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27.07.2010
 

Netzwelt-Ticker

Arabische Emirate fürchten Blackberrys

Von Felix Knoke

Blackberry: Das Smartphone ist bei Staaten unbeliebt, die Daten gerne vor Ort kontrollierenZur Großansicht
AP

Blackberry: Das Smartphone ist bei Staaten unbeliebt, die Daten gerne vor Ort kontrollieren

Eine Gefahr für die nationale Sicherheit nennt die Telekommunikationsbehörde der Arabischen Emirate Blackberry-Smartphones. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Falsch-Nerd legt Sicherheitsexperten herein und neues US-Gesetz für Kongo-Metalle.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten gelten Blackberry-Smartphones ab sofort als eine Gefahr für die nationale Sicherheit: Weil Nutzerdaten in Übersee statt auf lokalen Servern gespeichert werden, dort andere Gesetze gelten und die Daten nicht von den Behörden der Emirate überwacht werden können. In einer Pressemeldung teilt die emiratische Telekommunikations-Regulierungsbehörde TRA mit, dass die Art und Weise, wie Blackberry-Daten gespeichert werden - nämlich in Übersee - es manchen Kunden ermöglichen könnte, Blackberry-Apps "mit ernsthaften sozialen und juristischen Folgen, mit Konsequenzen für die nationale Sicherheit" zu missbrauchen; sprich: Daten außerhalb der Reichweite der Zensoren abzuspeichern.

In Sachen Blackberry dürften bei vielen Smartphone-Nutzern der VAE die Alarmglocken schrillen: Vor einem Jahr kündigte der Provider Etisalat seinen Blackberry-Kunden einen "Performance Patch" an - der sich als Schnüffelsoftware einer US-Softwarefirma herausstellte, und mit dem sich der E-Mail-Verkehr der Blackberry-Kunden aushorchen lies. Der Clou: Blackberry versendet nur verschlüsselte Mails, unmöglich für die VAE-Behörden abzuhören, die Schnüffelsoftware aber griff unverschlüsselte Daten ab, leitete sie direkt an den Etisalat weiter. Den Kunden blieb nur Verwunderung: Warum ist meine Batterie immer so schnell leer?

Schon seit langem versuchen die VAE-Behörden den Informationsfluss zwischen den Golfstaaten zu kontrollieren. Die Föderation von sieben Emiraten setzt ein hartes Zensurregime durch, zensiert Medien. Wer aufs Internet zugreifen will, muss sich über einen Filter-Server einloggen, viele Dienste sind gleich ganz gesperrt. Im Visier der Zensoren stehen dabei offiziell vor allem pornografische Websites, gelöscht und blockiert werden aber auch alle vermeintlich "unislamischen" Angebote, die religiöse Gefühle verletzen oder "schädliches Verhalten" fördern, etwa Glückspiel. Ausführliches zur Zensur in den VAE trug die OpenNet Initiative in einer Zensur-Studie von 2004 bis 2005 zusammen.

Den VAE geht es angeblich nicht um die prinzipielle Aufrechterhaltung einer Zensur: Nach Regierungsdarstellung gehe es um die vorsichtige Liberalisierung des Marktes und eine schrittweise gesellschaftliche Lockerung.

IT-Sicherheitsexperten fallen auf schönen Falsch-Nerd herein

Über 200 Männer und Frauen, Spezialisten des US-Militärs, von Geheimdiensten und IT-Firmen, schreibt Computerworld.com, sind auf ein verlockendes Fake-Profil hereingefallen, mit dem Sicherheitsforscher Thomas Ryan bei Twitter, Facebook und LinkedIn auf Geek-Jagd ging. Seine Profil-Persona war der hübsche weibliche Nerd "Robin Sage", eine Hackerin mit MIT-Abschluss, zehn Jahren Code-Erfahrung und einer Anstellung als Cyber-Expertin bei der Navy. Wahrscheinlich weil Robin gut aussah, erfolgreich war und Flirt-Potential ausstrahlte, bissen die Angeschriebenen an: Von jeweils 300 Anfragen waren bei Facebook 226, bei LinkedIn 206 und bei Twitter 204 erfolgreich. Von da an ging es sicherheitstechnisch bergab, berichtet Ryan: Viele der neuen Freunde teilten großzügig persönliche Informationen und Fotos mit Robin, luden die Expertin zu Konferenzen ein oder baten um ihren Rat oder boten ihr einen Job an.

Wäre Sage ein ausländischer Spion gewesen, mutmaßt Ryan in Richtung der erst kürzlich aufgeflogenen russischen Spione, hätte sie wohl eine Menge nützliche Informationen bekommen. Also: Nur Freundesanfragen aus dem Netz beantworten, wenn man die Leute auch schon persönlich getroffen hat. Oder als Netz-Faustregel: Niemanden anschreiben, den man nicht auch persönlich kennt.

US-Kampagne gegen Rohstoffe, die Bürgerkriege finanzieren

Ein neues Gesetz entzweit Bürgerrechtler und Entwicklungshelfer in den Vereinigten Staaten. Per Gesetz müssen Elektronik-Hersteller künftig auf der Verpackung angeben, ob in ihrem Produkt Stoffe verarbeitet sind, die in von Rebellen kontrollierten Minen in der Demokratischen Republik Kongo und den umgebenden Ländern gefördert wurden. Dieser Zug, ein Appell auch an die Verantwortung der Käufer, solle den Rebellen den Geldhahn abdrehen, sie zur Aufgabe zwingen, schreibt AP.

In den USA ist die Verwendung von Kongo-Metallen in Gadgets seit einiger Zeit in der Diskussion. Bürgerrechtsorganisationen klären über die blutigen Hintergründe auf, etwa mit Werbespots wie "I'm a Mac … and I've got a dirty secret" ( Ich bin ein Mac … und hab ein schmutziges Geheimnis). Es geht vor allem um drei Metalle: Zinn, Tantal und Wolfram. Zinn für die Lötstellen, Tantal für die Kondensatoren, Wolfram unter anderem auf Leiterbahnfilmen und als Vibrationsmasse in Handys.

Aber ein Verkaufsstopp dieser Metalle könnte auch Hunderttausende Kongolesen treffen, die in und um die Minen arbeiten, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Für ein seit Jahren um Stabilität kämpfendes Land eine Zumutung, meint etwa Sara Greenen vom Institut für Entwicklungspolitik und -Management an der Universität Antwerpen: "Für viele, viele Menschen ist das der einzige Lebensunterhalt."

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insgesamt 6 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.07.2010 von berufskonsument: Symbolfoto

Also wer nicht aus dem Kopf die Modellnummer des abgebildeten BlackBerrys sagen kann, darf eigentlich nicht mitreden. War zwar eines der besseren Modelle, aber gab es kein aktuelleres Symbolfoto? Davon abgesehen macht der [...] mehr...

28.07.2010 von expat-g: Man kann natuerlich darueber streiten

ob es gut ist seine Daten einem privaten Anbieter anzuvertrauen. Das eigentliche Problem fuer die Emirate ist aber dass sie keinen Zugang haben zu den Daten die auf RIM Servern liegen. Der Versuch im letzten Jahr sich per [...] mehr...

28.07.2010 von snickerman: Applaus!

Ist schon toll, wie sich hier in einem freien Land gleich jede Menge Zensurbefürworter finden! Geht doch einfach dahin, wo es Euch besser gefällt, wo man sorgsamer mit Euren Daten umgeht... da wo diese feinsäuberlich gesammelt [...] mehr...

27.07.2010 von j0nnl:

Meines Wissens nach sind Blackberrys im Bundestag aus demselben Grund ebenfalls verboten, im Gegensatz zu Iphones. mehr...

27.07.2010 von motormouth: Sicherheit? Datenschutz? Spionage?

Während in der EU Bankdaten (SWIFT) an die USA geliefert werden, sind die Araber wesentlich vorsichtiger bei Daten, die auf US-Servern (RIM/ Blackberry) liegen. mehr...

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Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.






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