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14.07.2010
 

Netzwelt-Ticker

Ein Provinzkaff wird dank Twitter weltberühmt

Von Richard Meusers

Schmusesänger und Twitter sei Dank: Alles und jedes kann heute weltberühmt werden - für einen Tag. Microsoft hat ein Einsehen und verlängert die XP-Gnadenfrist und Hulu kommt demnächst nach Europa. Dies und mehr im Überblick.

Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska hat nicht gerade ein besonders spannendes Image, die Stadt gilt gemeinhin als Heimat langweiliger Landeier. Immerhin unterhält sie eine Städtefreundschaft mit Braunschweig. Dennoch gelang es der Stadt aus dem Norden der USA gestern, in den "Trending Topics" von Twitter auf Platz sechs zu landen. Diese "Topics" geben wieder, was in der Zwitschergemeinde gerade in ist und worüber am meisten gesprochen wird. Am Dienstag und zuvor schon am Sonntag war das unter anderem die "Omaha Mall", deren Bekanntheit plötzlich durch die Decke schoss. Was war geschehen, dass ein Einkaufzentrum in einem drögen Provinznest plötzlich internationale Berühmtheit erhielt?

Die Antwort ist banal und sie hat mit dem 16-jährigen Schmusepopsänger Justin Bieber zu tun. Der jugendliche Künstler, dessen Namensnennung schon ausreicht, um bei weiblichen Zahnspangen-Teenies Kreisch- und Ohnmachtsanfälle auszulösen, hatte sich vor einem Studiotermin die Zeit im lokalen Einkaufszentrum vertrieben. Auf Twitter erwähnte er das kurz und schon war die Lawine losgetreten. In einem Videoclip singt Bieber denn auch einen Rap "This is where we ball/this is where we ball at the Omaha mall." (Das ist, wo wir uns rumtreiben, bei der Omaha Mall).

Aber inzwischen ist der Ruhm schon wieder vergangen, die Zahl der Erwähnungen nähert sich bereits dem Nullpunkt.

Windows XP geht in die Verlängerung

XP ist einfach nicht totzukriegen. Neun Jahre nach seiner Einführung bildet das Windows-Betriebssystem immer noch das Daten-Fundament der Systeme einer Vielzahl von Betrieben und Privatnutzern, daran konnte weder Vista noch Windows 7 etwas ändern. Eigentlich hätte diesen Oktober endgültig das Sterbeglöckchen für den Software-Veteranen bimmeln sollen, doch die Verantwortlichen bei Microsoft hatten ein Einsehen. Die beim Kauf von Windows 7 Professional und Ultimate enthaltende Möglichkeit zum Downgrade auf XP (und Vista) wird auch weiterhin bestehen bleiben, meldet "Ars Technica". Eigentlich sollte diese Möglichkeit schon sechs Monate nach Erstveröffentlichung von Windows einkassiert werden, dann gab's Verlängerung auf 18 Monate. Diese Möglichkeit soll nun für den Rest des Windows-7-Produktlebens bestehen bleiben, das gilt auch für erst jetzt neu erworbene Lizenzen.

Demnächst Laptops und iPads im Bundestag?

Vor einigen Tagen noch sorgte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz für Aufsehen, als er nicht mit einem Bündel Papier, sondern einem iPad ans Rednerpult schritt. Immerhin ist die Nutzung derart neumodischer Geräte im Hohen Hause gar nicht gern gesehen. Doch das dürfte sich schon bald ändern. Thomas Strobl (CDU), seines Zeichen Vorsitzender des Geschäftsordnungsausschusses, sieht den möglichen Gebrauch digitaler Geräte im Bundestag gelassen. Im heutigen "Kölner Stadt-Anzeiger" (nicht online) erklärte der Politiker: "Die Digitalisierung kommt. Gesetzesvorlagen werden wohl zunehmend digitalisiert vorliegen. IT-Technik gehört zum Arbeitsgerät. Man kann sich dem nicht verschließen." Die Verwendung von Notebook & Co. sei so lange statthaft, wie sie nicht den parlamentarischen Arbeitsablauf störe.

3,8-Milliarden-Patentklage gegen eBay

Gestern reichte das amerikanische Unternehmen XPRT Ventures im Bundesstaat Delaware eine Klage gegen den Online-Auktionator Ebay ein. Den Klägern zufolge verletzt Ebay nicht weniger als sechs verschiedene Patente, auf deren Basis Bezahlsysteme wie Paypal entwickelt worden sind. Das entsprechende von Ebay im Jahr 2003 eingereichte Patent verletze bestehende Patente von XPRT, meldet "Reuters". Darüber hinaus sei es zum Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen gekommen, so der XPRT-Anwalt. Ebay habe eine Stellungnahme zu den Vorwürfen verweigert.

Hulu bald international?

Das Online-Videoportal Hulu bietet den Zugang zu einer großen Menge von Kinofilmen und TV-Serien, der für knapp zehn Dollar im Monat unbegrenzten Genuss ermöglicht. Allerdings nur für Zuschauer in den USA, der Rest der Welt guckt buchstäblich in die Röhre. Das wird sich jedoch bald ändern, schon seit Monaten arbeiten die Betreiber an einer internationalen Ausdehnung des Geschäftes. Wie die "Financial Times" berichtet, seien besonders die Märkte in Japan und Großbritannien von Interesse, es liefen bereits detaillierte Verhandlungen mit dem britischen Sender ITV. Die langen Verzögerungen bis zur Einführung des Hulu-Angebotes in anderen Ländern haben einen schlichten Grund, und der ist juristischer Natur. In jedem Land gibt es anderslautende Bestimmungen und Vorschriften, was Ausstrahlungsrechte, Lizenzen und Verwertung angeht. Diese Einzelheiten müssen also in jedem Land neu verhandelt werden, bei der Abklärung dieser Senderechte müssen die Hulu-Anwälte also dicke Bretter bohren. Die Verantwortlichen entmutigt das keineswegs, forsch erklärte Hulu-Chef Jason Kilar: "Wir sind erst dann zufrieden, wenn Hulu ein weltweiter Dienst ist."

Auch das noch:

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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.






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