zweitägigen Probephase nämlich kostenpflichtig. Wie könnte man besser neue Kunden erreichen, die sich selbst für attraktiv halten, denn über regelmäßige, gezielte Provokationen in Richtung vermeintlich hässlicher Menschen?
Erst im Januar erzeugten Hodge und Hintze Schlagzeilen, indem sie - angeblich - 5000 Mitglieder hinauswarfen, weil die angeblich über die Weihnachtsfeiertage zu viel gegessen und damit zugenommen hatten. Zwar mutet es unwahrscheinlich an, dass all die gefräßigen Weihnachtsfutterer gleich im Anschluss Bilder ihrer neuen Körperfülle hochgeladen hätten. Hodge aber behauptete, "aufmerksame Mitglieder" hätten ein Eingreifen der Betreiber gefordert.
Der britischen Tageszeitung "Guardian" sagte er damals: "Fette auf unserer Site herumspazieren zu lassen, bedroht unser Geschäftsmodell unmittelbar." Noch bedrohlicher wäre allerdings, wenn all die Schönen entscheiden würden, dass sie Leuten wie Hodge eigentlich lieber kein Geld mehr bezahlen möchten.
Auf anderen Social Networks posten:
...finde ich ja menschen, die andere diskriminieren; geld mit dem leid anderer menschen verdienen; sich daran bereichern, dass weniger gebildete menschen auch inverstmentfonds besitzen wollen und dann alles verlieren; generell [...] mehr...
Ich kann mich nur wundern, daß es Menschen gibt die hier ernsthaft über die Vor und Nachteile dieser Methodik diskutieren. Hat denn niemand aus 1000 Jahren Geschichte gelernt. Heute muß es "schön" sein, gestern nur blond [...] mehr...
ich kann Ihrem Beitrag nur schwer folgen, bin vermutlich nicht helle genug. Aber auf das "künstlich" möchte ich doch antworten: Genau das ist es eben nicht. Es ist im Gegenteil ganz natürlich sich zur Weitergabe [...] mehr...
Auch wenn es jetzt und hier furchtbar oder überzogen klingen mag, - ich habe mir seinerzeit den Vater meines Sohnes bereits nach festen Kriterien ausgesucht, - immer im Hinterkopf ein paar Sprüche meiner Oma die mich mahnte [...] mehr...
Exakt das ist der Grund (Symmetrie + makellose Haut = gutes Immunsystem). Schönheit ist schlicht ein Indikator für Gesundheit. Wem Gesundheit egal ist der braucht darauf ja auch nicht zu achten, frech wirds erst wenn *anderen* [...] mehr...
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