Von Carolin Neumann
Erwartungsgemäß stößt die Facebook-Places-Anwendung auf wenig Gegenliebe bei Datenschützern. Die Neuerung ergänzt das weltgrößte soziale Netzwerk um Geo-Tagging: Ähnlich wie bei Diensten wie Foursquare können Nutzer künftig per Mausklick mitteilen, an welchem Ort sie gerade sind. Der Schritt kommt nicht überraschend, entsprechend deutliche Kritik ließ da auch nicht lange auf sich warten. Doch nicht etwa die generellen Gefahren der Lokalisierung geraten ins Visier, sondern wieder einmal die unübersichtlichen Sicherheitseinstellungen von Facebook. Wer nicht von Freunden beliebig virtuell verortet werden will, muss das so festlegen. Und das kann mitunter kompliziert werden, wie SPIEGEL ONLINE bereits zeigte.
Es sei jedes Mal dasselbe, wenn Facebook mit einer Neuheit daher kommt, klagt die Organisation Privacy Rights Clearinghouse im "Guardian" über das Einstellungs-Wirrwarr. In diesem Fall jedoch gehen die Bedenken deutlich über bisherige hinaus, denn: "Informationen darüber, wo wir sind, sind die sensibelsten Daten, die wir haben", sagte eine Sprecherin der Organisation.
Eine der ersten Reaktionen auf das neue Feature kam von der American Civil Liberties Union of Northern California (ACLU). Kurz nach der Vorstellung warnte die Organisation eloquent: "Check This Out Before You Check In", also: Erst die Einstellungen überprüfen, dann Places nutzen. Facebook akzeptiere bei den Privatsphäreeinstellungen kein "Nein", lautet der Vorwurf. Wer von einem Freund markiert wird, kann dem entweder zustimmen oder "Nicht jetzt" anklicken, was jedoch nur so viel heiße wie "Frag mich später noch mal". Dauerhaft abschalten ließe sich die Funktion nicht.
Eine Facebook-Sprecherin widersprach dieser Kritik: Die ACLU ignoriere die zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen, die Facebook bei diesem Dienst eingebaut habe. So könnten überhaupt nur bestätigte Freunde ein anderes Mitglied verorten, man werde jedes Mal bei so einem Vorgang informiert und außerdem müsse der Verortende sich selbst an der Position anmelden.
Und man kann diese Funktion auch komplett abschalten, und zwar in den Facebook-Privatsphäreeinstellungen: Unten links auf "Benutzerdefinierte Einstellungen" klicken, dann im Abschnitt "Dinge, die andere Personen teilen" auf den Punkt "Freunde können angeben, dass ich mich an einem Ort befinde". Es ginge vielleicht noch einfacher, aber es geht.
Google will Chrome-Anwendungen verkaufen
Google bereitet einen eigenen App Store für Web-Anwendungen vor. Dazu wurde jetzt eine erste Anlaufstelle für Programmierer eingerichtet. Dort können Web-Anwendungen schon vor dem Start des "Chrome Web Store" hochgeladen werden, wie der Entwickler Michael Noth im Blog des Google-Browser-Projekts Chrome am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte.
Der geplante Web Store bietet Entwicklern die Möglichkeit, eigene Programme zum kostenlosen Download anzubieten oder auch zu verkaufen. Nach Medienberichten will Google lediglich eine Bearbeitungsgebühr von fünf Prozent des Umsatzes erheben. Im App Store von Apple mit Programmen für iPhone, iPod touch und iPad gehen 30 Prozent des Umsatzes an Apple, der Rest an den Entwickler der Software.
Der Chrome Web Store soll die bisherige Galerie mit Erweiterungen zum Google-Browser Chrome ersetzen. Neben dem Browser-Projekt entwickelt Google auch ein eigenes PC-Betriebssystem mit der Bezeichnung Chrome OS, das sich nach der Ankündigung im Sommer 2009 noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Anwendungen für Handys mit dem Google-Betriebssystem Android gibt es in einem eigenen "Android Market".
dpa
PDF-Lücke endlich geschlossen
Mit reichlich Verspätung hat Adobe die kritische Sicherheitslücke im PDF-Reader gefixt, die auch den iPhone-Jailbreak möglich gemacht haben soll.
Das Problem war auf der Sicherheitskonferenz Black Hat Anfang August enthüllt worden, eine Lösung ließ allerdings trotz der Gefahren auf sich warten. Durch die PDF-Schwachstelle, die mit gefälschten Schriften agiert, können Angreifer Schadcodes auf fremde Rechner schleusen und ausführen. Apple schob der Anfälligkeit seines Betriebssystems iOS für diesen Fehler bereits vor einer Woche einen Riegel vor.
Netzneutralität-Hinterzimmergespräche gehen weiter
Die amerikanischen Internetriesen verhandeln wieder, darunter AT&T, Cisco Systems, Microsoft und Skype. Auch das wegen der Kooperation mit Google umstrittene Kommunikationsunternehmen Verizon ist bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen dabei. Wochenlang hatten Lobbyisten der Internetwirtschaft und Vertreter der US-Regulierungsbehörde FCC unter scharfer Kritik über Spielregeln für die Gleichbehandlung im Netz diskutiert. Nach dem Bekanntwerden des Verizon-Google-Deals, der eben diese Zielsetzung untergräbt, waren die Gespräche abrupt beendet worden.
Kurios bis bedenklich: Die Medienaufsicht fehlt bei der neuerlichen Zusammenkunft ebenso wie Verbrauchergruppen, von denen auch sogleich Kritik kommt. Die FCC hingegen behauptet wenig überzeugend, man sei "froh", dass überhaupt weiter verhandelt wird, auch wenn man selbst nicht mit am Tisch säße. Netzpolitik befürchtet nun, dass die unschöne Besetzung nur eines bedeuten kann: "Dass die genannten Firmen (wenn sie sich einigen) zukünftig an einem Strang ziehen werden."
Spielsüchtiger zieht vor Gericht
Wenn erkrankte Raucher Tabakkonzerne verklagen können oder Zocker das Casino, in dem sie all ihr Geld verloren haben, warum nicht auch ein Spielsüchtiger den Entwickler? Ein Amerikaner zieht laut Wired.com vor Gericht, weil das Spiel "Lineage II" sein Leben ruiniert haben soll. Er zog sich nicht mehr um oder duschte, die Kommunikation mit Freunden und Familie verkümmerte. Der koreanischen Herstellerfirma des Online-Rollenspiels wirft er in bester Zigaretten-Klage-Manier vor, die Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Vor den Gefahren sei nicht ausreichend gewarnt worden. Hätte er gewusst, dass er abhängig werden könnte, so die Klage, hätte der Mann nie angefangen zu spielen. In einer Voranhörung machte jetzt ein US-Richter den Weg frei für einen Prozess.
Tablet mit Panzer...technologie
Die RIM-Gerüchteküche brodelt weiter: Für seinen geplanten iPad-Konkurrenten greift der Blackberry-Hersteller auf eine Technologie zurück, die auch in Armee-Panzern verwendet wird. Das will Bloomberg von Insidern erfahren haben. Offiziell ist das Gerät, das angeblich BlackPad heißen wird, immer noch nicht.
Siegeszug des Festplattenrekorders
Zeitversetztes Fernsehen ist in der breiten Masse angekommen. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Kabelnetzbetreibers Comcast zeigt: Sechs von zehn US-Amerikanern besitzen inzwischen einen digitalen Videorekorder (DVR) und nutzen ihn auch regelmäßig. DVR ersetzt das Live-Programm allerdings noch lange nicht. Noch immer planen vier von fünf Befragten, in der in Kürze startenden Herbstsaison der US-Networks auch ins laufende Programm einzuschalten. Zu den größten Profiteuren des zeitversetzten Schauens gehören in den USA etwa die Comedy-Serien "The Office" oder "The Big Bang Theory".
Jetzt kommt der Google-Kinofilm
Auf dem Höhepunkt der Google-Debatte um Netzneutralität und Street View macht sich so eine Ankündigung besonders gut: In den USA soll sich ein Produzententeam zusammengefunden haben, um Ken Aulettas Bestseller "Googled: The End of the World As We Know It" auf die Kinoleinwand zu bannen. Natürlich steht im Kern das derzeit wackelnde Mantra der Gründer: "Don't be evil".
Das sagte Michael London, Erfolgsproduzent von Oscar-prämierten Filmen wie "Sideways" und "Milk", dem Branchenportal Deadline.com: er hat das Projekt in die Wege geleitet. "Wired" macht sich einen Spaß daraus, schon mal potentielle Darsteller für die Hauptrollen zu finden. Vorne mit dabei: Tom Hanks (eher pummelig) als Sergey Brin (eher dürr).
Auch das noch:
Auf anderen Social Networks posten:
...ich bin nicht allein auf der Welt! mehr...
Interessante Theorie.... Ich wohne z.ZT. in Tokyo, meine Freunde leben in München, San Diego, Brisbane, London, Bangkok und Indien... sie meinen also ohne Facebook existrieren unsere privaten e-mails nur in unserer Vorstellung? [...] mehr...
vielleicht einfach wenn man freunde und kollegen hat die über den halben globus verteilt sind und mit denen man gerne in kontakt bleiben möchte, fotos oder videos teilen ohne ständig jeden anzurufen und alles mitzuteilen was es [...] mehr...
"Die Gründe, nicht auf Facebook präsent zu sein, werden für mich immer zahlreicher." Ich wäre schon mal interessiert einen einzigen Grund zu finden WARUM man da Mitglied sein sollte.... Es ist mir immer noch [...] mehr...
Die Gründe, nicht auf Facebook präsent zu sein, werden für mich immer zahlreicher. "...überhaupt nur bestätigte Freunde .." können also lt. Facebook ein anderes Mitglied verorten, aha. Und man weiss ja, welch strenge [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH