Von Felix Knoke
Eine neue Studie von Cyveillance bescheinigt aktuellen Anti-Virus-Produkten geringe Effektivität beim Schutz vor gerade erst in Umlauf gebrachten Computerschädlingen. Durchschnittlich nur 19 Prozent der neuen Malware sollen am Erscheinungstag erkannt werden, einen Monat später nur 61,7 Prozent. In der Studie heißt es: "Traditionelle Anti-Virus-Hersteller hinken Online-Kriminellen hinterher, wenn es um die Entdeckung und den Schutz vor neuen und sich schnell entwickelnden Gefahren im Internet geht." Glaubt man diesen Angaben, dann wären das verheerende Ergebnisse für Anti-Virus-Hersteller und -Anwender.
Doch wie glaubwürdig sind diese Angaben? Der Herausgeber der Studie ist selbst ein Anti-Virus-Hersteller, die Studie nimmt nur einen speziellen Aspekt von Schutzsoftware in Augenschein: die Erkennung von sogenannten Signaturen. Viren-Signaturen sind Spuren, die für Malware einer bestimmten Art typisch sind und an die sich Anti-Virus-Software heften kann - sobald das Anti-Virus-Labor sie erkannt, extrahiert und an die Software-Kunden weitergeleitet hat. Man kann sie sich als gemeinsame Merkmale miteinander verwandter Viren oder Spuren eines bestimmten Tool-Sets vorstellen, mit dem eine Malware programmiert wurde.
Außen vor lässt die Studie die sogenannte heuristische Viren-Erkennung, die anhand von allgemeinen Merkmalen und dem Kommunikationsverhalten von Programmen bösartige Vorgänge auf einem Rechner erkennen kann - ein Standard praktisch aller Anti-Virus-Programme. Das wirft Anti-Virus-Hersteller Panda der Studie im Gespräch mit The Register auch vor: Heuristiken und andere generische Methoden sind grundlegend in jeder Anti-Virus-Software.
Ist die ganze Studie also Schmu - oder nur plumpe Eigenwerbung mit harten Bandagen? Nicht ganz: Tatsächlich stellen frische Viren, täglich neu in Tausenden Varianten, ein riesiges Problem dar. Nur wer noch vor jeder Anti-Virus-Software und im Betriebssystem angelegtem Malware-Schutz grundlegende Schutzmaßnahmen ergreift, hat überhaupt ein Mindestmaß an Sicherheit: Man braucht aktuelleste Software-Versionen, sollte stets als Gast und nicht als Administrator in Windows angemeldet sein, ein gerütteltes Maß an Paranoia im Netz pflegen, aber auch im Umgang mit E-Mails und im Messenger.
Google denkt nach: Datenschatz und Verantwortung
Das "Wall Street Journal" hat Auszüge aus einem geheimen, siebenseitigen "Vision Statement" veröffentlicht, in dem Google mit der Frage ringt, wie weit das Unternehmen in Sachen Datenschutz und Privatsphäre gehen darf: Darf Google den ungeheuren Datenschatz, den das Unternehmen angehäuft hat und immer weiter anhäuft, versilbern, wenn darunter der Datenschutz leidet? Soll Google Daten im großen Stil verkaufen, Nutzer-Wissen quer über die Plattform kombinieren, seinen Surfern passgenaue und höchst aktuelle Werbeanzeigen vorlegen?
Im Dokument bezeichnet Google die eigene Suchmaschine als "die BESTE Quelle für Nutzer-Interessen, die es im Internet gibt". Sollte Google diese Daten für zielgerichtetere Werbeanzeigen verwenden, gäbe das Google einen Wettbewerbsvorteil gegenüber allen anderen Konkurrenten. Allerdings seien nicht alle Wege, die zu diesem Ziel führen, "sicher", also vertretbar.
Klar ist aber: Skandale braucht man in dem Dokument nicht zu suchen. Soweit das aus den Auszügen hervorgeht, ist es wohl eher ein Brainstorming-Protokoll von 2008. Einige der darin vorgebrachten Vorschläge hat Google bereits umgesetzt.
Die Vorschläge der "Gaga"-Kategorie "Wacky" werden es aber vermutlich nie schaffen: Soll Google Surfer gegen Geld von Werbung verschonen, ihnen die Möglichkeit bieten, Werbeplätze nur für sich auf Web-Seiten zu kaufen und so diese Angebote direkt finanziell zu unterstützen? Soll der Google-Mitbegründer Larry Page über ein spezielles Verfahren ständig aus aller Welt für ihn entworfene Online-Werbung angezeigt bekommen, zur Unterhaltung aller?
