Das sah nicht gut aus für Facebook: Im April überarbeitete das Menschel-Netzwerk wieder einmal seine Datenschutzbestimmungen, plötzlich waren viele Profil-Details (Wohnort, Geburtsort, Ausbildungsstätten, Arbeitsstelle, Vorlieben) standardmäßig öffentlich, die Nutzer zuvor noch verbergen konnten, falls sie diese angegeben hatten. Dann drängte Facebook mit neuen Schnittstellen auf die Seiten von Drittanbietern und Verbraucherschützer warnten vor den Änderungen, mehrere US-Senatoren verlangen Aufklärung und Änderungen, eine Entwickler-Truppe kündigte an, ein datensparsames Alternativ-Netzwerk namens "Diaspora" zu entwickeln.
Facebooks Image bei US-Kunden hat unter diesen Negativ-Schlagzeiten wohl nicht dauerhaft gelitten. Laut dem US-Marktforschungsunternehmen Yougov verbesserte sich Facebooks Image bei den befragten US-Bürgern in der zweiten Juni-Hälfte erheblich - stärker als bei jedem anderen der abgefragten Unternehmen.
Yougov stützt die Aussagen auf eine Umfrage nach dieser Methode: Das Unternehmen befragt jeden Werktag 5000 zufällig ausgewählte Nutzer aus einem - laut Yougov "repräsentativen" Online-Panel von 1,5 Millionen Nutzern. Die Befragten können ihre Einschätzung des Images einer Firma auf einer Skala von -100 (mies) bis +100 (super) angeben. Facebook stieg in der zweiten Juni vom Durchschnittswert +2 auf +17,5 - eine ordentliche Verbesserung.
Außer einer Tendenz ist aus diesen Zahlen wenig abzuleiten. Aber allein diese Entwicklung ist beachtlich - der Datenschutz-Ärger scheint bei der breiten Masse der Nutzer nicht lange haften zu bleiben.
Facebook nutzt neuen Auswertungsalgorithmus für Empfehlungen
Entsprechend schnell zieht Facebook das Innovationstempo an: Am Freitag hat das Unternehmen wieder eine neue Funktion vorgestellt, die demonstriert, wie wertvoll die aus dem Verhalten der Nutzer gewonnenen Daten sind: Wer sich nun neu bei Facebook registriert, erhält nach Eingabe von Alter und Wohnort eine Reihe von Vorschlägen für Dinge, die er gut finden könnte. Die Vorschläge sucht laut Facebook ein Empfehlungsalgorithmus aus, der vergleicht, was Facebook-Mitglieder mit ähnlichem Hintergrund mögen.
Diese Auswertungsmöglichkeiten zeigen, warum Facebook es seinen Mitgliedern immer leichter macht, Präferenzen anzugeben: Je mehr sie über ihre Vorlieben bei Facebook und auf den Seiten von Dritten per Gut-Finde-Klick mitteilen, desto attraktiver wird das Angebot für alle Beteiligten. Zudem schaffen die Nutzer mit solchen Selbstauskünften eine perfekte Werbe-Infrastruktur: Mit jedem Klick auf Dinge, die sie mögen, verfeinern sie ihr öffentliches Interessenprofil, das Facebooks Werbekunden zur Feinabstimmung von Anzeigen nutzen können.
Facebooks Gut-Finde-Klicks strukturieren das Web
Anzeigenkunden könnten diese Selbstauskünfte nicht personalisiert nutzen. Sie sehen nicht, wer zum Beispiel Hühnchen gut findet. Sie können nur pauschal Werbeformate auf Facebook allen Leuten zeigen lassen, die Hühnchen gut finden (und gerade Geburtstag feiern und in München leben). Ein Datenschutz-Skandal sind die Werbeformate bei Facebook also nicht. Wer weiß, was er tut und veröffentlicht, kann das sogar positiv sehen: Man sieht eines Tages vielleicht nur noch Anzeigen, die einen wirklich interessieren statt des ganzen Schrotts, der heute im Netz herumblinkt.
Außerdem könnte Facebook auf dieser Datenbasis vielleicht einmal Googles Suchmaschine ernsthafte Konkurrenz machen. Google bestimmt auf Basis von Textanalyse, Klickverhalten und Linkstrukturen, welche Seiten zu welchem Thema relevant sind. Facebook könnte das auf Basis der Meinungsäußerungen der derzeit 500 Millionen registrierten Mitglieder tun.
lis
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