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03.08.2010
 

Netzwelt-Ticker

Weichte Microsoft IE8-Datenschutz bewusst auf?

Von Felix Knoke

Internet Explorer: Weniger gut als möglich wegen Zugeständnissen an Werber?Zur Großansicht

Internet Explorer: Weniger gut als möglich wegen Zugeständnissen an Werber?

Offenbar aus Angst, die eigenen Online-Werbepläne und das Verhältnis mit Werbefirmen zu torpedieren, hat Microsoft den Datenschutz beim IE8 geschwächt. Außerdem: Mumba-Botnet infiziert Zehntausende, Wikipedia legt sich mit FBI an und das Problem mit dem Drive-by-Hack. Das und mehr im Überblick.

Microsoft muss sich gegen Vorwürfe wehren, die Datenschutzeinstellungen des Internet Explorer 8 (MSIE) zuungunsten seiner Kunden aufgeweicht zu haben. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, planten Microsoft-Programmierer, ihren gerade in der Entwicklung befindlichen MSIE 8 besonders datenschutzfreundlich zu gestalten: Mit einem standardmäßig aktivierten "InPrivate"-Datenschutzmodus, bei dem der Browser so wenig wie möglich Nutzerinformationen an besuchte Websites übermittelt. Nur auf ausdrücklichen Wunsch des MSIE-8-Surfers, so der ursprüngliche Plan, sollte der Browser etwa Cookies von Websites speichern.

Doch so ein generelles "Opt-in" (nur bei ausdrücklichem Einverständnis) bietet heute noch kein offizieller Browser standardmäßig an - auch MSIE 8 nicht. Zumindest in diesen Fall ist klar, warum: Der Plan scheiterte an den Vermarktungsvorstellungen der Microsoft-Bosse. Laut "WSJ" würde der automatische Datenschutzmodus es Microsoft schwerer machen, am Verkauf von Online-Werbung zu verdienen, das Verhältnis zu Online-Werbefirmen könnte Schaden nehmen.

Kooperation schien den Entscheidern bei Microsoft da angeblich das bessere Modell.

In einem Blog-Eintrag bezieht Dean Hachamovitch, einer der Entwickler, die mit ihrem Datenschutzkonzept gescheitert sind, offenbar (aber nicht ausdrücklich) Stellung zum "WSJ"-Bericht: Browsen sei immer ein Informationsaustausch, heutzutage sei ein echter Datenschutz gar nicht mehr ohne Funktionsverlust möglich.

Wer es trotzdem ausprobieren möchte: Das Winhelponline-Blog zeigt, wie leicht man seinen MSIE 8 standardmäßig in den InPrivacy-Modus versetzen kann.

Wer schaut mir beim Surfen über die Schulter?

Apropos Datenschutz und Online-Werbung. Das "Wall Street Journal" hat in seinem Blog eine interessante Verbildlichung vom Tracking-Verhalten der 50 in den USA erfolgreichsten Websites vorgestellt. " Werber spionieren Internet-Surfer aus - sie beobachten und speichern jeden ihrer Klicks, erstellen und verkaufen detaillierte Dossiers über ihre Aktivitäten und Interessen." Allein auf Dictionairy.com, ein Standard-Wörterbuch, warten über 230 Cookies von 57 verschiedenen Werbefirmen auf Surfer. Bei Msn.com sind es immer noch mehr als 200, bei MySpace über hundert. Bei der Wikipedia sind es null.

Marktanteile: Das Hoch, das Runter

Die Marktforscher von Net Applications haben wieder einmal einen Monat lang rund 160 Millionen Zugriffe auf 40.000 Websites ausgewertet und daraus Marktanteile von Betriebssystemen herausgearbeitet: Windows XP liegt demnach immer noch mit über 60 Prozent vorne, Windows 7 hat Windows Vista überholt - im Vergleich zum Marktanteil aller Windows-Versionen zusammen (91,3 %) kriecht Mac OS X mit fünf Prozent leicht nachlassend (März: 5,3 Prozent), Linux steht mit 0,93 Prozent besser da als das iPhone OS mit 0,7 Prozent (Vorjahr: 0,3 %). Wer also als potentielles Malware-Opfer möglichst uninteressant sein will, müsste...

Aber es geht überraschend weiter: Laut einer Nielsen-Studie hat - zumindest in den USA! - das Android-Betriebssystem das iPhone OS im Eiltempo hinter sich gelassen. Der Markt für mobile Betriebssysteme gehört zwar noch zu 33 Prozent RIMs Blackberry, aber Android hat mit 27 Prozent alle iPhone OS bei 23 Prozent hinter sich gelassen. Windows Mobile kommt auf schwache elf, Palm OS, Symbian und Linux kommen auf zusammen sechs Prozent. Bereits 25 Prozent aller Amerikaner, so die Marktforscher weiter, seien Smartphone-Besitzer.

Nur im Android-App-Shop sieht es - wohl wegen des hohen Anteils von Raubkopien - schlecht für kommerzielle App-Entwickler aus: Die gehen lieber zu Apple, veröffentlichen Apps ohne Piraterie-Problem.

Mumba-Botnet infiziert Zehntausende

Virenschützer haben ein neues Botnet aufgespürt. Über 55.000 PC sollen bereits über das Mumba-Botnet mit Malware infiziert worden sein. Insgesamt 60 Gigabyte persönlicher Nutzer-Daten - Zugangsdaten zu sozialen Netzwerken, Details zu Bankkonten, Kreditkartennummern und E-Mail-Details - soll das Netzwerk gestohlen und an einen Command-and-Controll-Server der Avalanche-Gruppe übertragen haben, eine osteuropäische Cyberbande. Ein Drittel der infizierten PC stehen in den USA, 17 Prozent in Deutschland. Ein vollständiger Bericht steht bei Akima.de als PDF zum Download (925 KB).

iOS 4: Das Problem mit dem Drive-by-Hack

Man kann hämisch johlen über den Hack, mit dem man das iPhone 4 ganz einfach entsperren kann, indem man eine speziell präparierte Website ansurft. Man kann aber auch das Fürchten bekommen: Wie das Apple-Blog 9to5mac.com beschreibt, ist dieser Drive-by-Jailbreak nur möglich, weil das iOS 4 eine enorme Sicherheitslücke aufweist, über die Angreifer ohne Mühe neue Daten, neuen Programmcode ins iPhone schreiben können.

Eine detaillierte Beschreibung des Hacks versucht das Digdog-Dig-Blog. Klar ist: Bei Apple dürfte jetzt so lange Schlafverbot herrschen, bis die Sicherheitslücke geschlossen ist. Für 9to5mac ist klar: Bis dahin sollte man extrem vorsichtig sein, welche Websites man mit dem iPhone besucht.

Siegelstreit: Wikipedia erklärt FBI das Gesetz

Das FBI-Siegel als Grafik im FBI-Artikel in der Wikipedia?

Verboten! Da ist der Brief unmissverständlich, den das FBI der Wikimedia Foundation im Juli zukommen ließ (PDF-Datei, 397 KB): Wer das FBI-Siegel unrechtmäßig verwendet, kann mit bis zu sechs Monaten Haft rechnen. "Bitte entfernen Sie innerhalb von 14 Tagen das FBI-Siegel von allen Wikipedia-Seiten, oder wir leiten juristische Schritte ein."

Zur Unterstreichung der Vorwürfe zitiert das FBI ausführlich ein Gesetz, das die Verwendung amtlicher Siegel regelt. Doch wie die "New York Times" berichtet, lässt sich die Mutterorganisation der Wikipedia davon kaum beeindrucken. Ein Antwortbrief geriet zur Retourkutsche: "Zwar schätzen wir Ihr Verlangen, [das Gesetz] so umzuformulieren, dass es Ihrer weitreichenden Vorstellung entspricht, tatsächlich aber müssen wir uns an die tatsächliche und nicht an eine wünschenswerte Fassung [des Gesetzes] halten (PDF-Datei, 133 KB)."

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03.08.2010 von Klau3: Android = Linux

Ich wundere mich warum Android von "Linux" bei den Handy-Betriebssystemen separiert wird, hat es doch einen angepassten Linux Kernel und *ist somit als Linux-Betriebssystemen zu werten*. Wikipedia: "Android ist [...] mehr...

03.08.2010 von bismarck_utopia: Farce

In allen Browsern ist die Privat-Funktion nahezu eine Farce. Die Cookies und die History werden zwar nach der Session gelöscht, aber die IP wird dennoch übertragen. Für weiter gehende Anonymität braucht man Anonymisierungsdienste. mehr...

03.08.2010 von cgdams: Hochaktuelle Nachricht, das...

Diese Entscheidung wurde vor mehr als zwei Jahren getroffen. Das Sommerloch scheint dieses Jahr besonders tief ausgefallen zu sein... mehr...

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Zum Autor

Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.






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