Carsten Sobota ans Telefon zu bekommen, ist dieser Tage nicht ganz einfach. Seit er sich Ende der dritten Märzwoche den kleinen Scherz erlaubte, mit "Big Uncle" ein im weitesten Sinne als "Moorhuhn-Derivat" zu klassifizierendes Spiel ins Web zu stellen, laufen bei ihm die Drähte heiß. Doch sein Spiel unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von all den Hühner-Spielen.
Tatsächlich könnte man argumentieren, dass Big Uncle das "Big Brother"-Konzept auf den Punkt bringt. So glaubt auch Sobota nicht daran, dass ihm Ärger mit der Big-Brother-Produktionsfirma Endemol oder mit rtl2, dem Verbreiter dieser TV-Innovation, ins Haus stehe: "das ist doch die beste Werbung, die die sich wünschen können!"

Er ist der große Onkel: Carsten Sobota
Noch größer ist allerdings die Begeisterung der Big Uncle-Fans. "Die ballern lieber auf ihre Lieblinge, als all die Big-Brother-Hasser", weiß Sobota. Big Uncle ist jetzt schon Kult - was der Programmierer so angeblich weder kalkuliert, noch erwartet hat.
Denn was den Big Uncle vor allen Dingen von all den Moorhühnern der virtuellen Welt scheidet, ist seine Entstehungsgeschichte. Carsten Sobota leitet Computer-Kurse, nennt sich freier Dozent für neue Medien. Und weil man doch am Besten am konkreten Objekt lernt, konzipiert und realisiert er mit seinen Schülern kleine Projekte. Sobota: "Die Idee zu Big Uncle hatten wir letzten Dienstag. Mittwoch waren wir soweit fertig, und Donnerstag abend ging das Spiel Online."
Aber sicher. So einfach ist das, weiß man doch. Nun, Trommeln gehört zum Geschäft: Sobota betreibt "sobmedia", eine kleine Multimedia-Agentur. Tatsächlich, gibt er zu, habe die Vorprogrammierung des Spieles sechs Tage gedauert.
Und was kommt heraus bei so einer aus dem Ärmel geschüttelten Produktion? Ein glatt und laufsicher programmiertes Schießbuden-Spiel, bei dem die Konterfeis der Big Brother-Kandidaten auf kleine Zielscheiben montiert vor dem PC-Schützen vorbeiziehen. Das ist schnell und hektisch und witzig - und gar nicht böse gemeint, sagt Sobota: "Ich habe ja gar nichts gegen die Kandidaten. Man schießt ja auch gar nicht auf sie. Man schießt auf kleine Zielscheiben, auf die aber irgendein Witzbold diese kleinen Fotos montiert haben muss." Das versichert er inzwischen auch auf seiner Homepage.
So ist das also. Da liegt auch der Grund, warum sich die "Zielscheiben" nach einem Treffer in eine Art blauen Fladen verwandeln. Es erklärt jedoch nicht, warum die Getroffenen so markerschütternd schreien. Doch auch das wirkt auf Big Brother-Freund wie Feind anscheinend eher erheiternd. Bereits wenige Tage nach Veröffentlichung des Spieles registrierte Sobota 5000 bis 8000 Abrufe täglich - wie viele Kopien inzwischen im Internet kursieren, wagt er nicht zu schätzen. "Am Dienstag meldete der Counter irgendwelche Millionenzahlen, aber das ist ja unmöglich. Der ist einfach durchgedreht. Der spinnt."
Möglich. Oder auch nicht: Es soll Betriebe geben, in denen der Big Uncle das Moorhuhn bereits verdrängt hat. Richtig zur Sache geht es auch im Gästebuch der Big-Uncle-Website: Über einen Mangel an Zuspruch (und Hass-Briefen) kann Sobota wirklich nicht klagen. Wenn auch die meisten, wie "LR", das Ganze eher positiv aufnehmen: "Soooo, das war gut. Jetzt seh ich diese Scheißsendung wieder mit anderen Augen ;-)".
Positiv dürfte sich die Sache wohl auch für Carsten Sobota auswirken. Vor noch gar nicht langer Zeit suchte er einen Job - den dürfte er nun wohl finden (oder nicht mehr brauchen), wie ein ihm offensichtlich bekannter Gast im Gästebuch anmerkt: "Für die Karriere nun keine Barriere". Haben Sobota und Company vielleicht Börsenpläne?
Frank Patalong
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