Craigslist-Kritik: Menschenhandel und Missbrauch
Die sehr erfolgreiche US-Kleinanzeigenseite Craigslist steht immer mal wieder wegen ihrer umfangreichen Erotik-Rubrik in der Kritik. Jetzt schließen sich zwei Menschenrechtsgruppen den Forderungen nach einem Aus der Kontaktanzeigen an. In halbseitigen Werbeanzeigen in der "Washington Post" und dem "San Francisco Chronicle" führen sie zwei aktuelle Missbrauchsfälle an: Anonym erzählt eine ehemalige Craigslist-Kundin, wie sie von einem Kontakt, den sie über die Kleinanzeigen fand, vergewaltigt wurde. Eine andere, wie sie von einem Kontakt, den sie über das Angebot kennenlernte, zur Prostitution gezwungen wurde.
Craigslist verdiene 36 Millionen Dollar im Jahr mit den Anzeigen, dafür müsse man von dem Unternehmen auch ein Maß an Verantwortlichkeit verlangen können. Craigslist antwortet in einem ausführlichen Blog-Eintrag auf die Vorwürfe, sagt, man wolle die Täter "dringend" hinter Gittern sehen. "Falls Craigslist missbraucht wurde, wollen wir mehr darüber erfahren, um unsere Schutzmaßnahmen zu verbessern," schreibt Craigslist-Mitbegründer Jim Buckmaster. "Wenn jemand solche Verbrechen begangen hat und nicht festgenommen und verurteilt wurde, wollen wir alles in unseren Kräften Stehende unternehmen, der Polizei dabei zu helfen."
Afghanistan-Krieg: Visualisierung der WikiLeaks-Dokumente
Es ist eine Sache, schreibt Wired.com, in der Fülle der bei WikiLeaks veröffentlichten geheimen US-Militärdokumente aus dem Afghanistan-Krieg über all die Taliban-Attacken zu lesen. Eine ganz andere Sache sei es, all die Bombenattentate und Gefechte zu sehen, in visualisierter Form nachzuvollziehen, wie sich immer weiter ausbreiten. Drew Conway, ein Politik-Student der New York University, mache genau das mit einer selbstgeschriebenen Software möglich: "Das Ergebnis ist nervenaufreibend, wie eine Zeitrafferaufnahme eines Autobahnunglücks." Zu sehen: Eine Landkarte Afghanistans und bunte Flecken, die alle zwischen 2004 und 2009 registrierten Kriegstoten repräsentieren: tote Taliban, tote Zivilisten, tote afghanische, tote Nato-Soldaten. Die Daten dazu extrahiert die Software automatisch aus den "Afghanistan Protokollen".
Dass das mehr als erschreckend, sondern auch aufschlussreich ist, demonstriert Conway am Beispiel der Anschläge entlang einer afghanischen Ringstraße: Daran könne man die Strategie der Taliban erkennen, die afghanische Regierung zu unterminieren, indem sie Dörfer voneinander abschneiden. Auch wenn die Afghanistan Protokolle nicht die ganze Wahrheit erzählen können - eines lasse sich mithilfe Conways Software auf jeden Fall herauslesen: wie schlimm es zwischen 2006 und 2007 wirklich wurde.
Informantenschutz: Menschenrechtsgruppen versus WikiLeaks
Derweil gerät WikiLeaks für die Veröffentlichung der Militärdokumente auch in die Kritik von Menschenrechtsgruppen. Weil die veröffentlichten Informationen nur unzureichend anonymisiert wurden, sei das Leben von Afghanen in Gefahr, die dem US-Militär etwa als Informanten geholfen hatten. So steht es es laut "Wall Street Journal" in einem nicht-öffentlichen Briefwechsel zwischen den Organisationen und WikiLeaks: "Wir haben die negativen, zuweilen tödlichen Folgen für diejenigen Afghanen gesehen, die (von den WikiLeaks-Dokumenten) als Zuträger oder Sympathisanten der internationalen Streitkräfte identifiziert wurden", soll es in dem Initialschreiben von fünf Menschenrechtsgruppen, darunter Amnesty International, heißen. "Wir fordern ihre Helfer und Mitarbeiter dringend dazu auf, die Dokumente zu analysieren und sicherzustellen, dass alle identifizierenden Informationen herausgenommen oder überarbeitet werden."
Laut "WSJ" lud Assange die Briefschreiber zunächst zur Mithilfe ein, reagierte auf deren Absage aber zornig: "Ich bin viel beschäftigt und habe keine Zeit, mich mit Leuten auseinanderzusetzen, die lieber nichts anderes tun, als ihre Ärsche zu retten." Falls Amnesty nichts unternehme, werde er die Presse über diese Weigerung informieren. In einer Twitter-Meldung schrieb er später: "Der Pentagon will uns bankrott machen, indem er die Mithilfe an der Überarbeitung verweigert. Medien wollen keine Verantwortung übernehmen. Amnesty auch nicht. Was nun?"
Weitere Meldungen:
Auf anderen Social Networks posten:
Hallo, der link geht nicht! mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH