Die Hälfte: Das, behauptet ein aktueller Bericht der US-Telekommunikationsbehörde FCC, sei das Maß der Leistung, das Breitband-Kunden von ihren Providern tatsächlich geliefert bekämen. Sie bezahlten 100 Prozent und bekämen 50 Prozent davon geliefert. Im statistischen Durchschnitt surften US-Internetnutzer mit vier Megabit pro Sekunde, hätten aber acht versprochen bekommen und bezahlt.
Klingt skandalös, ist aber zumindest teilweise technisch bedingt: Solange die Minderleistung im Rahmen bleibt, ist alles okay - 50 Prozent allerdings sind definitiv ein Grund für eine saftige Reklamation.
Provider bewerben ihre Angebote stets mit einer "bis zu"-Zahl, die die theoretisch erreichbare höchste Leistung beschreibt. In der Praxis wird die aber so gut wie nie erreicht: Dazu müsste man direkt am Zugangsknoten sitzen - und vorzugsweise auf einem Einsiedlerhof mit eigener Anbindung ohne Nachbarschaft. Denn nicht nur die Physik sorgt dafür, dass mit wachsendem Abstand zum Verteiler die Leistung sinkt, man teilt die verfügbare Leitungskapazität ja auch mit anderen - weshalb so manche DSL-Leitung zu bestimmten Zeiten tatsächlich schneller ist als zu Daten-Hauptverkehrszeiten.
In Großbritannien wurde das Thema etwa vor Jahresfrist lebhaft diskutiert: Viele Verbraucher empfinden die gebremsten Datenleistungen als Mogelpackungen. Die britische Telekommunikationsaufsicht Ofcom propagiert seit einiger Zeit einen "Broadband Speeds Code of Practice" auf freiwilliger Basis, der Provider in die Pflicht nehmen will, ihren Kunden bei Vertragsabschluss realistisch zu erreichende Datendurchsatzraten zu nennen. Noch weiter, berichtet Ars Technica, geht man in Ungarn, wo Provider mit ihrer Höchstleistung werben dürfen, zugleich aber eine garantierte Mindest-Datendurchsatzrate angeben müssen. Eine feine Sache, findet der IT-Newsdienst.
Finden wir auch - vor allem bei den hochpreisigeren DSL-Flatrates über sechs Mbit/sek. Denn die werden selbst im städtischen Bereich allzu häufig kräftig unterschritten. Ein wirklich kundenorientierter Telekommunikationsanbieter mit gutem Service misst seine Leitung zum Kunden durch und korrigiert vor Inbetriebnahme gegebenfalls sein Angebot nach unten, statt dem Kunden einen Porsche zu verkaufen und einen Käfer zu liefern. Leider ist das aber auch in Deutschland nur die löbliche, aber seltene Ausnahme. Normalerweise wird verkauft, geliefert - und abgewartet, ob Reklamationen kommen.
Die meisten Kunden aber bekommen gar nicht wirklich mit, ob ihre Leitung liefert, was sie verspricht. Selbst Web-Videos mit schon erhöhter Qualität streamen ab drei echten Mbit/sek flüssig und völlig ruckelfrei über die Leitung - ob da nun eine bezahlte 6- oder 12-Mbit-Leitung hinterhängt, ist ohne Relevanz. Nur bei großen Downloads fallen Diskrepanzen auf. Obwohl also auch eine Minderleistung nicht unbedingt zu Kundenunzufriedenheit führen muss, gilt doch, dass man nur für das zur Kasse gebeten werden sollte, was man als erbrachten Dienst auch erhält - wer immer nur 50 Prozent bekommt, sollte nicht 100 Prozent zahlen.
Und wie sieht es bei Ihnen aus?
Ob Ihre DSL-Leitung dem entspricht, was Sie bezahlen, lässt sich mit Hilfe eines einfachen Speed-Tests leicht prüfen. Dabei werden zwischen Ihrem Rechner und einem Messserver Datenpakete hin und hergeschickt. Manche Anbieter fragen nach Ihrem Provider und Ihrer Postleitzahl und vergleichen dann das Ergebnis der Messung mit anderen Messungen Ihres Providers in Ihrer Nähe.
Solche Tests sind allerdings erst dann aussagekräftig, wenn man sie mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten, möglichst auch an verschiedenen Tagen wiederholt. Ergibt sich dann eine dokumentierte, anhaltende Minderleistung, sollte man das beim Provider reklamieren. Díe meisten Tests werten allerdings Datendurchsatzraten ab etwa 75 Prozent der versprochenen Leistung als gut. Das ist realistisch, mehr ist zwar erfreulich, kann aber tatsächlich nicht unbedingt erwartet werden.
Wir haben ein paar Geschwindigkeitstests für Sie zusammengestellt:
Vodafone-Speed-Test (offen für alle DSL-Nutzer)
DSL-Speedtest bei "Computerbild" (mit Feedback über Provider und Auswertung)
pat
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