Freundschaft bedeutet bei Facebook bekanntlich so gut wie nichts: Es heißt nur, dass Partei A den Kontakt- und Vernetzungsversuch von Partei B angenommen hat - und schwupps: schon ist man befreundet. Eine Vorstufe ist die öffentliche Beifallsbekundung "XYZ gefällt das!". Seit dem 20. August sammelt Partei A, in diesem konkreten Fall ist das angeblich die Partei der Arbeit Koreas (PdAK) Kim Jong Ils, Freunde und Beifall bei Facebook.
Und zwar jede Menge. Über 3000 Facebook-Nutzer signalisierten bereits, dass ihnen UriminzokkiriLike, das vermeintliche Angebot Nordkoreas, gefällt. Kein Wunder, gibt es dort doch ungewöhnlich viel zu lesen.
Die Seite soll nach Berichten von Nachrichtenagenturen angeblich ein Spin-off der amtlichen Regierungs-Webseite sein - und damit ein Versuch, ein Social Network für Propagandazwecke einzuspannen. Ein hanebüchen abwegiger Gedanke: Es wäre bizarr, zu glauben, dass es gelingen könnte, mit Menschen in einem interaktiven Social Network mit propagandistischen Absichten kommunizieren zu können. Der Versuch müsste zwangsläufig in einer Flut von Hähme und Beschimpfungen untergehen.
Es wäre also hochgradig inkompetent, wie schon ein kurzer Blick auf die Seite verrät: Natürlich ist da nichts anderes zu finden als wüsteste Beschimpfungen Kim Jong Ils, drastische Rektal-Scherzchen, Hohn und Spott im Übermaß. Ein natürlich auf jeden Fall falscher Hugo Chavez versucht, Kim Jong Il mit Irans Mahmud Ahmadinedschad zu verkuppeln, während ein vorgeblicher Nordkorea-Fan einen kürzlich fertiggestellten Kalender mit 13 Nackbildern des geliebten Führers anpreist ("Januar 2012 gibt es als Bonus"). Der angebliche Titel des Polit-Pin-up-Kalenders: "Unglückliches Schweinchen".
Propaganda sieht in der Regel anders aus.
Und zwar so, wie auf der echten Facebook-Seite Nordkoreas: Da wird nicht diskutiert, da gibt es kein Gästebuch, keine Interaktion. Da veröffentlicht die Partei Statements, ansonsten herrscht tote Hose: Kein Zweifel, so wie Uriminzok sieht eine echte Partei-Facebook-Seite aus - zumal wenn diese Partei sich keiner allzu großen Beliebtheit erfreut (zurzeit hat sie 8 Freunde).
Wie es dazu kam, dass Nachrichtenagenturen stattdessen die Adresse der falschen Facebook-Seite verbreiteten, wissen wir nicht. Lehrreich ist die Sache so oder so: Es zeigt den Propagandisten einmal mehr die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Wenn man so will, kann man bei UriminzokkiriLike lesen, was die Facebook-Nutzer bei Uriminzok nicht schreiben dürfen.
Kim Jong Il, erfahren wir übrigens auf seiner einzig echten, eigenen Seite, hat durchaus noch andere Interessen als Nordkorea und seine Partei.
Ihm gefällt laktosefreie Milch.
pat
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