ThemaMedienRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
27.08.2010
 

US-Medien

"USA Today" setzt auf Web statt Print

Zeitungsangebot in den USA: Zunehmende Verlagerung ins WebZur Großansicht
AFP

Zeitungsangebot in den USA: Zunehmende Verlagerung ins Web

Fast zehn Prozent der Mitarbeiter müssen gehen, wenn "USA Today" im Herbst den Schwerpunkt ihres Geschäfts von der gedruckten Ausgabe ins Internet verlegt. Der Kollaps des US-Zeitungsmarkts schreitet damit fort - der Schritt ins Web soll vor allem Kosten sparen.

San Francisco/Hamburg - Man kann sein Kerngeschäft aus unterschiedlichen Gründen verlegen. Der beste Grund ist, wenn neue Aktivitäten größere Profite versprechen, doch davon kann im Fall "USA Today" wohl keine Rede sein: Es geht vor allem darum, Kosten zu sparen. "USA Today" reagiert mit dem radikalen Umbau nach Angaben von Verleger Dave Hunke auf einen drastischen Rückgang des Anzeigenaufkommens.

So geht das seit Jahren in den USA: Der Print-Werbemarkt bricht weg, und auch die Leser, die sich heute lieber über kostenlose Nachrichtenportale im Internet informieren, laufen den Zeitungen davon. Das Verlagshaus Gannett will diesen abgewanderten Lesern nun dahin folgen, wo die sich heute tummeln - und das Kerngeschäft von "USA Today" von der Printausgabe auf das Internet und die neuen mobilen Dienste verlagern. Dabei sollen in diesem Herbst 130 Stellen wegfallen - das sind etwas mehr als neun Prozent der 1400 vom Verlag Gannett für die Zeitung beschäftigten Mitarbeiter.

Auf einer der Belegschaft am Donnerstag gezeigten Präsentation hieß es: "Wir konzentrieren uns weniger auf Druck...und mehr darauf, Inhalte für alle Plattformen (Web, Mobildienste, iPad und andere digitale Formate) zu produzieren." Verleger Dave Hunke gab sich gegenüber der Nachrichtenagentur AP optimistisch: "Das ist ziemlich radikal. Das macht uns fit für das nächste Vierteljahrhundert."

Zukunftsstrategie oder Notbremse gegen den Niedergang?

Für viele mag das wie Zweckoptimismus klingen: Die sukzessive Verlagerung des Geschäfts ist zwar weniger radikal als die Aufgabe des Printmarkts und die ausschließliche Konzentration auf digitale Dienste. Einen solchen Schritt aber sind auch schon einige gegangen, wobei eine Erfolgsstory, nach der der "Umzug" einen Zeitungstitel saniert hätte, nach wie vor aussteht. Der Online-Werbemarkt mag weniger eingebrochen sein als derjenige der Druck-Anzeigen, er bewegt sich aber auch auf weit niedrigerem Niveau: Auch Online gelingt es nur wenigen Anbietern, schwarze Zahlen zu schreiben.

So könnte man den Schritt der "USA Today" auch als Notbremse deuten, die zumindest den Niedergang verlangsamen soll. Als "USA Today" 1982 auf den Markt kam, galt sie von ihrem Konzept her als eine der modernsten Zeitungen weltweit: Sie bot kürzere Texte als ihre meisten Konkurrenten, illustriert mit farbigen Grafiken in einem neuen Layout - die Zeitung wurde zum viel kopierten Prototypen des Häppchen-mit-Kästchen-Journalismus.

Vor allem aber war "USA Today" für den stark regional geprägten amerikanischen Pressemarkt eine Sensation: Der Versuch, eine landesweit verbreitete Zeitung mit Boulevardblatt-Charakter zu gründen, galt als äußerst verwegen. Bis 2003 entwickelte sich "USA Today" allen Skeptikern zum Trotz zur meistverbreiteten Zeitung der Vereinigten Staaten, erreichte auf ihrem Höhepunkt deutlich mehr als zwei Millionen Auflage - für die USA ist das viel. Inzwischen ist ihre Auflage auf unter 1,8 Millionen gesunken, sie spielt nun noch die zweite Geige hinter dem "Wall Street Journal" mit 2,1 Millionen Auflage.

pat/apn

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.08.2010 von ThorstenNYC: Sowas kann kein Blog!

Tja, das sind halt auch nur Symptome für das Hauptproblem, das ich versucht habe zu beschreiben: • Agenturmeldungen statt Eigenbeiträge, • Gelaber statt seriöser und journalistisch sauberer Recherchen, all das spart Geld und [...] mehr...

27.08.2010 von Eiermann: Sog des Internets

Das einfache Problem aus der täglichen Erfahrung ist doch: Wozu noch eine Zeitung und Zeitschrift kaufen, wenn man schon immer weniger schafft, all die interessanten Sachen im Internet zu lesen. Diesem Sog werden sich m.M. auch [...] mehr...

27.08.2010 von Gandhi: Bei uns hier ist es anders

Zwar versuchen die beiden Grossen (ein Blatt in den Burbs beheimatet, eins in Philly) mit attraktiven Angeboten neue Kunden zu gewinnen, doch bleibt es beim Versuch. Sich ist das Internet ein Medium, dass schneller und damit [...] mehr...

27.08.2010 von ThorstenNYC: "Kollaps des US-Zeitungsmarktes", wirklich?

»Der Kollaps des US-Zeitungsmarktes«, ja, ja, das ist wieder mal schön marktschreierisch. Die Zeitungen, denen es angeblich schlecht geht, sind genau die, deren Besitzer sie jahrelang auf kurzfristigen Maximalprofit getrimmt [...] mehr...

27.08.2010 von eikfier: ...Artenvielfalt

...glaubt denn der Journalismus ernsthaft, daß der Internet-Kelch ausgerechnet am (mit Recht!) kritischen Journalismus vorbeizieht? Umso niederträchtiger finde ich daher als prinzipiell egoiszischer user, daß die [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Medien

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP