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08.07.2010
 

MySpace

Wiedergeburt oder Verkauf?

Entertainment first: MySpace auf dem Weg vom Social Network zur reinen Musik-Butze?Zur Großansicht

Entertainment first: MySpace auf dem Weg vom Social Network zur reinen Musik-Butze?

Wird sich Rupert Murdochs News Corp. von MySpace trennen? Jonathan Miller, Rupert Murdochs Mann fürs Digitale, dementiert entsprechende Gerüchte: MySpace stehe vor einem großen Relaunch, nicht vor dem Verkauf. Ob das so bleibt, entscheidet sich wohl im August.

Eigentlich hatte MySpace alles richtig gemacht: Die Website war kommunikativ, ermöglichte soziale Vernetzung, sie hatte mit Musik ein großes Thema und es längst geschafft, selbst Teil der Popkultur zu werden. Inzwischen nimmt der Erfolg so kontinuierlich und schnell ab, dass es schon Branchengerüchte über einen angeblich anstehenden Verkauf gibt: Rupert Murdoch, vor zwei, drei Jahren noch einer der lautstärksten Internet-Euphoriker, soll mit der Geschäftsentwicklung des Dienstes, den er im Jahr 2005 für satte 580 Millionen Dollar seinem Medienimperium einverleibte, alles andere als glücklich sein.

Denn MySpace ist zwar noch immer eine der populärsten Seiten der Welt (Alexa-Ranking Platz 24 weltweit), gilt aber trotzdem als geschlagen: Im Jahr 2006 war MySpace die populärste Seite der USA, heute steht es auf Platz 13, Tendenz fallend. Noch 2008 galt es als populärstes Social Network der Welt, ist inzwischen aber von Facebook gründlich auf die Plätze verwiesen. So groß war die Verunsicherung über die Geschwindigkeit, mit der sich vor allem die Kids von MySpace ab- und Facebook zuwandten, dass sich die Seite in den letzten zwei Jahren gleich mehrere Faceliftings gönnte - und funktionale Veränderungen. Heute stellt sich MySpace als seltsamer Spagat zwischen Facebook-haftem Social Network und Präsentationsfläche für Entertainment dar.

Genützt hat all das wenig. Allein in den letzten drei Monaten verlor MySpace über 27 Prozent an Seitenaufrufen. In Zeiten, in denen Rupert Murdoch - inzwischen zum Web-Skeptiker gemausert - bereit scheint, auf 90 Prozent der Reichweite seiner Zeitungs-Webseiten zu verzichten, um Kosten unter Kontrolle zu bekommen, dazu mit Pay-Modellen experimentiert, um das Web endlich zu einer Erlösquelle zu machen, klingen Verkaufsgerüchte durchaus plausibel. Am Mittwoch stellte sich Jonathan Miller, Chef der Digitalsparte von Murdochs Firma News Corp., vor die Presse und dementierte all das deutlich: Gerüchte über Verkaufsgespräche seien reine Erfindungen.

Was allerdings stimme sei, dass News Corp. einmal mehr an einem Neudesign von MySpace arbeite. Noch in diesem Jahr werde man MySpace "neu erfinden".

Der Geldstrom versiegt: Wer zahlt weiter?

Das hatte News Corp. auch schon im letzten Jahr, indem es die Entertainment-Aspekte von MySpace stärker in den Vordergrund stellte, um sich von Facebook abzusetzen. Die Abwanderung der Nutzer hatte das allerdings noch beschleunigt. Jetzt, gerüchtelt es in der Branche, könnte News Corp. versuchen, die Entertainment-Dienstleistungen noch stärker auszubauen und eventuell sogar kostenpflichtig zu machen. MySpace würde damit von einem Facebook-Konkurrenten zu einem Herausforderer kostenpflichtiger Musik- und eventuell auch Filmdienste.

Auch damit wäre MySpace nicht allein, kommerzielle Streamingdienste schießen aus dem Boden wie die Pilze, selbst Google ventiliert derzeit entsprechende Pläne. Zeitgleich bröckelt bei allen Social Networks außer Facebook die Nutzerschaft, AOL verkaufte gerade sein nur regional erfolgreiches Bebo. Dass auch Facebook zuletzt in seiner Kernzielgruppe Einbußen zeigte, muss noch nicht einmal an all den Datenschutzskandalen des überneugierigen Dienstes liegen: Kaum ein Marktsegement des Internet ist schnelllebiger als das Social Networking, wo für die heranwachsenden Kids das, was für die Vorgängergeneration Hip war schon fast per definitionem "lame" ist - ein alter Hut.

Kein Gerücht ist es wohl derweil, dass sich die Zukunft von MySpace schon im August entscheiden könnte: Dann soll der Werbedeal mit Google auslaufen, der über vier Jahre die primäre Einnahmequelle von MySpace darstellte. Darüber, berichtete das "Wall Street Journal", liefen tatsächlich bereits Gespräche und Verhandlungen: Die Finanzzeitung dürfte das sehr genau wissen, schließlich gehört auch sie zur News Corp.

Dass es noch einmal gelingt, einen so spektakulären Deal zu landen wie 2006, als MySpace auf dem Gipfel seines Erfolges war, ist kaum zu erwarten: Google war der Abschluss damals satte 900 Millionen Dollar wert. Seitdem blättert aber nicht nur bei MySpace die Patina, auch der Werbemarkt ist zwischenzeitlich regelrecht kollabiert. Sollte es zu keinem befriedigenden neuen Deal kommen, wäre Murdoch ein spontanes Umdenken im Hinblick auf die Zukunft von MySpace jederzeit zuzutrauen: Dementi hin oder her - die Gerüchte über einen möglichen Verkauf werden wohl kaum verstummen.

pat

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