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25.06.2010
 

Ärger über Apple-Handy

Linkshänder verzweifeln am neuen iPhone

Von Konrad Lischka

Foto: SPIEGEL ONLINE

Hat Apple beim neuen iPhone geschlampt? Hält man das Handy in der linken Hand, sinkt die Verbindungsqualität teilweise rapide. Experten vermuten als Ursache eine ungünstig platzierte Antenne - Steve Jobs' Erklärung für den Mangel ist eher unbefriedigend.

Aram könnte zufrieden sein. Der Mann hat ein neues iPhone ergattert, obwohl es Lieferprobleme gibt. Wäre da nicht dieses Linkshänder-Problem: Der iPhone-Käufer schrieb am Donnerstag diese E-Mail an Apple-Boss Steve Jobs: "Ich liebe mein neues iPhone 4 (saubere Arbeit), aber wenn ich meine Hand an den Metallrahmen halte, hat es keinen Empfang." Der Text kursiert in Technik-Blogs, denn tatsächlich hat jemand von Steve Jobs offizieller Adresse geantwortet. Knapp und brüsk: "Versuchen Sie einfach, es nicht so zu halten."

Viele Besitzer des neuen Apple-Handys schildern dasselbe Problem: Hält man das Gerät in der linken Hand und liegt der Handballen links im unteren Bereich am Geräterahmen an, sinkt die Signalstärke stark. Beim Versuch mit einem neuen iPhone 4 konnte SPIEGEL ONLINE dieses Phänomen beobachten: Nimmt man das Gerät in die linke Hand, sinkt die angezeigte Leistung von fünf auf nur einen Signalstärke-Anzeigebalken.

Ein Apple-Sprecher räumte gegenüber dem Technik-Blog Engadget ein, dass es Probleme geben könnte: "Wenn man das Mobiltelefon umklammert, führt das zu einer Schwächung der Antennenleistung, an einigen Stellen ist das stärker ausgeprägt als bei anderen. Das ist eine Tatsache bei jedem drahtlosen Telefon."


Das stimmt einerseits.

Andererseits kann die Gestaltung des Telefons solche Effekte verhindern. Ernst Ahlers, Funkexperte beim Computerfachmagazin "c't" erklärt: "Wenn die Antenne bei einem Mobiltelefon an einer ungünstigen Stelle liegt, kann dieser Effekt auftreten. Ideal ist eine Antenne oben an der Rückseite des Geräts, so dass sie bei der typischen Haltung möglichst frei liegt."

Gedämpft wird das Antennensignal nur durch leitendes Material - zum Beispiel eine leicht feuchte Hand. Man kann sich diesen Effekt wie den faradayschen Käfig vorstellen. Ohne in physikalische Details zu gehen, kann man sagen: Eine Socke überm iPhone dämpft nicht, ein Gummirahmen auch nicht, eine Hand schon. Funkexperte Ahlers: "Es ist sehr gut möglich, dass man mit der bloßen Hand den Empfang eines Mobiltelefons so verschlechtern kann, dass im schlimmsten Fall kein Empfang mehr möglich ist."

Hand drauf - Funk weg

Zu Hause kann man das gut am W-Lan-Router nachvollziehen: Wenn man die Antenne mit der bloßen Hand umschließt, sinken die Übertragungsraten deutlich. Den Effekt sieht man an der Statusanzeige der W-Lan-Verbindung im Laptop, der mit dem Router verbunden ist. Dort wird die aktuelle Linkrate ausgewiesen, beim Übertragungsstandard 11g mit mäßig guter Funkverbindung sind das zum Beispiel 24 MBit in der Sekunde. Funkexperte Ahlers: "Beim Abschatten der Antennen am Router bricht sie dann wohl auf 18 MBit pro Sekunde ein". Das klappt typischerweise auch, wenn man seine Hände auf den oberen Displayrahmen des Notebooks legt. Dort sind meistens die W-Lan-Antennen eingebaut.

Wo genau sich im Inneren des neuen iPhone-Gehäuses welche Antennen befinden, kann man auf den Fotos vom Innenleben (siehe Fotostrecke) nicht ausmachen. Klar ist, dass unten links am äußeren Rand ein Antennenmodul eingebaut ist - damit muss der schlechte Empfang zusammenhängen.


Es könnte auch sein, dass die beiden Stahlrahmenteile im iPhone-Gehäuse die aktiven Antennenelemente für Mobilfunk und W-Lan, Bluetooth und GPS sind - dann würde das Überbrücken des Kunststofftrenners mit der linken Hand die Empfangsbeeinträchtigung erklären.

Haben nur Rechtshänder getestet?

Das Phänomen muss nicht überall und nicht bei allen Geräten auftreten. Vielleicht kommen mehrere Ursachen zusammen. "Wenn man weit von einem Mobilfunkmast entfernt steht und der Empfang ohnehin nicht so gut ist, ist die Dämpfung der Hand natürlich spürbarer", sagt Funkexperte Ahlers. Möglich wäre auch, dass es bei einer Charge der neuen iPhones einen Produktionsfehler gegeben hat, der die Leistung der Antenne ohnehin ein wenig einschränkt - ein schlecht eingebauter Anschluss zum Beispiel. Kommt dann noch die Dämpfung des Signals von außen dazu, wird das Antennenproblem spürbar.

Haben Apples Entwickler also geschlampt?

Vielleicht ist die Position der Antennen ein Kompromiss. Es kann gut sein, dass an der Oberseite wegen der Kameramodule oder anderer Bauteile nicht genug Platz ist. Vielleicht konnten Apples Ingenieure wegen Vorgaben zu Design, Ausstattung und regulierungskonformer Gestaltung tatsächlich ein linkshänderunfreundliches iPhone 4 bauen.

Oder es hat tatsächlich niemand diese Fehlfunktion bemerkt. "Vielleicht hatten die Entwickler das Gerät nur in der rechten Hand", sagt Funkexperte Ahlers.

Und so lässt sich das Problem auch mehr oder minder elegant lösen: Beim Telefonieren das Gerät in der rechten Hand halten, da hat Steve Jobs schon recht. Vielleicht baut Apple ja irgendwann eine spezielle Linkshänder-Edition.

PS: Viele Leser merkten an, dass auch Rechtshänder ihr iPhone manchmal in der linken Hand halten, zum Beispiel wenn nur sie gerade frei ist - und damit unter der Antennendämm-Stellung leiden. Das stimmt natürlich. Apple hat auf beiden Seiten ein Problem.

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05.07.2010 von Sascha Franck: hmpf

Herr Michaelis, ich glaube nicht, dass sie eine Person sind, mit der ich weiter über so ein Thema diskutieren möchte. Mir fehlen angesichts solcher Blauäugigkeit bzw. Gutgläubigkeit (bösere Worte erspare ich mir) schlicht und [...] mehr...

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